Die Schauspieler Stefan Murr und Heinz-Josef Braun präsentieren Grimms Märchen in frischem Gewand. Ihre humorvolle Darbietung zieht Jung und Alt in den Bann. Ein Klassiker wird zeitgemäß.
Bad Tölz – Schaurige Märchen mit angstmachenden Charakteren waren gestern. Wenn die beiden bayerischen Schauspieler Stefan Murr (49) und Heinz-Josef Braun (67) auf die Bühne kommen, gibt es in erster Linie viel zu lachen – und das für Groß und Klein. Das Duo präsentiert die alten Märchen der Gebrüder Grimm in einer ganz neuen, modernen und individuellen Form. Text, Musik und sogar die Illustrationen der Plakate – alles kommt aus der Feder der beiden Künstler. Am Sonntag treten sie mit ihrem „Bayerischen Rotkäppchen“ bei der Tölzer „Lust“ auf. Im Interview spricht Stefan Murr über die ganz eigene Interpretation des Klassikers und an welchen Schrauben er und sein Kollege Braun gedreht haben, um es zeitgemäß zu gestalten.
Stefan Murr tritt in Heimatsort auf
Herr Murr, der Auftritt am Sonntag ist für Sie ein Heimspiel. Ist es anders, in der Heimat auf der Bühne zu stehen?
Es hat auf jeden Fall etwas Besonderes. Zuletzt haben wir in Bad Tölz „Das bayerische Schneewittchen“ aufgeführt. Da sind dann Freunde und Bekannte von früher, teils mit ihren eigenen Kindern, gekommen. Das war schon schön.
Nun steht das „Rotkäppchen“ im Fokus. Was unterscheidet ihre Geschichte von dem Originalmärchen der Gebrüder Grimm?
Die Idee, die Grimmschen Märchen neu zu schreiben, hatte mein Kollege Heinz-Josef Braun. Und auch ich finde, dass die alten Märchen oft tolle Aussagen im Kern haben. Jedoch ist die Übermittlung dessen oft aus der Zeit gefallen. Daher haben wir uns nur grob an den roten Faden des Märchens gehalten und die Geschichte neu erzählt, ohne Angstpädagogik im Sinne der Drohung „Wenn Du nicht brav bist, dann passiert das und das“. Das halte ich weder für pädagogisch sinnvoll noch zeitgemäß. In unseren Geschichten werden keine Bäuche aufgeschnitten, niemand wird gefressen. Wir haben uns überlegt, wie man das Märchen schön und lustvoll erzählen kann, ohne Tod oder ähnliche Mittel. Unsere Bösewichte bekommen eine Abreibung, aber eben auf keine brutale Weise.
Grimmsche Märchen werden zeitgemäß
Haben Sie Ihrem Sohn früher die Originalmärchen vorgelesen?
Er wollte immer die Bilder und Illustrationen sehen und, dass ich ihm eine andere Geschichte dazu erzähle.
Die Figuren sind im „Bayerischen Rotkäppchen“ aber die gleichen wie im Grimmschen Märchen?
Ja. Es kommen der Wolf, das Rotkäppchen und auch die Oma vor. Aber es gibt auch ganz neue Figuren.
Wer schlüpft in welche Figur?
Naja, die Frage regelt sich bei uns oft von selbst. Aufgrund des Altersunterschieds und der Stimme übernimmt mein Kollege eher die älteren und dunkleren Charaktere. Er ist hier zum Beispiel der Wolf, während ich das Rotkäppchen und die Oma spreche.
Humor soll Kinder und Erwachsene ansprechen
Sie haben den Antrieb, dass Ihre Stücke für Kinder und Erwachsene gleichermaßen unterhaltsam sein sollen. Was ist Ihr Erfolgsrezept, um beide Zielgruppen abzuholen?
Als mein Sohn noch klein war, habe ich selbst gemerkt, wie nervig es für Eltern oft ist, immer die gleichen Kindergeschichten zig Mal zu hören. Unsere Hörspiele oder Auftritte sollen Erwachsene nicht nerven. Wir sind also von uns ausgegangen, und versuchen, unseren kindlichen Humor, den wir uns beibehalten haben, zu übermitteln. Überdies bin ich der Meinung, dass viele Kinder auch erwachsenen Humor durchaus verstehen. Und dann gibt es bei den Aufführungen tolle Situationen, etwa wenn die Kinder sich freuen, dass ihre Eltern auch wirklich Spaß haben und mitlachen. Das ist total ansteckend und sie ziehen mit.
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Was war als Kind Ihr Lieblings-Märchen?
Ich war gar nicht mal so ein Fan von den Grimmschen Märchen. Wobei mir die Bremer Stadtmusikanten schon gut gefallen haben, mit den vier Tieren und den Räubern, das fand ich wirklich gut.
Das „Bayerische Rotkäppchen“ führen Sie nun seit knapp einem Jahr auf. Gibt es schon ein Folgeprojekt?
Ja, wir haben uns vorgenommen, alle zwei Jahre ein neues Hörspiel zu veröffentlichen und damit auf Tour zu gehen. Als wir vor 16 Jahren damit begonnen haben, war das eher als Nebenprojekt gedacht, mittlerweile nimmt es einen großen Part unseres künstlerischen Schaffens ein. Wir hatten bereits weit über 700 Auftritte. Aktuell arbeiten wir schon an einem neuen Märchen. Welches das ist, bleibt aber noch ein Geheimnis.