Christine Eixenberger begeistert in Bad Tölz mit Witz, Charme und scharfer Beobachtung – ein kabarettistischer Abend voller Lachen und Lebensnähe.
Bad Tölz – Mit „Pack ma‘s! Hallo! Grias eich!“ stürmt Christine Eixenberger energieladen auf die Bühne und wird von stürmischem Beifall empfangen. Ganz ausverkauft ist das Kurhaus nicht, die Pandemie wirkt im Kultursektor immer noch nach, aber gut besucht ist es allemal. Kein Wunder, ist die Kabarettistin doch auch eine feste Größe auf dem Fernsehbildschirm, im BR sogar mit eigener Sendung, die auf ihre Vergangenheit als Grundschullehrerin anspielt. Dass die ZDF-Reihe „Marie fängt Feuer“ wegen rückläufiger Quoten dieses Jahr eingestellt wurde, scheint aber an ihr zu nagen. „Ich war viele Jahre Teil einer Serie… der Sendung mit der Maus… da war ich der kleine Maulwurf“, sagt sie gedehnt mit langen Pausen. Doch die erwartete Reaktion des Publikums bleibt aus. „Diese Feuerwehr-Serie habt ihr wohl eher nicht geschaut“, schließt sie das Thema ab.
Treffsicher, bayerisch und gnadenlos komisch
Tatsächlich ist das aber der einzige Moment, in dem die Zuschauer nicht voll eingehen auf das, was der Bühnen-Vollprofi Eixenberger anbietet. Immer wieder kann man nur staunen über ihr komödiantisches Talent, wie sie Figuren, insbesondere urbayerische Mannsbilder jeglichen Alters, so treffend nachahmt, dass das Publikum aus dem Lachen gar nicht mehr herauskommt. Und wie sie die Dinge, ganz analytische Lehrerin, genau erfasst – und unbarmherzig aufspießt.
Meisterin der Männerrollen
Zu den Mannbildern, bisher meist ehemalige Schüler oder Handwerker, ist nun ein neues hinzugekommen. „Ich habe eine freudige Mitteilung zu machen“, hebt die Kabarettistin an, um sofort mit gespielter Empörung ins Publikum zu fragen: „Haben Sie jetzt grad auf meinen Bauch geschaut?“ Nein, nicht diese Neuigkeit wollte sie verkünden, sondern dass sie endlich mit ihrem Freund zusammengezogen sei, mit Ende dreißig. Da müsse man sich halt erst mal umstellen. „Und manchmal muss ich mich dran erinnern, dass es eine gute Nachricht ist.“ Denn genau genommen seien sie nicht zusammen, sondern er zu ihr gezogen. In eine Dachgeschosswohnung mit 50 Quadratmetern. Und so kann Eixenberger für ihr Bühnenprogramm nun auch aus dem Vollen schöpfen, wenn es um die typischen Probleme des Zusammenlebens geht.
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Ausmisten mit Mama – und messerscharfem Humor
Der erste Dämpfer nach dem Entschluss, künftig eine Wohnung mit ihrem „Herzbuben“ zu teilen, ließ nicht lange auf sich warten. Als erstes habe sie kräftig ausmisten müssen. „Da habe ich so viele Sachen gefunden, von denen ich gar nicht mehr weiß, was das überhaupt ist…“ Und dann musste die Mama ran, als absoluter Profi fürs Ausmisten. Eixenberger zählt auf, was dieser Passion früher so alles zum Opfer gefallen ist: Spielsachen, Bücher, Kleider der Kinder – und der Papa. Dann spielt sie die vier verschiedenen Reaktionen ihrer Mutter auf das vor, was sie jeweils aus ihrem Kleiderschrank zieht. Das ist umwerfend komisch und umso bewundernswerter, als es fast ohne Sprache auskommt.
Privat, politisch, pointiert
Meist bleiben die Themen ganz im Privaten. Darüberhinaus streift Eixenberger aktuelle gesellschaftliche wie politische Ereignisse, gibt Söder wie Trump eins drauf oder klagt, dass ihre ehemaligen Schüler als Coaches für jedwede Lebensfragen mehr Follower hätten als sie. So der Toni, Metzgersohn, den man aus früheren Programmen kennt, der jetzt als „Pressack-Priester“ Wege aufzeige, wie man sein inneres Kind wiederfinden könne. Zentrale Frage, die man sich stellen müsse: „Was braucht mein inneres Kind?“ Da müsse sie nicht lange überlegen, meint Eixenberger. „Da gehe ich zu meinem Bruder und sage, mein inneres Kind will dein inneres Kind mal wieder so richtig verprügeln!“