Der Weßlinger Wochenmarkt ist in jüngerer Zeit sichtlich geschrumpft. Nun soll mehr Werbung und ein Bündel an Aktionen die Attraktivität erhöhen. Dass der Markt wegen des Bahnhofumbaus umziehen muss, liegt noch in weiter Ferne.
Weßling – Einst musste der Weßlinger Markt um seinen Platz bangen – wegen einer geplanten Bushaltestelle im Zuge des barrierefreien Bahnhofsumbaus. Doch der behindertengerechte Ausbau lässt auf sich warten: Vor 2028 wird wohl nicht viel passieren. Und ob der Busbahnhof dorthin kommt, ist fraglich: Nach Angaben der Deutschen Bahn gehört er nicht zur aktuellen Planung. Bürgermeister Michael Sturm glaubt: Für einen Busbahnhof an dieser Stelle sei ohnehin kein Platz. Unabhängig von künftigen Plänen schrumpft der Markt – Stand um Stand. Zuletzt hat auch Sieglinde Wastian nach 30 Jahren ihren Kuchen- und Eierstand auf ihren Hof in Oberpfaffenhofen verlegt. Jetzt soll die Attraktivität wieder gesteigert werden.
Für viele Weßlinger ist der Mittwoch eine feste Größe im Terminkalender. Einst füllten fangfrische Forellen den Einkaufskorb, dazu Ziegenkäse, Bergkäse und Camembert vom Hof, ein paar italienische Spezialitäten, frisches Gemüse und Obst, ein Stück Rindfleisch, Rumbombe, Nusszopf, Eier, Nudeln – und in Hochzeiten krönte Honig von echten Weßlinger Bienen die Liste. Gleich daneben konnte man sich noch einen duftenden Frühlingsstrauß binden lassen.
Kundschaft ist „super“
Heute ist davon nur noch ein kleiner Kern geblieben: das Käseangebot, der Fischstand, die Dönerbude – und der Obst- und Gemüsestand von Ergün Saricicek. Seit einigen Jahren sorgt seine Auslage für Farbe und Vielfalt. Von Radieschen, Frühlingszwiebeln und Kartoffeln bis hin zu prallen Erdbeeren, Himbeeren und rotbackigen Äpfeln – die Auswahl ist groß. Mit Sorge beobachtet Saricicek jedoch das Schrumpfen des Marktes. „Es fehlen Stände“, sagt er nüchtern. „Kein Metzger mehr, keine Feinkost, kein Nudelstand.“ An den Kundinnen und Kunden liege das nicht, im Gegenteil: „Die sind super.“ Was fehlt, seien Impulse. Aktionen, die den Markt wieder attraktiver machen. Genau das hat sich Sieglinde Wastian vorgenommen. Auch nach dem Abschied von ihrem Stand hält sie weiterhin die Marktleitung in der Hand.
Dieser Tage traf sie sich mit der zuständigen Mitarbeiterin der Gemeinde. „Wir werden wieder Plakate anbringen, die auf den Wochenmarkt aufmerksam machen“, berichtete sie dem Starnberger Merkur. „Und wir wollen Aktionen starten, um mehr Leben reinzubringen.“ Spritzige Einfälle? „Die haben wir noch nicht“, gibt Wastian zu. „Wir überlegen noch und befragen die Fieranten.“ Eine Veränderung gibt es schon: Seit Kurzem steht der Fischladen mit dem Rücken zur Straße – und blickt in Richtung Bahngleise. Damit hat der Markt wieder einen sichtbaren Mittelpunkt und die Kundschaft alle Angebote im Blick.
Vor 2028 wird am Bahnhof nicht gebaut
Während des barrierefreien Umbaus wird der Marktplatz nicht in gewohnter Form nutzbar sein. „Dann suchen wir eine Alternative“, verspricht Bürgermeister Michael Sturm. Denkbar sei ein Ausweichstandort auf einem Grundstück an der Hauptstraße. Der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs lässt derweil weiter auf sich warten. „Derzeit befindet sich das Projekt noch im Planrechtsverfahren, ein rechtskräftiger Beschluss liegt bislang nicht vor“, erklärt ein Sprecher der Deutschen Bahn auf Rückfrage. „Eine Bauausführung erwarten wir frühestens ab dem Jahr 2028.“ Die favorisierte Ausbauvariante sieht weiterhin „eine Kombination aus Rampen- und Aufzugsanlage am Bahnsteigende in Richtung München“ vor. Unklar bleibt hingegen, was mit dem Gelände des Wochenmarkts geschieht. Dazu lägen keine konkreten Informationen vor. Bis dahin öffnet der Markt jeden Mittwoch von 11 bis 17.30 Uhr an der Ecke Hauptstraße/Bahnhofstraße seine Türen.