Zwischen dem Vollbrand der evangelischen Christuskirche in Utting und der Grundsteinlegung für den Wiederaufbau lagen hektische 1.076 Tage – für das Pfarrer-Ehepaar Alexandra und Jochen Eberhardt eine gefühlte Ewigkeit. Nach dem offiziellen Akt können die Eberhardts jetzt beruhigt in die Zukunft blicken.
Utting – So geht es auch Helmut Schiller, Mitglied im Kirchenvorstand und ehrenamtlicher Hausmeister des evange_lischen Gemeindezentrums. Ihn klingelte die Polizei als ersten aus dem Bett, als die Christuskirche lichterloh brannte. Machtlos musste er mit ansehen, wie die Flammen das Gotteshaus vernichteten, in dem er 1949 getauft worden war. In seinem Rückblick anlässlich der Grundsteinlegung dankte er ausdrücklich der katholischen Geistlichkeit, die der Gemeinde noch in der Brandnacht „Asyl“ im Pfarrheim anbot, um dort ihre Gottesdienste und Veranstaltungen abzuhalten. „Seitdem bin ich Fan der Ökumene“, so Schiller.
Völlig unbeeindruckt von der positiv angespannten Atmosphäre des die Grundsteinlegung umrahmenden Freilicht-Gottesdienstes blieb der kleine Felix, der an diesem besonderen Tag getauft wurde. „Der Termin stand schon lange vor dem der Grundsteinlegung fest“, erklärte Alexandra Eberhardt. Sie erinnerte in Anschluss an den gescheiterten Turmbau zu Babel, weil damals Einigkeit und Kommunikation fehlten. Ganz anders wie beim „Kirchbau zu Utting“. Hier würden alle Beteiligten mit dem Rückenwind der Kommune an einem Strang ziehen. Die Zusammenarbeit mit der Versicherung, den Behörden, der Landeskirche, dem Architekten und den Gewerken greife reibungslos ineinander wie bei einem Getriebe. Dessen Antrieb, nämlich dem Ehepaar Eberhardt, dankte Bürgermeister Florian Hoffmann für das unermüdliche Engagement. Zum Ausspannen überreichte er eine Flasche Ammersee-Secco.
Geschmolzene Pfeife
Bevor man die Zeitkapsel aus Edelstahl in den Grundstein der neuen Christuskirche einbetonierte, wurde sie mit Dokumenten bestückt, bestimmt „für hoffentlich sehr späte Generationen nach uns“: Baupläne der alten und neuen Kirche, der Gemeindebrief und eine aktuelle Zeitung, eine Mini-Kirche aus dem Zinn der geschmolzenen Orgelpfeifen sowie eine Urkunde über die Zeremonie. Sie wurde live unterschrieben von den Zeugen Jochen Eberhardt, Elisabeth Tengler-Platzer als Vertrauensfrau im Kirchenvorstand sowie Oberkirchenrat Florian Baier. Er war als offizieller Vertreter der Evangelischen Landeskirche gekommen, ist mit seiner Familie aber auch Mitglied der Gemeinde, da er in Riederau wohnhaft.
Unter dem Beifall der gut 200 Gläubigen vor und neben der Baugrube wurde der offizielle Akt der Grundsteinlegung vollzogen. Es wirkten mit die Pfarrer Alexandra und Jochen Eberhardt, Architekt Mauritz Lüps, Bauleiter Hans Bader und Josef Loy, dessen Firma die maßgeschneiderten Holzelemente liefert. Hinter dem Grundstein steckte das Originalkreuz von der verkohlten Zwiebelturmspitze, das in der neuen Kirche einen Ehrenplatz bekommen wird.
Um den Weg zur Baugrube frei zu machen, demonstrierte Jochen Eberhardt mit dem Verschieben des Outdoor-Altars, wie dies auch in der künftigen Kirche funktionieren wird: Bei größeren Gottesdiensten oder Veranstaltungen stehe der bewegliche Altar an der Ostseite und alle Besucher hätten einen uneingeschränkten Blick nach vorne.
Rein äußerlich wird sich die neue Kirche auf den ersten Blick kaum von der alten unterscheiden. Um die Identität der Kirche fortzuführen, wird das aus Massivholz gefertigte Gebäude an der Außenfassade mit halbierten Rundstangen aus Fichtenholz verschalt. Damit erinnert es wieder an die skandinavische Holzknüppelbauweise der abgebrannten Kirche. Für die Entrindung der gesamt 5,5 Kilometer langen Rundstangen schlug Alexandra Eberhardt eine Gemeinschaftsaktion von handwerklich begabten Gemeindemitgliedern unter Aufsicht von Profis vor. Die bisherige Ölheizung im von Feuer einigermaßen verschonten Gemeindehaus wird ersetzt durch eine ökologisch nachhaltige Alternative, die auch in der neuen Kirche zum Tragen kommt.
Pfarrer-Kollege Dirk Wnendt organisiert bereits eine Aktion, um die Bauarbeiter gut gelaunt an der Stange zu halten. Er beliefert sie mit von Gemeindemitgliedern selbst gebackenem Kuchen. Den gab es auch nach dem Gottesdient im und vor dem Gemeindehaus.
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Spenden und mehr
Die Gesamtkosten für den Neubau der Christuskirche werden bei rund 2,6 Millionen Euro liegen. 1,5 Millionen übernimmt die Versicherung, der Rest wird über Spenden und diverse Zuschüsse wie von der Evangelischen Landeskirche finanziert. Von der 270.000 Euro teuren neuen Orgel übernimmt die Gemeinde Utting einen Anteil von 65.000 Euro.