Jedes Jahr treffen sich in der Karwoche Menschen zum gemeinsamen Gedenken an die Nazi-Gräuel, die auch in unmittelbarer Nachbarschaft der Marktgemeinde stattgefunden haben. In diesem Jahr jährt sich die Befreiung des KZ-Außenlagers Türkheim zum 80. Mal.
Türkheim – Rund 50 Menschen hatten sich dem ökumenischen Gang zum KZ-Mahnmal am Dr.-Viktor-Frankl-Weg angeschlossen und gemeinsam mit Terry Swartzberg von der Liberalen Jüdischen Gemeinde München Friedenslieder angestimmt.
Musikalisch begleitet wurde die Gedenkfeier durch den Wegzeichen-Chor. In seiner Begrüßung erinnerte Bürgermeister Christian Kähler daran, wie wichtig das Erinnern ist: „Gedenkveranstaltungen wie diese sind entscheidend, um das Bewusstsein für die Gefahren von Intoleranz, Rassismus und Diskriminierung zu schärfen.“
Für Frieden und Mut
Die Vertreter der vier Glaubensgemeinschaften – Pfarrer Martin Skalitzky von der Katholischen Pfarreiengemeinschaft, Pfarrer Claus Förster von der Evangelischen Kirchengemeinde, Terry Swartzberg und Imam Hasan Kügüc der Türkisch Islamischen Gemeinde – stellten Leid, Reue und Frieden in den Mittelpunkt ihrer Ansprachen und Gebete. Pfarrer Förster mahnte, dass es den Mut brauche, heute und in Zukunft für Gerechtigkeit und Menschlichkeit einzustehen. Swartzberg feierte in seinem Gebet das Leben und lud ein, Frieden zu wagen. Imam Kügüc hatte eine Stelle aus dem Koran gewählt, die um Schutz vor Spaltung, Hass, Verleumdung, Terror und Gewalt bittet. Gemeinsam setzten sie ein starkes Zeichen für das Verbindende.
Über Generationen hinweg
Schüler der Mittelschule Türkheim schlossen sich mit ihren Fürbitten an: für Kraft, Hoffnung, Frieden, Menschenrechte und eine bessere Zukunft. Die Schüler hatten sich in diesem Jahr besonders mit der Nazi-Zeit beschäftigt: es wurden unter anderem Informationstafeln zum KZ Türkheim gestaltet und eine Luftballon-Aktion organisiert. Höhepunkt war ein Friedensgebet aller Klassen am Mahnmal.
Altbürgermeister Silverius Bihler gab einen kurzen geschichtlichen Abriss zum KZ in Türkheim und erinnerte an die extremen Lebensbedingungen der vor allem jüdischen Häftlinge – untergebracht in Erdhütten, Hunger, harter Arbeit und Krankheiten ausgesetzt. Über 1.500 Menschen wurden gleichzeitig im KZ untergebracht, darunter viele Frauen. Am 27. April 1945 wurde das Lager von amerikanischen Soldaten befreit.
Gudrun Kissinger-Schneider, 3. Bürgermeisterin, hatte die Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag mit geplant und organisiert. Ihr ist das Thema ein großes Anliegen. Besonders berührt habe sie die Begegnung mit zwei Überlebenden des KZ Türkheim, die ihre sehr persönliche Motivation sei, das Gedenken lebendig zu erhalten. Sie wies auf die neuen Informationstafeln hin, die dem Leid und dem Tod der Opfer einen Erinnerungsort geben und Wissen bewahren.
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