Mit der Fußball-EM der Frauen wurde jetzt die Schulzeit von 32 Absolventen der Mittelschule Hallbergmoos verglichen – was einen Nerv traf bei der Zeugnisübergabe.
Hallbergmoos – Es war ein warmer Sommerabend in Hallbergmoos. Europas Fußballfans blickten gespannt nach Zürich, wo die deutschen Frauen gegen Spanien um den Einzug ins EM-Finale spielten und in der Verlängerung scheiterten. Während in der Schweiz Tränen der Trauer flossen, sah man in der Aula der Mittelschule glückliche junge Menschen: 32 Neuntklässler feierten ihren Abschluss. Was andernorts nüchtern als Zeugnisübergabe daherkommt, wurde zur kleinen Lektion über Lebenswege, Rückschläge und den Mut, nicht aufzugeben.
Rektor Rudolf Weichs verglich die Schulzeit seiner Absolventen mit der Fußball-Europameisterschaft der Frauen: „Die ersten Schuljahre – sagen wir mal –, das war die Gruppenphase: Man tastet sich heran, lernt das Spielfeld kennen und fragt sich oft, ob man überhaupt in der richtigen Sportart gelandet ist.“ Die Mittelschulzeit erinnert ihn an ein Viertel- und Halbfinale – die Gegner seien „Mathe, Deutsch, Englisch, Pubertät und Montagmorgen.“
Emotionale Worte von den Klassenleiterinnen
Mit diesem Vergleich traf Weichs den Nerv seiner jungen Zuhörer. Genauso wie die emotionalen Worte, die die Klassenleiterinnen Birgit Meiler (9a) und Ilona Nadelaev (9b) an ihre Schüler richteten – über den Schulalltag dieses ausgesprochen fröhlichen Haufens, die Klassenfahrt nach Nürnberg, Überlebensstrategien in öffentlichen Verkehrsmitteln auf der Fahrt zur Berufsmesse und die wichtige Rolle der Eltern. Lehrern, Eltern und Schulsekretärin Iris Stock – „Seelentrösterin“ und „zweite Mutter“ – wurde höchstes Lob der Klassensprecher Alessia Gheorghita und Mieal Kiaku zuteil. Ein Blick auf ihre Talente gewährten Tymofii Shostak, der wunderbar am Klavier spielt, und der Jahrgangsbeste Arslan Rekanovic (Note 1,6) mit seinem Rilke-Gedicht „Die Münze“: Dieses Motiv war Symbol der Abschlussfeier.
Natürlich, so wusste der Rektor, gehörten auch die „Roten Karten“ – Zuspätkommen, vergessene Hausaufgaben – dazu. Entscheidend aber sei: „Ihr habt nie aufgegeben.“ Seine Botschaft, vor dem Hintergrund des EM-Spiels, war klar: Mit Mut und Teamgeist kommt man weit.
„Auch als Bürgermeister der Neue in der Klasse“
Bürgermeister Benjamin Henn, erst seit Januar im Amt, brachte sich als positives Beispiel ein: „Auch ich bin als Bürgermeister der Neue in der Klasse.“ Sein Fazit bestärkte die Jugendlichen: Niemand müsse zu Beginn den perfekten Plan haben. „Wichtig ist, bereit zu sein, weiterzulernen und weiterzugehen.“
Gerade in einer Zeit, in der jungen Menschen oft schnelle Entscheidungen und perfekte Pläne zugemutet werden, klang der Appell ermutigend: „Lasst euch nicht verbiegen, geht euren Weg.“ Und falls etwas schieflaufe, helfe es, „einfach durchzuatmen und weiterzumachen.“
So bleibt am Ende das Bild von jungen Menschen, die ihr erstes „Finale“ erreicht haben – und jetzt voller Vorfreude in ihre ganz eigene Verlängerung starten. Mit Mut, Neugier und dem Wissen, dass Perfektion keine Voraussetzung ist.