13 Köpfe entscheiden über die Zukunft der Rente in Deutschland – diese Szenarien gibt es
Die Rentenkommission nimmt offiziell ihre Arbeit auf. Sie wird unangenehme Entscheidungen treffen müssen. So könnten sie aussehen. Eine Analyse.
Berlin – Es ist eine der wohl wichtigsten Aufgaben im Land, die diesen 13 Menschen nun zukommt: Die von der Merz-Regierung eingesetzte Rentenkommission soll die Zukunftsfähigkeit der Rente sicherstellen. Am Mittwoch hat sie offiziell ihre Arbeit aufgenommen, bis Mitte des Jahres soll sie Reformpläne vorstellen. Dass sich das Rentensystem ändern muss, ist unbestritten. Wie, das ist die entscheidende Frage.
Das Problem: Die deutsche Bevölkerung wird älter. Ende der 80er kamen noch drei Einzahler auf einen Rentner, bis 2050 werden es laut Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung nur noch 1,3 Beitragszahler sein. Das System wird damit teurer. Schon zum Ende 2025 hatte sich die schwarz-rote Koalition (primär die Union untereinander) über die Zukunft der Rente zerstritten. Unter lautem Murren der jüngeren Unionsabgeordneten wurde das Rentenniveau bis 2031 bei 48 Prozent festgeschrieben, darüber hinaus soll es höher als nach geltendem Recht liegen. Mit der Sicherung der Rente auf diesem Niveau gehen zusätzliche Kosten von über 100 Milliarden Euro einher, wie Experten sagen.
Rente unsicher: Steigen die Beiträge?
Schon jetzt geht mehr als jeder vierte Euro des Bundeshaushalts in die Finanzierung der Rente – zusätzlich zu den Rentenbeiträgen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern; Tendenz steigend. Die Rentenkommission soll zum einen auskömmliche Renten auch über 2031 hinaus sicherstellen. In ihren Vorschlägen (die Schwarz-Rot laut eigener Aussage bedingungslos umsetzen will) soll sie gleichzeitig aber auch die Finanzierbarkeit des Systems wahren.
Diesen Spagat soll die Kommission in den nächsten Monaten bewältigen. Experten bezweifeln, dass die 13‑köpfige Gruppe gänzlich neue Ideen aus dem Hut zaubern wird. Stattdessen wird eine Kombination bekannter Reformanstöße erwartet. So lautet eine Forderung, das Renteneintrittsalter auf 70 zu erhöhen – auch, weil die Menschen älter werden. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sprach sich vergangenen Sommer dafür aus, spürte aber direkt harten Gegenwind von der SPD.
Die SPD-Spitze um Arbeits- und Sozialministerin Bärbel Bas dagegen fordert immer wieder, Beamte und Selbstständige in die gesetzliche Rente einzubinden, um kurzfristig Mehreinnahmen zu generieren. Dagegen sträuben sich aber weite Teile der Union, weil sie dadurch langfristig neben höheren Einnahmen auch höhere Kosten befürchten.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) brachte vor einigen Monaten einen Boomer-Soli ins Gespräch, bei dem reichere Renter Geld für ärmere abgeben sollen, um die steigenden Kosten des deutschen Umlagesystems in den Griff zu bekommen. Die Chefin der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, fordert die Abschaffung der abschlagsfreien Rente mit 63. Steigende Rentenbeiträge wollen die meisten Politiker bislang hingegen verhindern.
Experten und Politiker: Diese 13 sollen die Zukunft der Rente auf die Schiene setzen
Förderanreize für das Weiterarbeiten über die Altersgrenze hinaus und die private Altersvorsorge gibt es bereits. Die Merz-Regierung hat sie jüngst noch ausgeweitet. Der große Wurf ist das für das Rentensystem aber nicht. Auch der Vorschlag von CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann oder Hubert Hüppe, Chef der Senioren-Union, Verbeamtungen zu begrenzen und damit Pensionszahlungen zu reduzieren, könnte wie die meisten Reformvorschläge nur ein Baustein von vielen sein.
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Es dürfte also ein Mix von Vorschlägen sein, der das System fit für die Zukunft machen soll. Leicht wird das aber wohl nicht werden, denn es wird auf unbequeme Maßnahmen hinauslaufen. Ob längeres Arbeiten, weiter steigende Rentenzuschüsse aus Steuermitteln oder Kürzungen bei der Rente (die jedoch gesetzlich untersagt sind): Für jeden Schritt werden die Verantwortlichen heftiges Contra aushalten müssen. Im wichtigen Wahljahr 2026 dürften unbequeme Rentenreformen die Politiker kaum begeistern.
Umso schwerer wird also die Aufgabe der Rentenkommission unter dem Vorsitz von Frank-Jürgen Weise (Ex-Chef der Arbeitsagentur) und Constanze Janda (Sozialrechts- und Verwaltungswissenschaftsprofessorin), einen tragfähigen Maßnahmenkatalog zu erarbeiten. Mit Annika Klose (SPD), Pascal Reddig (CDU) und Florian Dorn (CSU) sitzen auch Koalitionsvertreter in der Kommission und werden abschätzen, welche Vorschläge für ihre Fraktionen (nicht) mehrheitsfähig sein dürften. Acht unabhängige Wissenschaftler komplettieren die Kommission, die bis zur Ergebnisverkündung geheim tagt. Gern dabei gewesen wären auch Sozialverbände – sie gingen unter lautem Klagen aber leer aus. (Verwendete Quellen: Eigene Recherche, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, dpa)