Dorfen - Alfred und Michael Mittermeier standen nach 40 Jahren erstmals wieder gemeinsam auf der Bühne – und zwar bei der XXL-Ausgabe der Rampensäue auf der Sparkassen-Bühne am Unteren Markt in Dorfen.
Fünf Kabarettisten, ein Abend. Das ist das Konzept von „Rampensäue“, das Kabarettist Alfred Mittermeier zum sechsten Mal in Dorfen organisierte, am Sonntagabend als XXL-Format unter freiem Himmel vor rund 1000 Zuschauern. Seine Gäste hätten unterschiedlicher nicht sein können: Claudia Pichler gab die naive Bayerin, Katie Freudenschuss bot Stand-up vom Feinsten, Gernot Kulis zeigte energiegeladene Parodien. Und als Highlight: Komiker-Star Michael Mittermeier. Nach 40 Jahren standen die Brüder wieder gemeinsam auf der Bühne. Sie präsentierten einen Sketch aus alten Zeiten.
Die Veranstaltung bildete den Schlusspunkt des Open-Air-Wochenendes, das die Sparkasse Erding-Dorfen mit Kreismusikschule und Jakobmayer auf die Beine gestellt hatte. Gelungen war laut Jakobmayer-Chefin Birgitt Binder auch schon der Auftritt von Josh am Samstagabend. „Die Stimmung war sensationell, alle waren bester Laune und fanden es toll, dass er hier in Dorfen spielt. Wir haben den Sommer gefeiert“, so die Kulturmanagerin. Der Sommer legte am Sonntag allerdings eine Pause ein, doch der Kabarettabend blieb weitestgehend trocken.
Situationskomik und Stand-up
Eigentlich habe Alfred Mittermeier vorgehabt, spektakulär wie Helene Fischer mit dem Kran einzuschweben. Doch der wurde nun ausgerechnet nach monatelangem Baustopp am Wesner Tor abtransportiert, erzählte er und schon war er mittendrin in seinem Auftritt – Auszüge aus seinem aktuellen Programm. Seine Wortspiele kamen, selbst wenn schon mal gehört, beim Publikum gut an.
Einen anderen Ansatz verfolgt Claudia Pichler. Die Musikkabarettistin, 2023 mit dem Dialektpreis Bayern ausgezeichnet, plauderte aus ihrem Leben als Kabarettistin. In breitem Bairisch schimpfte sie, was das Zeug hält, über affektierte Münchnerinnen am Viktualienmarkt und Veganer, die beim Metzger Ersatz suchen. Die 39-Jährige hat sich wissenschaftlich ans Kabarett angenähert: 2017 promovierte sie über ihr Vorbild: „Fremdheit bei Gerhard Polt“. Irgendwann wollte sie es dann selbst wissen, mit Erfolg. Ihre Situationskomik fanden auch die Dorfener lustig.
Der 48-jährige Wiener Gernot Kulis war zum ersten Mal in Bayern und nahm das Publikum mit auf seine hastige Jagd nach einem verhuschten Verkäufer im Baumarkt und parodierte gekonnt eine Ticketverkäuferin an der Schwimmbadkasse, „ein perfektes Opfer, sie fragt blöd nach und hört ned zua.“ Mit seiner 20-minütigen Vorstellung, die Lust auf mehr machte, gab er auch einen kleinen Eindruck in seine Rolle als Ö3-Callboy, in der er für den ORF Spaßanrufe tätigt.
Beste Unterhaltung lieferte Katie Freudenschuss (49). Gemeinsam mit dem Publikum improvisierte die Sängerin eine Hymne für Dorfen. Zuvor mussten ihr die Zuschauer Begriffe zuwerfen, die für die Isenstadt stehen. Natürlich irritierte die Hamburgerin der Hemadlenz als „ein Typ mit Nachthemd“ und „eine Bühne, die Jakob heißt“, geschweige denn erst der „Schwammerl“ am Fürmetz Hölzl, an dem sich junge Leute treffen. Doch letztlich brachte sie das alles nicht aus der Ruhe. Auf Stücke wie „Mama mia“, „My Way“ oder „Bohemian Rhapsody“ komponierte die Musikerin am Keyboard souverän aus dem Stegreif Songs, die so lustig waren, dass sich das Publikum vor Lachen bog, allen voran Bürgermeister „Heinzi“, mit dem die Künstlerin zuvor schon einen witzigen Wortwechsel hatte.
Fred als Preiß, Michl als Bayer
Als „Komiker, der alles erreicht hat“, kündigte Alfred Mittermeier seinen Bruder Michael an. Der fühlte sich gleich wieder daheim. „Da höre ich das Stichwort Schwammerl und schon werde ich zurückkatapultiert in meine Jugend, alles ist sofort wieder da.“ Eine schöne Kindheit hätten die Mittermeier-Buam in Dorfen erlebt und dafür dankten sie ihren Eltern, die in der ersten Reihe saßen.
Nach bissigen Sticheleien über Trump, Klimakleber und Papstaudienz aus seinem aktuellen Programm, in dem der Comedian nach eigenen Aussagen, „gerne die Grenzen des Humors auslotet“, gab es ein „Welt-Comeback“, so sein Bruder Alfred – ein Sketch, in dem Fred den Preißn mimt, und Michl den Bayern, von 1983, mit Einspielung der Original-Ansage auf der Maschkera-Veranstaltung. Mehr als die Pointen stand hier die Nostalgie im Vordergrund.
Für den herzerfrischenden Abend dankte das Publikum mit lang anhaltendem Applaus.