Hausbesitzer aufgepasst: So schnell fehlen 350.000 Euro beim Versicherungsschutz

Viele Hausbesitzer erhalten derzeit Post von ihrer Wohngebäudeversicherung – mit angepassten Beiträgen und neuen Konditionen. Doch neben steigenden Kosten gibt es ein weiteres Thema, das oft übersehen wird: die schleichende Unterversicherung.

Viele Hausbesitzer gehen davon aus, dass ihre Police automatisch auf aktuelle Baupreise angepasst wird. Das stimmt nur teilweise. Zwar wird die Versicherungssumme jährlich über den sogenannten Anpassungsfaktor (Baupreisindex) fortgeschrieben – dieser bildet die tatsächlichen Baukosten aber längst nicht mehr vollständig ab.

Ein aktuelles Beispiel zeigt das Dilemma: Ein Einfamilienhaus mit 220 Quadratmetern Wohnfläche war mit 640.000 Euro Versicherungssumme abgesichert. In der heutigen Ausstattung – leicht gehoben, aber keineswegs luxuriös – liegen die realen Baukosten jedoch bei mindestens 4000 Euro pro Quadratmeter. Der Wiederaufbau würde also rund 880.000 Euro, mit Vorsorgezuschlag bis zu 1 Million Euro kosten. Im Ernstfall entsteht dem Eigentümer damit eine Deckungslücke von bis zu 350.000 Euro.

Dieter Homburg, unabhängiger Finanzexperte und Bestsellerautor, berät seit über 25 Jahren zu PKV, Risikoabsicherung und Altersvorsorge – mit Fokus auf langfristig stabile, bezahlbare Strategien im Ruhestand. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.

Warum so viele Policen nicht mehr passen

Die Ursachen liegen meist in alten Vertragsgrundlagen. Alle privaten Wohngebäudeversicherungen sind auf Basis des sogenannten Werts 1914 kalkuliert – einem historischen Rechenwert, der über den Anpassungsfaktor jährlich fortgeschrieben wird. Doch die fortgeschriebenen Zahlen hinken der Baukostenrealität deutlich hinterher. Steigende Materialpreise, höhere Löhne, Energiekosten und neue Bauvorschriften treiben die tatsächlichen Wiederherstellungskosten weit stärker in die Höhe als der Index.

Wer seinen Vertrag seit Jahren nicht aktiv prüfen ließ, lebt daher unter Umständen mit einem gefährlichen Scheinschutz: Die Police wirkt solide – reicht im Totalschadenfall aber nicht annähernd, um das Haus wiederaufzubauen.

Nach dem Tornado in Paderborn und Lippstadt zeigte sich das in aller Deutlichkeit: Viele zerstörte Gebäude waren zu niedrig versichert. Selbst mit Unterversicherungsverzicht mussten Eigentümer feststellen, dass die vereinbarte Summe schlicht nicht mehr ausreichte, um ihr Zuhause in gleicher Bauweise neu zu errichten.

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Wenn schon böse Post kommt – jetzt richtig handeln

Die steigenden Beiträge sind für viele Hausbesitzer ärgerlich. Doch wer jetzt ohnehin Post mit einer Beitragserhöhung erhält, sollte das als Anlass zur ganzheitlichen Überprüfung nutzen.

Denn es gilt:

  1. Preis prüfen – Die Erhöhung muss nicht hingenommen werden. Ein Marktvergleich kann oft mehrere Hundert Euro im Jahr sparen.
  2. Versicherungssumme prüfen – Wenn schon der Beitrag steigt, sollte wenigstens der Schutz stimmen. Der aktuelle Wiederaufbauwert ist das Maß aller Dinge.
  3. Beides verbinden – Eine gute Beratung deckt auf, ob die Police zu teuer und zu niedrig kalkuliert ist.

Viele Verträge sind über Jahre einfach weitergelaufen. Jetzt, wo die Erhöhungen schwarz auf weiß ins Haus flattern, ist der ideale Zeitpunkt, Preis und Inhalt der Wohngebäudeversicherung auf den Prüfstand zu stellen – bevor es an anderer Stelle teuer wird.

Wichtig zum Schluss 

Die bösen Briefe, die derzeit bei vielen Eigentümern eintreffen, sind mehr als nur eine unangenehme Nachricht. Sie sind eine Chance, Schwachstellen aufzudecken, bevor es zu spät ist. Wer jetzt handelt, kann nicht nur Beiträge senken, sondern sicherstellen, dass im Ernstfall auch wirklich genug Geld für den Wiederaufbau vorhanden ist.

Dieter Homburg, unabhängiger Finanzexperte und Bestsellerautor, berät seit über 25 Jahren zu PKV, Risikoabsicherung und Altersvorsorge – mit Fokus auf langfristig stabile, bezahlbare Strategien im Ruhestand. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.