Eskalation im All - Russlands riskantes Spiel mit Antisatellitenwaffen

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Alexander Zemlianichenko/Pool AP/dpa Die Grünen schürten die Furcht der Menschen vor dem Klimawandel, so Wladimir Putin.
Donnerstag, 15.02.2024, 13:40

Laut US-Geheimdienstberichten arbeitet Russland an einer neuen, weltraumgestützten Antisatellitenwaffe. Die Entwicklung könnte eine erhebliche Eskalation und einen direkten Verstoß gegen den Weltraumvertrag von 1967 darstellen. Fabian Hoffmann, Experte für Militärfragen, analysiert die Situation.

Um was für ein Waffensystem handelt es sich? 

US-Geheimdienstberichten zufolge entwickelt Russland eine neue weltraumgestützte Antisatellitenwaffe. Insider, die mit den geheimen Informationen vertraut sind, geben zwar an, dass sich das Waffensystem noch in der Entwicklung befinde und noch nicht im Orbit stationiert sei, es soll jedoch eine nukleare Komponente enthalten.

Die genaue Natur dieser nuklearen Komponente bleibt ungewiss. Zwei vorherrschende Theorien deuten darauf hin, dass Russland entweder eine atomar bewaffnete oder eine atomar betriebene Antisatellitenwaffe entwickelt. Unabhängig davon, welche Art von Waffensystem Russland entwickelt, würde die Stationierung eines aktiven Waffensystems im Weltraum eine erhebliche Eskalation und einen direkten Verstoß gegen den Weltraumvertrag von 1967 darstellen, den Russland unterzeichnet hat.

Über den Gastautor Fabian Hoffmann

Fabian Hoffmann
aesthesia photography – Katsis Fabian Hoffmann

Fabian Hoffmann ist Doktorand an der Universität Oslo. Seine Forschungsschwerpunkte sind Militärstrategien und -technologien sowie die europäische und transatlantische Verteidigungspolitik. Sein Promotionsprojekt befasst sich mit den Auswirkungen konventioneller Langstreckenwaffen auf die Nuklearstrategien verschiedener Nuklearmächte. Vor seinem Studium in Oslo war er wissenschaftlicher Assistent am IISS in Berlin und hat einen Master im Bereich "War Studies" und einen Bachelor in "Internationale Beziehungen" erworben.

Was ist der militärische Nutzen hintern einem solchen Waffensystem? 

Die Entwicklung eines solchen Waffensystems wirft Fragen nach dem militärischen Nutzen auf. Für eine nukleare russische Antisatellitenwaffe gibt es eigentlich keine Notwendigkeit, denn Russland hat bereits im November 2021 mit einem Antisatellitenwaffentest unter Beweis gestellt, erfolgreiche konventionelle Angriffe gegen Satelliten durchführen zu können.

Zusätzlich birgt der Einsatz von Atomwaffen im Weltraum aufgrund der damit verbundenen elektromagnetischen Impulse weitere Risiken. Wie Starfish Prime, ein von den Vereinigten Staaten im Jahr 1962 durchgeführter Atomtest in großer Höhe, zeigte, werden energiereiche Elektronen, die bei einer Atomexplosion in großer Höhe freigesetzt werden, vom Erdmagnetfeld eingefangen und bilden einen Strahlungsgürtel, der monatelang anhalten kann. Dieser Gürtel kann die internen Komponenten umlaufender Satelliten wahllos beschädigen und so zur Zerstörung eigener Weltraumtechnik führen.

Die zweite Option, der Einsatz einer atomgetriebenen Antisatellitenwaffe, die gezielte Energie zur nichtkinetischen Zerstörung gegnerischer Satelliten nutzt, könnte sich aus militärischer Sicht als vorteilhafter erweisen. Dieser Ansatz könnte es Russland ermöglichen, größere Konstellationen von Mikrosatelliten zu zerstören, ohne die damit verbundene Risiken einer übermäßigen Erzeugung von Weltraummüll und Strahlung einzugehen.

Worum geht es Russland wirklich bei der Stationierung des Waffensystems? 

Was auch immer die genaue Natur und der militärische Nutzen der neuen Antisatellitenwaffe Russlands sein mag, der Zeitpunkt dieser Enthüllung legt nahe, dass sie Teil einer umfassenderen Strategie Russlands gegenüber dem Westen ist. Hierbei geht es darum, die Eskalationsrisiken einer anhaltenden Krise zwischen der NATO und Russland zu signalisieren.

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Russland versucht aktiv, die wahrgenommenen Risiken eines NATO-Russland Konflikts zu manipulieren. Ziel ist es, lebenswichtige Militärhilfen für die Ukraine abzuschrecken und zu verzögern. Im Rahmen dieser Bemühungen haben russische Entscheidungsträger wiederholt davor gewarnt, dass Russland und der Westen in eine kriegerische Auseinandersetzung verwickelt werden könnten, der schließlich zum Einsatz von Atomwaffen eskalieren könnte.

Die Entwicklung eines weltraumgestützten Waffensystems, dessen Fähigkeiten und Einsatzverfahren derzeit unbekannt sind, passt genau in diese Strategie der Risikomanipulation. Es bietet Russland ein potentiell nützliches Instrument, um Konflikte gezuelt zu eskalieren und dem Gegner große Schäden zufügen zu können.

Gleichzeitig signalisiert der Schritt, dass die anhaltende Krise zwischen der NATO und Russland immer chaotischer wird und eskalieren könnte, auch wenn keine der beiden Parteien dies tatsächlich will. Der amerikanische Ökonom und Nobelpreisträger Thomas Schelling bezeichnete diese Logik als „das Risiko, das etwas dem Zufall überlässt“.

Wie kann Deutschland reagieren? 

Die Antwort des Westens sollte daher klar, aber dennoch maßvoll sein. Über die militärischen Vorteile hinaus, die eine solche Fähigkeit bieten könnte, ist es wichtig, den aktuellen Ansatz Russlands zum Eskalationsmanagement und zur Risikomanipulation anzuerkennen und zu verstehen.

Diese Taktiken sind nicht neu; Sie stammen direkt aus dem Spielbuch des Kalten Krieges. Um ihnen entgegenzuwirken, muss der Westen die Ukraine standhaft unterstützen und ein klares Signal an Russland senden, dass Einschüchterung nicht toleriert wird und nicht zu den gewünschten Ergebnissen führt.

   

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Jürgen W. Falter

Renommierter Politikwissenschaftler und Autor von 17 Büchern

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Dieser Text stammt von einem Expert aus dem FOCUS online EXPERTS Circle. Unsere Experts verfügen über hohes Fachwissen in ihrem Themenbereich und sind nicht Teil der Redaktion. Mehr erfahren.

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