Anlässlich des diesjährigen 80. Geburtstags des bedeutenden Münchner Sammlers und Verlegers Lothar Schirmer stellt das Kallmann-Museum dessen herausragende Sammlung zeitgenössischer Kunst in einer repräsentativen Auswahl vor.
Ismaning – Gezeigt werden von 5. Oktober an Fotografien, Zeichnungen, Gemälde und Objekte von prägenden Vertreterinnen der Kunst des 20. Jahrhunderts. Joseph Beuys, Cy Twombly, Cindy Sherman, Jeff Wall, Bernd und Hilla Becher oder August Sander sind ebenso vertreten wie Andreas Gursky, Cornelius Völker und Wiebke Siem. Insgesamt sind über 100 Arbeiten von 38 Künstlerinnen und Künstlern zu sehen. Lothar Schirmer begann seine inzwischen mehr als sechs Jahrzehnte währende Sammeltätigkeit bereits als siebzehnjähriger Schüler. Getrieben von jugendlicher Leidenschaft für die Kunst seiner Zeit erwarb er in den 1960er Jahren mit schmalem Budget und teilweise auf Ratenzahlung erste Arbeiten von Cy Twombly und Joseph Beuys und bewies schon damals einen visionären Blick für wichtige Bewegungen innerhalb der zeitgenössischen Kunst. Die persönlichen Begegnungen mit diesen beiden
Zentrale Positionen der zeitgenössischen Kunst und Fotografie
Künstlern, die Schirmer in ihren Ateliers in Rom und Düsseldorf besuchte, markieren zudem den Beginn teilweise jahrzehntelanger, enger und freundschaftlicher Beziehungen zu den von ihm gesammelten Künstlern. Diese Beziehungen vertieften sich, als Schirmer 1974 in München den Schirmer/Mosel Verlag gründete. Die neue Ausstellung im Kallmann-Museum präsentiert zentrale Positionen der zeitgenössischen Kunst und Fotografie aus der Sammlung von Lothar Schirmer. Die Eröffnung findet am Sonntag, 5. Oktober, um 15 Uhr statt; für die Folgemonate sind zudem vier Konzerte geplant.
Fotografien wie Gemälde
Die Ausstellung gliedert sich in drei Abteilungen, deren umfangreichste der Fotografie gewidmet ist. Beginnend mit Heinrich Zilles Vintage-Abzügen Berliner Stadtansichten führt die Schau über sachliche Fotografien von August Sander und Albert Renger-Patzsch zu den systematisch angelegten Typologien von Industriebauten und Fachwerkhäusern von Bernd und Hilla Becher, die als Wegbereiter einer dokumentarisch-konzeptuellen Fotografie gelten. Ergänzt wird dieser Bereich durch Werke der sogenannten Becher-Schule, darunter Laurenz Berges, Claus Goedicke, Andreas Gursky, Candida Höfer, Simone Nieweg, Thomas Ruff, Jörg Sasse, Thomas Struth und Petra Wunderlich. Viele dieser Künstlerinnen und Künstler eint ein neutraler, objektivierender Blick sowie der Hang zum großen Format, wodurch Fotografie die Form und Funktion von Gemälden annimmt. Großformatige Arbeiten finden sich auch bei den Langzeitbelichtungen von Michael Wesely, die Zeitverläufe sichtbar machen, sowie bei Cindy Sherman und Jeff Wall.
Ausdrucksstarke Zeichnungen
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Zeichnung, die in der Ausstellung durch eine besondere Sensibilität und Feinheit hervorsticht. Hierzu zählen erstmals gezeigte Arbeiten von Peter Handke, entstanden aus der Perspektive des Spaziergängers, sowie außergewöhnlich ausdrucksstarke frühe Zeichnungen von Joseph Beuys aus den 1940er und 1950er Jahren. Diese werden gemeinsam mit Multiples, handschriftlichen Manuskriptseiten von Beuys, Fotografien seiner Aktionen von Ute Klophaus und dem ersten von Lothar Schirmer verlegten Buch präsentiert. „Die Präsentation unterstreicht die herausgehobene Rolle von Joseph Beuys in der sammlerischen und verlegerischen Tätigkeit Lothar Schirmers“, heißt es seitens des Museums. Daneben stehen die kontemplativen Ryoanji-Zeichnungen von John Cage, Cy Twomblys poetische, oft mythisch aufgeladene Zeichnungen aus den 1960er Jahren sowie Hanne Darbovens mehrteilige Schreibzeichnung zu Philipp Otto Runge.
Malerei und Bildhauerei
Die dritte Abteilung widmet sich der aktuellen zeitgenössischen Malerei und Bildhauerei in Deutschland. Vertreten sind Cornelius Völker, Martin Assig und Wiebke Siem. Während Assigs großformatige Gemälde eine poetisch-spirituelle Bildwelt eröffnen, hinterfragen Völkers Werke mit alltäglichen Motiven durch die Sinnlichkeit der Malerei unsere Wahrnehmung der Alltagswelt. Die bildhauerischen Arbeiten von Wiebke Siem setzen sich humorvoll und psychologisch aufgeladen mit Identität, Geschlechterrollen und kulturellen Zuschreibungen auseinander.
Mit einem augenzwinkernden Seitenblick werden zudem Preziosen alter Meister wie Gabriel von Max, Philipp Otto Runge und Jean-Étienne Liotard in die Präsentation integriert, die laut Museum „von Schirmers ganz eigenem Blick auf die Kunst und das Sammeln erzählen“. Alle Termine und weitere Informationen sind unter www.kallmann-museum.de/veranstaltungen zu finden.
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