In Raubling darf angebaut werden, der Cannabis-Social-Club hat die Genehmigung erhalten. Wann es losgeht und was noch erledigt werden muss.
Raubling – Endlich ist die Genehmigung da. Seit Juli vergangenen Jahres haben Florian Degenhart und seine rund 300 Cannabis-Club-Mitglieder auf die Entscheidung des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) gewartet. Jetzt kann der Anbau beim CSC Inntal-Raubling losgehen – zumindest in der Theorie.
Cannabis-Anbau in Raubling: „Das ist Fort Knox“
Denn bevor mit der „Gartenarbeit“ begonnen werden darf, müssen noch die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Heißt unter anderem: Eine Tür der Widerstandsklasse RC3, Vergitterungen, eine Alarmanlage mit Videoüberwachung und Bewegungssensoren und Erschütterungssensoren. Das Sicherheitskonzept musste der Verein dem LGL mitsamt allen anderen Unterlagen zur Genehmigung vorlegen. „Das ist Fort Knox, was wir da machen”, sagt der Vereinsgründer Degenhart. Und das kostet den Verein noch zusätzlich eine Menge Geld, schreibt rosenheim24.de.
Was bedeuten die Widerstandsklassen bei Türen?
Widerstandsklassen (abgekürzt RC für „Resistance Class“) geben nach einer europaweiten Norm (DIN EN 1627) an, wie gut eine Tür einem Einbruchsversuch widersteht. Dabei wird in Tests geprüft, wie lange und mit welchen Werkzeugen ein Täter braucht, um die Tür zu überwinden. Je höher die Klasse (von RC 1 N bis RC 6), desto länger hält die Tür stand und desto professioneller muss der Einbrecher vorgehen.
Diese Klassifizierung erleichtert die Auswahl der richtigen Tür für das individuelle Sicherheitsbedürfnis. Sie gibt eine klare Orientierung, ob eine Tür eher gegen spontane Gelegenheitstäter (niedrigere Klassen) oder auch gegen gut vorbereitete Einbrecher mit speziellen Werkzeugen (höhere Klassen) schützt. Wichtig zu wissen ist, dass sich die Widerstandsklasse immer auf das gesamte Türelement bezieht – also Türblatt, Zarge, Schloss und Beschläge als geprüfte Einheit.
Dementsprechend wird es auch noch dauern, bis Cannabis an die Vereinsmitglieder ausgegeben werden kann. Einen genauen Zeitpunkt zu nennen, sei laut Degenhart schwierig. Allein die Vorgabe des LGL, dass eine RC3-Türe genutzt werden müsse, sorgt für Verzögerungen. „Die Lieferzeiten dafür sind ziemlich lange”, sagt Degenhart. Und auch die Suche nach einer Firma, die diese überhaupt verbaut, war zunächst schwierig.
Erstes Cannabis in fünf bis sechs Monaten
Dennoch: „Ich gehe davon aus, dass wir sechs Wochen für den Umbau brauchen und dann dauert es drei Monate, bis die Pflanze fertig ist“, schätzt der CSC-Vorsitzende. „Fünf bis sechs Monate wird es also dauern.“ Und auch wenn das Gras wächst, muss sich der Verein noch auf engmaschige Kontrollen einstellen, wie das LGL erklärt. „Dies umfasst unangemeldete Ortsbegehungen sowie bei Bedarf auch anlassbezogene Kontrollen”, heißt es auf OVB-Anfrage. Details wollte das Amt allerdings nicht nennen.
Sorgen, dass das erst ein Jahr alte Cannabis-Gesetz schon bald wieder von der neuen Bundesregierung eingestampft werden könnte, macht Degenhart sich nicht. „Die Union ist in einer Koalition mit der Legalisierungspartei, der SPD. Und in den Koalitionsverhandlungen hat es ja auch keinen Rückschritt gegeben“, sagt Degenhart. Lediglich die Evaluierung im Herbst sei angesprochen worden. „Und das war ja von Anfang an geplant, das ist nichts Neues.”
Warum hat die Club-Genehmigung so lange gebraucht?
Dass die Genehmigung so lange in Anspruch genommen hat, erklärt ein Sprecher des LGL so: „Die Aufgabe der Prüfung nehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am LGL sehr verantwortungsvoll wahr und handeln dabei stets unter Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben des KCanG, gerade auch mit Blick auf den Jugendschutz.“ Dabei hänge die Bearbeitungsdauer auch von der Qualität der Anträge ab. Der CSC Inntal-Raubling war einer der drei ersten Clubs in Bayern, die eine Genehmigung erhalten haben.
Dass eine Legalisierung das Richtige ist und er mit seinem Verein das Richtige tut, davon ist der Gründer – der selbst übrigens nicht konsumiert – überzeugt. Besonders dann, wenn er mit seinen Vereinsmitgliedern spricht. „Wir haben ein Vereinsmitglied, welches schwer krank geworden ist, da es verunreinigtes Cannabis vom Schwarzmarkt gekauft hat“, erzählt Degenhart. „Das ist genau der Grund, warum ich den Club gegründet habe. Genau, um solche Fälle zu verhindern“, betont er. „Konsumentenschutz ist sehr wichtig. Menschen konsumieren, unabhängig davon, ob es legal oder illegal ist.“