„Mehrarbeit ist unattraktiv“: Reiche fordert Steuerreform „so schnell wie möglich“ – Seitenhieb auf Klingbeil

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Mehr Netto vom Brutto: Reiche macht Klingbeil Druck bei Steuer-Reform – „so schnell es geht entlasten“

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Klingbeil bleibt mit seiner Reform der Einkommenssteuer im Vagen. CDU-Ministerin Reiche macht Druck: Mehrarbeit dürfe in Deutschland nicht länger „wegbesteuert“ werden.

Berlin – SPD-Chef Lars Klingbeil will Vorschläge zu einer großen Steuerreform vorlegen – nur welche und wann, damit bleibt er vage: Der Finanzminister sprach Mitte Januar davon, 2026 seine Vorschläge vorzulegen, die dann „zur Mitte der Legislatur“ greifen könnten. Das wäre bis Sommer 2027. CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche funkt Klingbeil jetzt dazwischen: Sie fordert eine Reform der Einkommenssteuer „möglichst schnell“ und appellierte an die SPD: „Das sollte unser gemeinsames Ziel sein.“

CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und SPD-Finanzminister Lars Klingbeil bei einer Kabinettssitzung.
CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und SPD-Finanzminister Lars Klingbeil bei einer Kabinettssitzung. © Thomas Trutschel/Imago

„Wir müssen den Faktor Arbeit so schnell es geht entlasten“, sagte Katherina Reiche im Interview mit der Bild. „Wir sprechen mit der SPD darüber, ob das vorgezogen werden kann“, ergänzte sie. Wenn die Menschen beim Gehalt mehr Netto vom Brutto hätten, würden sie sich auch für mehr Arbeit entscheiden – umso geringer werde die Last auf die Sozialsysteme. „An diesen Schrauben sinnvoll drehen und das möglichst schnell, sollte unser gemeinsames Ziel sein.“

CDU-Ministerin Reiche funkt Klingbeil dazwischen und fordert schnellere Steuerreform

Die CDU-Wirtschaftsministerin funkt damit in das Fachgebiet von Finanzminister Klingbeil. Der SPD-Politiker hatte seit seinem Amtsantritt im Mai 2025 wiederholt davon gesprochen, dass Arbeitnehmer mehr von ihrem Gehalt in der Tasche haben müssten. Wie er das konkret schaffen will, ist bisher unklar. „Bei der Haushaltssituation, die wir haben“, sei das Vorhaben „schwierig“, sagte Klingbeil Mitte Januar bei einem SPD-Neujahrsempfang in Rheinland-Pfalz, wie das Handelsblatt berichtet. Er habe vor, „im Jahr 2026 als Finanzminister eine Einkommensteuerreform vorzulegen, bei der wir kleine und mittlere Einkommen entlasten.“

Wirtschaftsministerin Reiche mahnte eine schnelle Umsetzung einer Steuerreform an – auch im Zusammenhang mit der Debatte um zu viel Teilzeit in Deutschland. Mehr Netto vom Brutto sei ein wichtiger Baustein, um die Beschäftigten zu mehr Arbeitsstunden zu motivieren, sagte sie zur Bild: „Momentan ist Mehrarbeit steuerlich häufig unattraktiv und damit vergeben wir uns erneut Chancen.“ Die Regierung müsse dafür sorgen, dass Mehrarbeit nicht „wegbesteuert“ werde.

Deutsche zu faul? Reiche nimmt Stellung zu Debatte um Teilzeit und Wochenarbeitszeit

Reiche widersprach auch der Kritik, die Union würde den Deutschen in der Debatte um Arbeitsstunden Faulheit unterstellen. „In Deutschland sind wir pro Arbeitsstunde absolut produktiv!“, unterstrich sie im Interview. „Es liegt nicht daran, dass die Deutschen in einer Stunde nicht genügend arbeiten.“ Sondern: „Die Gesamtzahl der Stunden, die theoretisch möglich wären, zu arbeiten, ist zu gering“, so Reiche. „Damit verschenkt Deutschland eine Möglichkeit für Wirtschaftswachstum.“ Teilzeit für Familien halte sie aber für „absolut wichtig“.

Auch das Vorziehen der Senkung der Körperschaftssteuer für Unternehmen sei laut Reiche geboten. Die schwarz-rote Koalition unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) hat beschlossen, dass der Körperschaftsteuersatz in Deutschland ab dem 1. Januar 2028 schrittweise von aktuell 15 Prozent auf 10 Prozent im Jahr 2032 gesenkt wird. (Quellen: Bild, Handelsblatt) (smu)

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