Red Bull hat sich in der Formel 1 eindrucksvoll zurückgemeldet: Max Verstappen triumphierte in Monza und Baku. Jetzt verrät er, was sich geändert hat.
Milton Keynes – Noch vor wenigen Wochen hätte Max Verstappen selbst nicht mehr daran geglaubt, in dieser Saison noch einmal ganz oben auf dem Podium zu stehen. Doch der Weltmeister meldet sich in der Formel 1 eindrucksvoll zurück: Mit den beiden Siegen in Italien und Aserbaidschan knüpft er plötzlich wieder an seine vergangenen Glanzzeiten an.
Dabei schien ein solches Szenario kurz zuvor noch völlig ausgeschlossen. In Ungarn kam Verstappen nicht über den neunten Platz hinaus und landete sogar hinter den Racing Bulls. Red Bull wirkte zu diesem Zeitpunkt wie ein Team, das den Anschluss zur Spitze längst verloren hatte und im Mittelfeld zu versinken drohte.
Red Bull kämpft sich in der Formel 1 zurück an die Spitze
Seit dem Ende der Sommerpause hat sich das Blatt jedoch gewendet. Grund dafür ist vor allem ein neuer Unterboden und eine leicht veränderte Herangehensweise, wie Motorsportberater Helmut Marko verriet. Genau das scheint die roten Bullen in den letzten Rennen wieder zu beflügeln.
„Wir müssen nicht mehr so viele Dinge am Auto ausprobieren. Dass wir an einem Rennwochenende keine radikalen Änderungen mehr vornehmen müssen, macht es viel angenehmer“, erklärte Verstappen in Baku. Bislang musste sich Red Bull nach einem desaströsen Freitag oft mühsam nach vorne arbeiten.
Red Bull scheint das kleine Arbeitsfenster des RB21 inzwischen besser zu treffen: „Ja. Und das liegt an all den Dingen, die wir über dieses Auto gelernt haben“, meint Verstappen gegenüber Motorsport.com. Doch von einer Rückkehr in den Titelkampf will der Niederländer noch nichts wissen.
Unübersehbar ist aber, dass Red Bull zuletzt deutliche Fortschritte gemacht hat – auch im Fahrerlager ist die Aufbruchsstimmung spürbar. „Wir haben in den letzten Jahren viele unglaubliche Momente zusammen erlebt“, erinnert Verstappen. „Wenn man dann eine schwierige Phase durchmacht, ist das natürlich für niemanden im Team angenehm.“
„Wenn man sieht, dass es wieder gut läuft, macht das diese Siege ganz besonders – gerade weil wir die schlechten Momente gemeinsam durchgestanden haben“, erinnert der Weltmeister an den turbulenten Saisonstart. „Die Atmosphäre ist jetzt sehr gut, und das ist auch wichtig.“
Max Verstappen sieht neuen Teamchef Laurent Mekies als wichtige Hilfe
Für Verstappen spielt auch die mentale Seite eine zentrale Rolle: „Es gibt den Leuten ein bisschen mehr Selbstvertrauen, und manchmal ist genau dieses Selbstvertrauen sehr wichtig. Sie sehen wieder ein Licht am Ende des Tunnels und wissen, dass das, woran sie arbeiten, tatsächlich in Ordnung ist.“
Selbst Technikchef Pierre Waché, der von außen zuletzt unter Druck stand, profitiert von der positiven Entwicklung. Als während Verstappens Medientermin in den Niederlanden scherzhaft angemerkt wurde, Waché müsse nun eine Zigarette weniger pro Wochenende rauchen, lachte der Niederländer: „Und vielleicht läuft er jetzt auch weniger im Fahrerlager herum!“
Großen Anteil schreibt Verstappen allerdings auch dem neuen Teamchef Laurent Mekies zu, der mit kleinen Gesten die Stimmung verbessert – etwa, indem er zwei Schlüsselpersonen aus der zuvor kritisierten Technikabteilung auf das Podium holte: Paul Monaghan in Baku und Technikchef Waché in Monza.
Und welche Rolle spielt Verstappen selbst? „Nun ja, einfach ein paar Runden fahren“, witzelte er. Tatsächlich sei aber die enge Kommunikation zwischen Fahrer, Teamchef und Technikabteilung entscheidend. Der neue Teamchef Laurent Mekies, so verrät Verstappen, stelle „die richtigen Fragen“.
„Wir haben viele Diskussionen darüber geführt, wie wir Dinge verbessern können und wie wir bestimmte Elemente testen können“, ergänzt der Weltmeister. „Am Ende hat sich gezeigt, dass wir das ziemlich gut gehandhabt haben.“ Ganz neu ist dieser Weg für Red Bull nicht: Schon in früheren Jahren tat sich das Team zu Saisonbeginn schwer, konnte das Auto aber entwickeln und am Ende noch Siege einfahren.
„Ja, das stimmt, aber es war trotzdem eine ganz andere Situation“, so Verstappen. „Damals hing es auch mit Aerodynamik und Upgrades zusammen, aber mit der Budgetobergrenze ist es jetzt ein bisschen anders.“ Der Niederländer gibt sogar zu, dass er zwischenzeitlich selbst zweifelte: „Am Ende geht man immer durch gewisse schwierige Momente.“
„Und natürlich denkt man manchmal: ‚Wird das noch etwas, können wir das noch drehen?‘ Aber andererseits bringt es nichts, ständig so zu denken. Man muss immer nach Lösungen suchen, mit den Leuten im Team sprechen und Ideen auf positive Weise austauschen“, weiß Verstappen. „Darum geht es letztlich, und genau das haben wir getan.“ (SoBre)