Zerstörte Felder, hoher Schaden: Dachauer Landwirte fordern Krähen-Abschuss

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In Scharen fallen die Krähen über das Feld her: Sie sind mittlerweile in nicht mehr in kleinen Gruppen unterwegs. © dn

Der Druck auf die Politik, den Abschuss von Saatkrähen zu erlauben, wird größer. Angesichts zunehmender Schäden in der Landwirtschaft fordert nun auch der Bauernverband endlich ein Ende des strengen Schutzstatus‘ für die Vögel. BBV-Kreisobmann Simon Sedlmair sagt über die Stimmung im Landkreis: „Die Wut der Bauern ist groß!“

Landkreis – Krähen, Raben- wie auch Saatkrähen, verursachen in der Landwirtschaft im Landkreis Dachau erhebliche Schäden. Wie Simon Sedlmair, Kreisobmann im Bayerischen Bauernverband (BBV), erklärt, machten die Vögel den Landwirten „richtige Probleme. Und es wird immer ㈠schlimmer!“

Sedlmair zufolge kommen die Krähen nämlich nicht mehr wie früher in kleinen Gruppen, sondern mittlerweile in Scharen. 150 bis 200 Vögel würden dann über die Felder herfallen und Saatgut sowie Keimlinge fressen. Besonders beliebt: Mais und Zuckerrüben, Soja- und Ackerbohnen, vereinzelt auch Getreide. „Die verwüsten das ganze Feld.“

Die Folge seien teure Nachsaaten. Sedlmair kennt Betriebe, „die haben dreimal nachsäen müssen“. Er selbst ist regelmäßig von den tierischen Räubern betroffen und sagt: „Es ist brutal, zuschauen zu müssen, wie die Krähen dir dein Feld zerstören.“ Die Wut der Bauern sei daher „groß“.

Krähen sind hochintelligent

Doch nicht nur die streng geschützte Saatkrähe, die sich hauptsächlich vegetarisch ernährt und daher auf den Feldern der Landkreis-Bauern ihr Futter sucht, macht dem Bauernverband Sorgen. Auch die Rabenkrähe, eine leidenschaftliche Fleischfresserin, nervt die Bauern. Sedlmair zufolge macht der schwarze Vogel Jagd auf kleine Hasen, junge Fasane und Enten. „Die Krähen arbeiten die auf, die zerfleischen die, es ist wirklich krass.“

Anders als die Saatkrähe darf die Rabenkrähe – außerhalb der Schonzeit – geschossen werden. Das Problem laut Sedlmair: „Die sind hochintelligent! Es dauert nicht lang, da kennen die das Auto des Jägers.“ Die Jäger hätten daher „richtig zu tun, die zu erwischen“!

Die Forderung des Bauernverbands ist daher klar: Der Schutzstatus vor allem der Saatkrähe muss gelockert werden. Die Populationen seien mittlerweile einfach zu groß. Landwirte in Schwabhausen, Orthofen, Haimhausen und Hebertshausen seien besonders betroffen. „Niemand will die Krähen ausrotten, aber wir müssen sie reduzieren“, sagt der BBV-Kreisobmann.

Stadt wartet auf Ergebnisse des Pilotprojekts

Was die Bauern auch bräuchten: ein wirksames Mittel, um den Vögeln den Appetit auf die frische Saat und die Jungpflanzen zu verderben. Bis 2019 durften konventionelle Landwirte ihr Saatgut noch mit einer ㈠Mesurol-Beizung behandeln. Doch dieses Mittel ist zwischenzeitlich verboten, und alle noch erlaubten Mittel zur Saatgutbehandlung sind laut Sedlmair nur halb so effektiv. Wobei er auch zugibt: Die konventionellen Bauern haben zumindest diese weit weniger wirksamen Mittel. Biobauern dagegen „haben gar keine Chance“, die Saatkrähen von ihren Feldern zu vertreiben.

Chancenlos ist man aber auch in der Stadt im Umgang mit den Krähen. Wie mehrfach berichtet, haben es sich die Vögel längst in urbanen Gebieten, mit reichlich Nahrungsangebot, breit gemacht. Die große Kreisstadt ist hoch belastet und kann mit den bisherigen Mitteln – Nester entfernen und Bäume entasten – den Krähen längst nicht mehr beikommen.

Ein bayerisches Pilotprojekt, wissenschaftlich begleitet von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, artenschutzrechtlich beraten von der Regierung von Oberbayern und übergeordnet angeleitet vom Bayerischen Landesamt für Umwelt, sollte daher herausfinden, wie man die Krähen wirksam aus Dachau vertreiben kann – auch der Abschuss war erlaubt.

BBV fordert Ausnahmeregelung für stark belastete Landwirte

Laut Moritz Reinhold, Bauamtsleiter der Stadt, ist die Untersuchung seit vier Wochen abgeschlossen. Voraussichtlich am 17. Juli in einer Sitzung des Bau- und Umweltausschusses des Stadtrats würden die Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert. Reinhold verspricht: „Dabei werden erstmals auch konkrete Details veröffentlicht – beispielsweise, welche Maßnahmen an welchen Stand㈠orten umgesetzt wurden.“

Anders als man meinen könnte, möchte die Stadt aber explizit nicht Seit an Seit mit dem Bauernverband für eine Lockerung des Abschussverbots kämpfen. Wie Stadtbaumeister Reinhold betont, widerspreche Sedlmairs Wunsch dem der Stadt: „Unser Bestreben ist es, die Saatkrähen langfristig wieder in ihre natürlichen Habitate zu lenken, also an die Stadtränder oder idealerweise in den Außenbereich.“ Würden die Saatkrähen jedoch auf landwirtschaftlichen Flächen vergrämt, erhöhe sich der Druck auf innerstädtische Räume – „eine Fehlentwicklung der Vergangenheit, die wir eigentlich vermeiden möchten“.

Nach der Einfall der Krähen bleiben nur noch die Löcher, aus denen die Tiere das Saatgut gefressen haben.
Nach dem Einfall der Krähen bleiben nur noch die Löcher, aus denen die Tiere das Saatgut gefressen haben. © dn

Eine strikte Trennung zwischen Stadt und Land ist allerdings genau das, was der BBV vermeiden möchte. In einem Papier des Bauernverbands zu dem Thema geht es vielmehr um Flexibilität: Je nach Betroffenheit eines Gebiets sollen entsprechende Maßnahmen erlaubt werden.

Als Vorbild für eine praktikable Lösung könnte laut BBV-Kreisobmann Sedlmair Österreich dienen, das die europäische Vogelschutzrichtlinie dadurch umgeht, indem es Sondergenehmigungen zum Abschuss erteilt. Bedingung: ein nachweisbar großer landwirtschaftlicher Schaden. Dass so etwas in Deutschland nicht möglich ist, findet Sedlmair schlicht „unverständlich“.

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