So viele Fundtiere wie nie: „Katzenelend“ im Dachauer Tierheim

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Silvia Gruber, Vorsitzende des Tierschutzvereins Dachau, setzt sich seit 30 Jahren für das Wohlergehen ihrer Schützlinge ein. © Tierheim

Eigentlich dachte Silvia Gruber, dass sie schon alles gesehen hat in ihrer über 30-jährigen Tätigkeit als Vorsitzende des Tierschutzvereins Dachau. Aber was sich derzeit in Stadt und Landkreis Dachau abspiele, „bricht alle Rekorde“: Es herrsche ein „Katzenelend“, das man bisher eigentlich nur aus Berichten über verwahrloste Tiere in Südosteuropa kenne.

Dachau – „Wir haben Hotspots in Altomünster, Indersdorf, Hilgertshausen-Tandern, Schönbrunn und im Palsweiser Moos“, berichtet Silvia Gruber, die nach eigener Aussage seit Monaten nachts kaum mehr länger schlafe als drei Stunden. Ständig erreichten sie Notrufe von Findern überfahrener, angefahrener, ausgesetzter und kranker Katzen. Populationen von 15 bis 20 Streuerkatzen würden sich derzeit beispielsweise in Schönbrunn herumtreiben.

Für die Dachauer Tierschützer bedeute das, dass sie sich bei eisiger Kälte auf die Lauer legen müssen, um herauszufinden, wo die Katzen Unterschlupf suchen. Die Tierschützer, so Gruber, füttern sie dann an, fangen sie in Futter-Fallen und bringen die Tiere ins Tierheim. Rund 130 Katzen seien derzeit dort, eine Rekordzahl. Es seien sogar so viele, dass Gruber und ihr Team die Kleintiere in ein anderes Tierheim auslagern mussten, um so Platz für die meist schwerkranken und verletzten Katzen zu schaffen. Die Pfleger, die sich im Landkreis Dachau um das Einfangen der Tiere kümmern, fehlen laut Gruber dann aber im Tierheim. „19 Mitarbeiter kümmern sich derzeit um das Wohl der Tiere, viele in Teilzeit.“

Eine von vielen verwahrlosten Katzen, die ins Dachauer Tierheim kamen: Scotty.
Eine von vielen verwahrlosten Katzen, die ins Dachauer Tierheim kamen: Scotty. © sim

Zum Zeitaufwand kommen die hohen Kosten die für die Versorgung der Tiere. „Viele meinen, dass wir die Tiere einfach einschläfern sollen“, erzählt die 66-Jährige. Doch so einfach sei dies nicht. „Solange dem Tier noch zu helfen ist, beispielsweise bei einem Beckenbruch mit guten Heilungschancen, darf ein Tierarzt gar nicht einschläfern.“

So mancher Tierbesitzer sieht das anders. Oft werden Hunde oder Katzen im Tierheim abgegeben, weil sie krank oder alt sind. Für die Kosten wollen die Halter laut Gruber nicht mehr aufkommen. „Sie verlangen schon mal einen Tausch gegen ein junges, gesundes Tier. Die Leute sind auch nicht mehr traurig, wenn ihr Tier totgefahren wird. Da hören wir oft nur: ,Ja, mei.‘“

Dank intensiver, zeitaufwändiger und kostenspieliger Pflege hat Scotty wieder eine Zukunft
Dank intensiver, zeitaufwändiger und kostenspieliger Pflege hat Scotty wieder eine Zukunft. © sim

Ein bis drei tote Katzen würden die Dachauer Tierschützer täglich bergen, so die Tierheim-Chefin. Und sie müssen auch anrücken, wenn ein Tierhalter verstorben sei. Dann müsse das Tier aus der Wohnung sein, bevor der Bestatter komme. Das zehre alles an den Nerven der Menschen, die sich für das Wohl der Tiere einsetzen. Vor allem Tiere zu verlieren, setzt Silvia Gruber auch nach Jahrzehnten im Tierschutz immer noch zu: „Das belastet uns alle sehr und geht an keinem spurlos vorbei.“ Tiere, glaubt die Tierschützerein, seien „für viele Menschen nur noch ein Spielzeug“. Selbst teure Rassekatzen würden abgegeben, sobald sie krank oder alt würden. Und: „Es wird immer schlimmer!“

Gruber rät Menschen, die sich ein Tier anschaffen wollen, sich nicht von netten Bildern kleiner Hunde und Katzen bei Ebay, Facebook oder in anderen sozialen Medien blenden zu lassen. Auch dem Wunsch der Kinder nach einem Tier sollten Eltern nicht ohne Weiteres nachkommen. „Machen Sie sich vor der Anschaffung eine Pro- und Contra-Liste und bedenken Sie, dass eine Katze gut zwölf bis 16 Jahre leben kann!“ Auch die Kosten für den Tierarzt gingen „schnell mal in die Tausende“.

Fundtierpauschale der Gemeinden reicht nicht

Die Gesamtkosten für den Betrieb des Tierheims belaufen sich auf rund 900 000 Euro pro Jahr. Die Fundtierpauschale, die die Landkreisgemeinden entrichten, deckten nicht mal annähernd die Kosten. Ohne Spenden ginge es schon lange nicht mehr, so Gruber. Für Abgabetiere oder tote Tiere bekomme der Tierschutzverein keinen Cent.

Das Problem mit herrenlosen und kranken Katzen hat zwischenzeitlich auch das Veterinäramt auf den Plan gebracht. Amtstierärztin Dr. Sophie Rothammer bittet die Bevölkerung regelmäßig um Hinweise, falls eine Katzenhaltung „aus dem Ruder“ läuft. Unter www.landratsamt-dachau/tierschutz solle man sich melden. „Bitte helfen Sie, die Situation der frei lebenden Katzen und des Tierheims zu verbessern, in dem Sie Ihre Katze kastrieren, kennzeichnen und registrieren lassen“, so Rothammer.

Helfende Hände werden auch im Tierheim immer gebraucht. Und wer einer Katze oder einem Hund ein neues Zuhause geben will, kann sich an das Tierheim Dachau wenden. „Wir vermitteln derzeit sechs bis acht Katzen in der Woche“, so Silvia Gruber. Doch in der Regel kämen dafür rund 13 Tiere nach. Simone Wester

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