Das gibt es nur in Antdorf. Alle drei Jahre verwandelt sich der Glasnbaur-Anger in eine Arena für ledige und kindelose Madln und Burschen. Nach altem Brauch sprinten die jungen Frauen auf den Mann ihrer Wahl zu.
Antdorf – Eines vorweg: Der Antdorfer Mailauf dient heuer eher der Gaudi und dem Erhalt des Brauchtums. Früher, nämlich 1792, hatte der erste Mailauf einen ganz praktischen Hintergrund. Nach Meinung des damaligen Pfarrers gab es einfach zu viele ledige Frauen und Männer im Ort. Möglicherweise auch zu wenig Nachwuchs. Ob der Geistliche eine Schwäche fürs Matriarchat hatte, ist nicht überliefert. Jedenfalls suchen sich beim Antdorfer Mailauf die Madln ihr Herzblatt und nicht umgekehrt.
In diesem Jahr waren es 28, die auf 32 Burschen zurannten. Vier gingen demzufolge leer – drei mit einem Besen und einer mit einer Laterne – zum Fest. Zuvor holten die sieben Ältesten der Maibaumburschen in der Funktion des „Zammtreibers“ die Madln mit Musik, Brezen, Bier und „Goaßln“ zu Hause ab und begleiteten sie zum „Glasnbaur-Anger“ gegenüber dem Gasthaus Petermichl.
Beim Mailauf in Antdorf wählen die Damen ihren Burschen und sprinten ihm entgegen
Dort erwarteten ungeduldig – den Madln den Rücken zugewandt – die Burschen ihre Partnerin. Angst, vom „falschen Mädchen überfallen“ zu werden, hatte übrigens keiner. „Mia ham ko schiache Madln“, so Stefan Winkler, der mit 31 Jahren zu den ältesten Teilnehmern gehörte. „Mia ham nur gottgeschaff´ne schöne Frauen“, pflichtete ihm Felix Blümlhuber (33) bei.
Hatten sich die Paare gefunden, zogen sie gemeinsam mit der Blasmusik aus dem Anger heraus zum Platz vor dem Gasthaus Petermichl. Nach einem Walzer und einem Schuhplattler begaben sich die Paare als geschlossene Gesellschaft ins Schützenheim. Die leer ausgegangenen Burschen mussten am Nachmittag die Tanzpartnerin durch einen Reisigbesen ersetzen oder sich mit der Stalllaterne weiter auf die Suche nach einem Mädchen begeben. Der öffentliche Maitanz fand erst am Abend im Schützenheim statt.
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