Dorfen - Kabarettist Alfred Mittermeier wirft einen satirischen Blick auf Dorfens Stadtleben, dieses Mal ist der geplante Zen-Garten im Visier.
Mit Geschenken ist es so eine Sache: Sie müssen passen. Ein gelungenes Geschenk löst Freude aus oder zumindest Anerkennung. Letztere dann, wenn einem das Präsent nicht gefällt, aber man es wenigstens brauchen kann. Allerdings kann es bei der Bescherung auch mal kompliziert werden, wenn das Geschenk mit einem Hintergedanken oder gar mit einer Gegenleistung verbunden sein könnte.
Die Stadt Dorfen bekommt von der japanischen Stadt Shisui einen Zen-Garten geschenkt. Freilich nicht den kompletten Garten. Das Grundstück muss schon von uns kommen. Wir kriegen lediglich die Zen-Utensilien, die man braucht, damit es einem dort vor lauter Spiritualität den Stopsel raushaut. Das ist trotzdem eine gute Sache, denn auch wer ein Auto geschenkt bekommt, kann nicht erwarten, dass er noch einen Parkplatz dazu kriegt.
Nicht alle Stadträte sind von dieser opulenten Gabe begeistert. Was aber nix sagt, weil die Mehrheit vom Stadtrat bereits ein Geschenk der Bahn erfolgreich abgelehnt hat: Die kostenlose Verlegung der Staatsstraße aus Richtung Isen entlang der Bahngleise.
Es gibt Stadträte, deren Spiritualität besteht im Dagegensein. Da kommt ein tiefenentspanntes Ooohm erst dann aus der Mitte vom Zwerchfell, wenn erfolgreich eine Chance vertan wurde.
Für den Zen-Garten allerdings braucht Bürgermeister Grundner keine Zustimmung. Seine Geschenkannahme erfolgte daher ohne Kenntnis vom Stadtrat.
Jetzt rumort es im rathäuslichen Debattierclub, ob hinter diesem Präsent nicht deutlich mehr stecken könnte. Seit Jahren bemüht sich Shisui um eine Städtepartnerschaft mit der Isenstadt. Dorfen, die umworbene Braut, ziert sich, weil man mit einem Bräutigam in über 10 000 Kilometern Entfernung nur selten einen analogen Austausch praktizieren kann.
Daher stellt sich nun die Frage, ob es sich beim Zen-Garten um eine Art Werbegeschenk handelt, das zu einem isenstädtischen Jawort führen soll. Tonnenschwere Findlinge, ein paar Kubikmeter Kies und eine Steinlaterne als eine Art Mitgift?
Falls ja, geschätzte parshippende Freunde aus Shisui, dann langt das nicht, dass wir Dorfener uns Euch mit Leidenschaft hingeben. Wir sind Elitepartner! Da braucht es noch ein paar Gefälligkeiten mit dazu. Was schön wäre: ein Container mit Koi-Karpfen, damit ein bisserl Farbe in die Isen kommt. Das würde auch unser Volksfest bereichern, wenn der Pelkermüller Schorsch seine Steckerlfische in sämtlichen Colorierungen auf den Grill schmeißt. „Dorfen grillt bunt“, wäre der passende Slogan.
Des Weiteren bestehen wir auf eine schriftliche Vereinbarung, in der auch mögliche Bündnisfälle genau geregelt sind. Wenn der Russe kurz vor Dorfen steht, erwarten wir, dass Ihr uns mit einer ansehnlichen Sumoringer-Truppe unterstützt. Falls bei Euch der Chinese einmarschiert, schicken wir Euch einen Schwung Hemadlenzen zur Austreibung.
Selbstverständlich freuen wir uns über den Zen-Garten auch ohne Partnerschaft. Schließlich ist dieses Areal ein Ort der Ruhe, der Meditation und der Entspannung. Ein Ort, der so manchen Stadtrat bei einem Besuch direkt vor der Sitzung in die eigene Mitte katapultieren würde.
Darauf ein dreifaches Zickezacke Zickezacke Ommm Ommm Ommm!