Keine Flößer-Flaute: Trotz Niedrigwasser Gaudifahrten auf Isar und Loisach nicht gefährdet

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Die Isar hat genug Wasser für die Floßfahrten: Hier navigieren Michael Angermeier (l.) und sein Sohn Stefan sicher den Wildfluss von Wolfratshausen zur Münchner Floßlände hinunter.
Die Isar hat genug Wasser für die Floßfahrten: Hier navigieren Michael Angermeier (l.) und sein Sohn Stefan sicher den Wildfluss von Wolfratshausen zur Münchner Floßlände in Thalkirchen hinunter. © Archiv: Wegscheider

Die Isar ist launisch: Mal trägt sie viel, mal wenig Wasser. Wie sehen die Floßmeister die Zeiten von Wetterextremen bei ihren jährlichen Gaudifahrten?

Wolfratshausen – Seit Anfang Mai sind die Flößer wieder mit ihren feucht-fröhlichen Passagierfahrten auf der Loisach und Isar nach München unterwegs. Die Generationsbetriebe kennen den Wildfluss wie kein anderer, doch das Wetter ist seit jeher unberechenbar. Vergangenes Jahr zum Saisonstart herrschte Hochwasser, heuer liegen aufgrund der längeren Trockenheit teils die Kiesbänke frei. Welche Bilanz ziehen die Floßmeister bisher?

Weniger Wasser: Isar liegt unter ihren üblichen Mittelwert – Flößer kommen trotzdem gut durch

Kein Schmelzwasser, kaum Niederschlag. Der Pegel der Isar mit knapp einem Meter liegt derzeit unter seinem üblichen Mittelwert zu dieser Jahreszeit. Genug Wasser, damit die 22-Tonnen-Flöße beladen mit Partygästen, Band sowie den Förgs (Floßfahrer) und dem Stürer (Steuermann) zur Münchner Floßlände (Thalkirchen) schippern können. Seit Anfang Mai sind die drei großen Flößereien Angermeier sowie die beiden Seitners wieder unterwegs.

Die Floßrutsche bei Mühltal
Die Floßrutsche bei Mühltal ist die längste in Europa. Auf 360 Metern und über 18 Höhenmetern rauschen die Flöße mit rund 40 Kilometern pro Stunde vom Kanal zurück zur Isar. © Daniel Wegscheider

„Das Niedrigwasser ist seit Saisonbeginn tatsächlich etwas problematisch, aber nachdem ein Floß sehr wenig Tiefgang hat, kommen alle ganz gut durch. Die Fahrt dauert halt entsprechend länger als bei Normalwasser“, berichtet Monika Heidl-Seitner, Tochter von Floßmeister Franz Seitner. Aktuell verlängert sich die Fahrtzeit um rund eineinhalb bis Stunden.FF

Für die Leute ist es absolut schön, weil sie jetzt die Fahrt länger genießen können.

„Für die Leute ist es absolut schön, weil sie jetzt die Fahrt länger genießen können“, sagt Floßmeister Josef Seitner. „Für uns Flößer ist es auch schön, wenn das Wetter mitspielt und alles in normalen Bahnen läuft.“ Auch wenn es derzeit wenig Wasser gebe, „aber mit dem können wir leben, schlimmer wäre es bei Hochwasser“.

Isar und Loisach: Niedrig- besser als Hochwasser für die drei Flößereibetriebe

Dies bestätigt Michael Angermeier. „Lieber weniger Wasser und wir können fahren, als Hochwasser und wir dürfen nicht fahren“, betont der Floßmeister und ergänzt schmunzelnd: „Wir fahren weniger, wir kriechen eher obi am Wasser“. Trotz des Niedrigwassers gebe es eine gute Rinne, sagt Angermeier, „das passt scho“.

Zwar sei es ein wenig schwieriger zu navigieren als sonst, meint Josef Seitner, „weil man jetzt Steine sieht, die man dort früher nicht gesehen hat“. Doch die Flößer stellen sich darauf ein, haben es im „Griff und es kommt Routine“ rein. „Freilich wünscht man sich mehr Wasser, aber dafür haben wir schönes Wetter.“ Schön, aber auch frisch. Angermeier berichtet von einem kalten Ostwind vergangener Woche. Mit Blick auf die Besucherzahlen „können wir nicht klagen“, erklärt Heidl-Seitner: Wobei der Mai ohnehin etwas spärlicher gebucht werde, „wie der Rest der Saison“.

Josef Seitner findet, dass es heuer zum Saisonbeginn ruhiger ist als sonst. „Ich denke, weil die Wirtschaft ein bisschen schwächelt.“ Es gibt sogar noch freie Plätze. Dass die Flößer zwei Jahre im Voraus ausgebucht sind, so wie es ehemals der Fall war, dass sei in der Zwischenzeit nicht mehr so. „Heutzutage kann man für 100 Euro nach Mallorca fliegen, das hat es damals nicht gegeben.“ Ein Mangel an Besuchern gebe es laut Seitner nicht, aber an Feiertagen gab es früher keinen freien Floß-Platz mehr – ein Unterschied zu heute.Daniel Wegscheider

Die Flößerei und das Klima: „Heiß-“ anstatt „Eisfahrt“: Floßmeister geteilter Meinung

Die Hauptsaison der Flößereien sind die Monate Juni und Juli, ab August werde es dann schon wieder ruhiger, berichtet Michael Angermeier. Und traditionell enden die Gaudifahrten auf der Isar mit der Eisfahrt, am zweiten Sonntag im September, der heuer auf den 14. fällt

„Die Eisfahrt ist unsere letzte Fahrt“, berichtet Josef Seitner „Das sollte eigentlich die kälteste sein, obwohl man das heutzutage nicht mehr sagen kann.“ Im Vergleich zu früher hat es teilweise Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad. „Man merkt den Klimawandel schon bis in den September hinein. Des passt nicht mehr zusammen.“

Letztes Jahr hatten wir viele Niederschläge, heuer haben wir gerade das Gegenteil. Die Natur fragt uns nicht.

Angermeier sieht es nicht so kritisch: „Wir hatten andere Jahre auch gehabt, die auch trocken waren. Wenn bei uns etwas außergewöhnlich ist, ist es gleich das Klima“, betont er und weiter: „Letztes Jahr hatten wir viele Niederschläge, heuer haben wir gerade das Gegenteil. Die Natur fragt uns nicht.“

Eisfahrt der Flößer ist immer am zweiten Sonntag im September: verlängert wird nicht

„Unsere alten Flößer, die früher gefahren sind, würden sagen, das ist ja Hochsommer im September mit den hohen Temperaturen“, meint Seitner. Das habe es früher nicht gegeben. „Da war es eisig, windig und regnerisch. Vom Wetter her war es wirklich eine Eisfahrt.“ Zum Saisonende waren die Flößer dann auch froh, „dass es gar werd, weil das Wetter auch nicht mehr mitspielte“, berichtet er.

Auch wenn der Sommer jetzt klimamäßig länger andauert, wollen die Flößer ihren Betrieb deshalb nicht verlängern. „Das rentiert sich nicht“, erklärt Seitner weiter. Man habe es schon einmal versucht und sei eine Woche länger gefahren als sonst. „Was war dann – dann hat es die ganze Woche geregnet.“

Junge lernten von den alten Floßmeistern: Wissen über Anfang und Ende der Fahrten auf der Isar

Ob Klimawandel hin oder her: Die Floßmeister haben laut Seitner gelernt, man sollte die alten Bräuche, wann man mit den Floßfahrten anfängt und aufhört, wie es die Alten früher eingeführt haben, so zu lassen. „Die haben schon gewusst, wann die beste Zeit dafür ist.“ Am besten wäre: „Im Nacht an Regen und am Tag schönes Wetter, so wäre es richtig“, wünscht sich Seitner: „Der Mensch denkt und Gott lenkt.“

Dem schließt sich Monika Heidl-Seitner vom Flößereibetrieb Franz Seitner an: „Wir hoffen auf eine ruhige und unfallfreie Saison ohne besondere Vorfälle.“ Aktuell könne man einfach nur sagen, „dass wir bis auf wenige Sonntage im Juni und August ausgebucht sind“. Und wie sich die Saison entwickelt, werde sich zeigen, „da hier vor allem das Wetter und die Wasserstände entsprechenden Einfluss nehmen und Prognosen kaum möglich sind“.

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