Rund 4000 Menschen sind am Sonntagnachmittag auf den Ernst-Reuter-Platz in Dachau-Ost gekommen, um für Demokratie, Vielfalt und Miteinander zu demonstrieren. Oder wie es der zehnjährige Valentin Heigl aus Dachau kurz und knackig formulierte: „Um die AfD einzudämmen!“
Dachau - Das Wetter war kalt, doch das störte die Menschen keineswegs. Sie wollten Präsenz zeigen. Schließlich galt es „wert darauf zu legen, auf das, was uns verbindet: die Demokratie“, wie Philip Caspari, der Sprecher des Dachauer Jugendrats, meinte. Er war einer von zahlreichen Sprechern bei der Demonstration am Sonntagnachmittag auf dem Ernst-Reuter-Platz. Ein breites, überparteiliches und konfessionsübergreifendes zivilgesellschaftliches Bündnis hatte unter der Ägide des Vereins Runder Tisch gegen Rassismus und dem Demokratiebündnis Dachauer Land zur Demonstration für Demokratie, Vielfalt und Miteinander aufgerufen. Das Motto: „Demokratie braucht Vielfalt“.
Das findet auch Brigitte Stuiber: „Unsere Gesellschaft kann ruhig etwas Buntheit vertragen. Und auch Toleranz und Respekt im Umgang mit allen Mitmenschen. Egal, wo sie geboren sind“, so die Dachauerin. Und Sabine Bielmeier, ebenso aus der Großen Kreisstadt, ergänzt: „Alle Menschen sind gleich, und alle sollen die gleichen Rechte kriegen. Und wer Hilfe braucht, der soll Hilfe kriegen.“
Nach diversen Statements formierte sich ein Umzug durch die Straßen von Dachau-Ost. Wenn man dabei die Menschen fragte, was sie denn sonst noch dazu brachte, um auf die Demo zu gehen, dann wurde sofort klar, dass sie der von der AfD unterstützte Antrag der Unionsparteien zur Verschärfung der Migrationspolitik sehr beschäftigt. „Ich habe echt Angst davor, dass durch irgendwelche Winkelzüge oder irgendwelche Umwege oder weitere Wortbrüche die AfD doch noch an die Macht kommt. Was können wir also anderes tun, als auf die Straße zu geht“, sagte etwa Brigitte Wurbs aus Dachau. „Vor allem, wenn man sieht, wie die Politiker geschickt versuchen, an der Macht zu bleiben und bereit sind, jeden Kompromiss einzugehen“, so die Französin Frederike Hägele aus Schweitenkirchen im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm in Richtung Friedrich Merz.
Kreative Schildersprüche:
–Demokratie ist wie mein Mann – anstrengend, aber auch das Beste, das mir passieren konnte.
–Braunschweig ist ein genialer Imperativ.
–Mit Alice kein Wunderland.
–Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf.
–1933 Gründe gegen Rechts
–Kein Merz im Februar.
–Demokratie ist keine Alternative.
Dem Unions-Kanzlerkandidat gab Peter Heller, Kreisrat (Bündnis für Dachau) und Mitstreiter beim Runden Tisch gegen Rassismus, ein Zitat des früheren Bundespräsidenten Walter Scheel mit auf den Weg. Der FDP-Politiker hatte einst gesagt: „Es kann nicht die Aufgabe eines Politikers sein, die öffentliche Meinung abzuklopfen und dann das Populäre zu tun. Aufgabe der Politiker ist es, das Richtige zu tun und es populär zu machen.“
Die Vergangenheit seiner Heimatstadt Dachaus hatte Michael Höß im Blick, der meinte: „Ich bin hier, um zu zeigen, dass wir rechte Meinungen und einen Rechtsruck hier nicht wollen. Da hat Dachau eine wichtige geschichtliche Verantwortung!“
Unter den laut Polizei Dachau etwa 4000 Demonstranten gab es auch zahlreiche Kinder und Jugendliche. Raphael Norello etwa. Auf die Frage, warum er nach Dachau-Ost gepilgert sei, meinte der 14-Jährige: „Weil ich absolut gegen die AfD bin. Und weil ich finde, dass jeder in diesem Land willkommen ist. Und weil ich es nicht o.k. finde, dass wir Leute rausschmeißen!“