Die Pflege steckt in der Krise. Insbesondere der Personalmangel wirkt sich auch auf Seniorenheime aus. Das bekommen auch die beiden Kreisseniorenheime in Greifenberg und Vilgertshofen zu spüren. Deren Belegung ist 2023 auf ein Rekordtief gesunken.
Landkreis – Besonders gebeutelt ist dabei das Theresienbad in Greifenberg – und das hat leider schon Tradition. Die Jahresabschlüsse sind meist schlechter als die seines ‚Pendants‘ in Vilgertshofen. Der Fehlbetrag im Theresienbad für 2023 liegt bei gut 500.000 Euro. Und die Auslastung sank im letzten Jahr auf 88 Prozent, der zweitniedrigste Stand in den letzten zehn Jahren, informierte der Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses Leonhard Stork in der letzten Kreisausschusssitzung. Dabei habe man die Bettenanzahl, die bereits 2015 von 130 auf 120 minimiert wurde, nochmals auf 115 gesenkt. Was nicht an der Nachfrage liege. Sondern am fehlenden Personal.
Personalmangel im Seniorenheim: in Vilgertshofen nahezu Vollbelegung
Was die Ausgaben angehe, seien unter anderem die Instandhaltungskosten mit einem Plus von über 63.000 Euro um satte 42 Prozent höher als im Planansatz. Grund dafür seien Arbeiten am Blitzschutz oder auch an Kühlung und Lüftung.
In Vilgertshofen ist der Fehlbetrag nicht geringer als in Greifenberg. Auch dort steht ein Minus von über 500.000 Euro im Jahresabschluss. Hier haben sich die Instandhaltungskosten im Vergleich zum Vorjahr um knapp 40.000 Euro erhöht. Und auch die Belegungsquote in Vilgertshofen sank auf ein Rekordtief von 90 Prozent. Die sei aber inzwischen wieder im Aufwind, informierte der Leiter der Kreisseniorenheime Thomas Söldner: „Hier haben wir aktuell wieder fast eine volle Auslastung: 82 von 83 Betten sind belegt“, was an der besseren Personalsituation in Vilgertshofen liege.
Kreisrat Markus Wasserle (SPD) kam noch auf eine Bemerkung des überörtlichen Prüfungsverbands zu sprechen: Dieser habe den für das Theresienbad Greifenberg vom Kreistag beschlossenen Neubau – bisher sind dafür 35 Millionen Euro angesetzt – explizit als „hohes finanzielles Risiko für den Landkreis“ bezeichnet. „Und zwar nicht nur den Bau, sondern auch den späteren Betrieb aufgrund des fehlenden Personals und der dadurch mangelnden Auslastung“, betont der SPDler. „Wir können jetzt schon die 115 Betten nicht belegen, wie sollen wir das machen, wenn noch mehr Betten da sind?“ Man müsse das Projekt, das ja eine freiwillige Aufgabe des Landkreises ist, nochmals überdenken, so Wasserle, eventuell in einer Art Workshop. Die Pflegeplätze seien absolut notwendig. „Aber wir müssen eben eine Lösung finden, die den Menschen gerecht wird. Den Menschen, die Pflege benötigen und denen, die pflegen. Aber es muss auch für den Landkreis machbar sein.“
Kreisseniorenheim Vilgersthofen: Die gute Lage
Den Grund dafür, dass Vilgertshofen in der Personalsituation weitaus besser dastehe, sieht Wasserle in der Lage des Vilgertshofener Seniorenheims: „Es liegt im Zentrum des Landkreises. Der Personalbedarf dieses Seniorenheims wird durch die Menschen, die in den angrenzenden Kommunen leben, gedeckt.“ Greifenberg hingegen liege direkt an der Autobahn – weshalb Pflegekräfte eben auch in – offenbar attraktiveren – Einrichtungen in Starnberg, Fürstenfeldbruck oder auch München arbeiten könnten, ohne gleich einen weitaus längeren Arbeitsweg zu haben.
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