In der Kirche St. Martin stehen Arbeiten an. Die Glocken brauchen neue Klöppel und Joche. Der Pfarrer hofft auf Spenden für das Unterfangen.
Ein bayerisches Dorf, indem keine Glocken läuten, in dem die Kirchturmuhr nicht schlägt – das ist kaum vorstellbar. In Bad Kohlgrub muss man sich mit dieser Vorstellung aber anfreunden. Denn schon bald wird‘s still. Zumindest für ein paar Wochen. Im Kirchenstuhl von St. Martin stehen Arbeiten an. Neue Klöppel, neue Joche und eine neue Steuerung braucht‘s. Und der Pfarrverband hofft auf Spenden. Denn die Kirchenstiftung muss das Unterfangen komplett aus dem eigenen Etat finanzieren.
Anfang der Neunzigerjahre haben die Glocken der Pfarrkirche zuletzt neue Klöppel erhalten. Die auch ihren Dienst verrichteten. Dabei hinterließen sie dabei deutlich sichtbare Spuren in der Bronze der Glocken. Die Klöppel seien damals aus zu hartem Stahl geschmiedet worden, erzählt Pfarrer Rudolf Scherer. Nun müssen neue Exemplare gefertigt werden, aus weicherem Stahl. Und nicht nur das: Die Joche aller Glocken, fünf an der Zahl, sind auszutauschen. Der Stahl ist von Rost befallen. Die neuen Joche werden aus Eichenholz hergestellt. Obendrein gilt es, für drei der fünf Glocken eine neue Steuerung anzuschaffen. Auch die Hammer für den Viertel- und Vollstundentakt müssen nachgearbeitet werden. Da kommt also einiges zusammen – auch finanziell. „Wir brauchen 35.000 Euro“, betont der Pfarrer. Mit den Arbeiten ist die Regensburger Firma Georg Rauscher Turmuhrenfabrik beauftragt. Für Glocken dürfen wir keine finanzielle Unterstützung vonseiten der Erzdiözese München und Freising erwarten, teilt der Pfarrverband in einem aktuellen Aushang an seinen Kirchen mit. Spenden sind deshalb gerne gesehen.
Für die Nachwelt erhalten
Die Glocken verbleiben bei den Maßnahmen im Turm, verrät Scherer. Diese müssen aber provisorisch eingelagert werden. Damit kennt man sich oben im Kirchturm ganz gut aus. Scherer steigt die schmalen Stiege hinauf. Die hölzernen Stufen knarzen. Der Geistliche deutet auf alte Klöppel, die dort verwahrt sind. Der Klöppelballen ist bei diesen Exemplaren nicht kugelähnlich rund, sondern scheibenähnlich flach ausgeformt. Auch die Gussstahljoche, die demnächst ausgetauscht werden, verharren wohl im Kirchturm. Auf jeden Fall werden sie für die Nachwelt erhalten.
Darauf verstehen sich die Bad Kohlgruber. Scherer deutet auf eine der fünf Glocken, die oben im Turm ihren Dienst verrichten. Die Nummer vier. Nach der Sterbeglocke, die oben in der Laterne hängt, mit 290 Kilogramm die Leichteste im Geläut. Ein besonderes Exemplar. Es sei die Einzige, die aus dem Vorkriegsgeläut geblieben ist. Was verwunderlich ist. Der Pfarrer zeigt auf rote Ziffern, die auf die Innenseite geschrieben wurden. 19/11/65/A. „Die Ablieferungsnummer für den Krieg.“ Und noch etwas ist besonders an der Bronzeglocke: Sie wurde 1922 vom Meister Rudolf Oberascher in München gegossen. Aus dieser Gießerei, aus der auch das Glockengeläut des Münchner Rathauses stammt, gebe es im Landkreis nur noch eine Glocke – und zwar das Bad Kohlgruber Modell. Vier Glocken der St.-Martin-Kirche, drei wurde nach dem Krieg im Jahr 1947 und eine Ende der Sechzigerjahre gegossen, attestiert Scherer einen „rauchigen Klang“. Nicht aber der Nummer vier. „Die singt.“
Neuer Klang
Den Klang werden die neuen Joche aus Eichenholz verändern. Das Geläut klinge dann weicher, prophezeit Scherer. Doch zuerst stehen die Arbeiten an. „Im Herbst werden wir einige Wochen auf unsere Glocken verzichten müssen.“ Ein Preis, den man aber gerne bezahlt. Schließlich wird für den Erhalt des Geläuts Geld in die Hand genommen. Für den Pfarrer eine wichtige Investition. „Glocken bewegen die Herzen der Menschen“, sagt er. „Denn man hört Glocken in Zeiten der Freude und in Zeiten des Leids.“ Sie begleiten Menschen durch verschiedene Lebensphasen – und Uhrschläge sogar durch den Alltag.
Spenden
Wer die Kirchenstiftung St. Martin finanziell bei der Glocken-Maßnahme in der Pfarrkirche St. Martin unterstützen möchte, kann auf folgendes Konto Spenden überweisen: Kath. Kirchenstiftung St. Martin, IBAN: DE82 7039 0000 0000 7515 96.