Kaffeehaus, Orangerie, Mini-Therme – was soll rein ins Erdinger Sparkassenhaus?

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Dieter Priglmeir © hep

Die Sparkasse Erding-Dorfen hat ihre Beratungszentren in der Schrannenhalle geschlossen. Jetzt ist Platz in dem wunderbaren Bau aus dem 19. Jahrhundert. Aber für was? Ein paar Ideen.

Erstmals bin ich der Sparkasse dankbar, dass sie Schalter schließt. Erstmals und einmalig, denn es handelt sich um das Gebäude am Schrannenplatz, also mitten im Herzen der Erdinger Innenstadt. Das ist sehr bitter gerade für ältere Menschen, die die Beratung noch benötigen. Aber wir alle können jetzt davon träumen, wie sich dieses herrliche Schmuckstück, 1866 als Schrannenhalle im neugotischen Stil erbaut, anderweitig nutzen ließe.

Bitte kommen Sie mir jetzt nicht mit den Brandschutzauflagen, denn erstens ist man nie (und schon gar nicht zu dieser Jahreszeit) davor gefeit, dass irgendwelche betrunkenen Hirnis mit Feuerwerkskörpern auf das Gebäude ballern, und zweitens habe ich ja von „Träumen“ gesprochen. Deshalb verspreche ich auch feierlich, dass nun keine Optiker-, Barbershop- oder Schoko-Laden-Witze kommen.

Apropos süß: Ein Kaffeehaus wäre chic an dieser Stelle. Wo bisher der Bankkaufmann zwischen zwei Kreditzusagen nervös am kalten Kaffee genippt hat, säßen künftig fächerwedelnde feine Damen und schnauzbartzwirbelnde Herren. Sie genießen ihre Melange oder den Einspänner, bitten um eine Extraportion Schlagobers auf den Erdbeerkuchen und beobachten leicht amüsiert oder angewidert (je nach Typus) durch die großen Fenster das Treiben auf der Straße. Ein Kaffeehaus in der Innenstadt – die Vorstellung gefällt uns auch deshalb, weil natürlich die Heimatzeitung zum allgemeinen Vergnügen (oder Ärgernis) ausliegen würde.

Ist Ihnen das zu fad? Dann machen wir Ihnen ein Sportangebot, das Sie nicht ablehnen können: ein Dart-Haus. Schnell würde die ehemalige Schrannenhalle zum neuen „Schrannenhally Pally“. Eine Tischtennis-Halle wäre auch eine feine Sache. Vielleicht ließen sich die Platten zusätzlich als PV-Anlagen nutzen – dann wäre die Stadt nicht nur E-Bus-Weltmeister, sondern Energiechamp. Abgesehen davon müssten unsere beiden Tischtennis-Supertalente Johannes und Theresa Faltermaier nicht mehr zum Training nach Schwabhausen oder noch weiter fahren. Abraten würde ich von einer Arena für die EWS, also die Erdinger Wrestling Show. Bei Raufereien werden gern mal die Kämpfer durch die Fenster geworfen. Und mit einem Fenstersturz hat schon mal ein Unsinn begonnen, woran wir regelmäßig bei den Schwedenspielen erinnert werden.

Andere Idee: eine Orangerie hinter roter Sparkassenfasssade. Das war schon im 17. und 18. Jahrhundert sehr modern und ist laut Wikipedia die stilvolle Bezeichnung für Schauräume, in denen Großgewächse wie Orangen- oder Zitrusbäume ausgestellt werden. Ein Subtropen-Kleinpark – dann könnten wir den Stadtpark getrost den Krähen und Pokemon-Suchern überlassen.

Oder wir fluten das Ganze, machen daraus eine Erdinger Mini-Therme. Wo einst die Kredithaie zuschnappten, planschen und wellnessen künftig wir – auch ein schöner Gedanke. Auch eine Bierschwemme wäre möglich. Da müsste der Erdinger Weißbräu sein Imperium nur geringfügig erweitern. Den Brombach-Stammsitz an der Langen Zeile und die Schrannenhalle könnte man ja unterirdisch.... – ach lassen wir das.  Nicht dass noch jemand auf die Idee kommt, eine weitere Rathaus-Stelle zu eröffnen.

Aber jetzt nochmal im Ernst: Ein Kunsthaus mit abwechselnden Ausstellungen, vier Wände für den Grünen Markt (passend zur alten Schrannenhalle), eine Comedy-Bühne mit Open Mic, ein Escape-Room (der vor allem für die Zuschauer von außen interessant wäre), ein Moosgeister-Land – nur ein paar von vielen möglichen „Anschlussanwendungen“, wie der AOKler in mir sagt. Wir könnten die Gestaltung aber auch Sinnflut-Manager Börnie Sparkassenkowsi, äh Sparakowski, überlassen. Der schafft es immer, mit drei abgesagten Bäumen und einem Diwan aus Omas Stube eine besondere Atmosphäre zu schaffen.

Egal was, aber wir sollten handeln. Warum? Im Obergeschoss des Gebäudes hat Bauherr Florian Brandhuber sein Büro. Nicht, dass er noch auf dumme Gedanken kommt.

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