Sensationsfund im Steinzeit-Grab offenbart archäologische Überraschung

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Fürstenfeldbruck
  4. Moorenweis

Kommentare

Das Skelett von Moorenweis. © Astrid Wolter

Kleine Sensation in Moorenweis: Bei Erdarbeiten am Ortsrand ist eine Grabstätte aus dem dritten Jahrtausend vor Christus gefunden worden – möglicherweise erst der Auftakt für weitere Entdeckungen.

Der archäologische Fund in Moorenweis beschäftigt die Experten. Es handelt sich wohl um eine Grabstätte der schnurkeramischen Kultur aus dem dritten vorchristlichen Jahrtausend – in der Brucker Region eine Seltenheit.

Wie berichtet, waren bei Erschließungsarbeiten im Gewerbegebiet Knochen und eine Grabbeigabe aus Keramik gefunden worden. Dieses Tongefäß ist es, was den Experten des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege (BLfD) das ungefähre Alter der Funde verrät.

2600 Jahre vor Christus

„Die Oberfläche sieht aus wie von Schnüren eingedrückt“, erklärt Jochen Haberstroh, Referatsleiter Bodendenkmalpflege Oberbayern/München beim BLfD. Diese Form der Verzierung ist ein eindeutiger Hinweis auf die schnurkeramische Kultur am Übergang von der Jungsteinzeit zur Bronzezeit.

Erste Schätzungen datieren das Grab auf etwa 2600 bis 2500 vor Christus. Die Fundsituation der Knochen zeigt, dass es sich um eine sogenannte Hocker-Bestattung handelte. Dabei wurde die verstorbene Person mit angezogenen Beinen auf der Seite liegend beigesetzt. Die Gräber waren geschlechtsspezifisch angelegt – Männer wurden mit Blickrichtung nach Osten bestattet, Frauen mit Blick nach Westen.

Beim Moorenweiser Fund geht man von einer weiblichen Person aus. Eindeutig bestimmt werden kann das Geschlecht durch Untersuchungen der Knochen in der Anthropologischen Staatssammlung in München. Auch das Sterbealter lässt sich dort bestimmen. Das Keramikgefäß wird unterdessen in der Restaurierungswerkstatt des LfD in Augenschein genommen.

Spannend und bedeutsam

Laut Jochen Haberstroh sind schnurkeramische Gräber in Südbayern eine Seltenheit. „Das macht den Fund in Moorenweis noch spannender und bedeutender.“ Noch ist auch völlig offen, wo eine zu der Grabstätte gehörende Siedlung gelegen haben könnte. „Es gibt größere Bodendenkmäler in Jesenwang“, so Haberstroh. Die Distanz zu Moorenweis sei aber wohl zu groß, als dass eine Verbindung bestehen könnte.

Demnach könnten im neuen Gewerbegebiet noch weitere Geheimnisse im Boden schlummern, möglicherweise auch weitere Grabstätten. Die Gemeinde will den Oberboden im gesamten Bereich abschieben lassen. Die Arbeiten werden von einem Experten des BLfD begleitet. Anschließend macht sich eine private Grabungsfirma an die Arbeit. „Es kann sein, dass wir noch weitere Überraschungen erleben“, so Haberstroh. Die Moorenweiser Bauamtsleiterin Astrid Wolter hat die Leiche nach einer historischen Namensrecherche inoffiziell „Ertha“ getauft. Der Name bedeutet wohl Erde.

Auch interessant

Kommentare