Immerhin die Familie von Thomas Müller erlebt einen emotionalen Abend im San Siro. Der Bayern-Star verabschiedet sich von der Königsklasse. Was folgt nun?
Mailand – Wie kitschig wäre das gewesen …
In der fünften Minute der Nachspielzeit flog der Ball erneut in den Strafraum von Inter Mailand. Thomas Müller kam mit dem Kopf an den Ball und hätte beinahe seinen Legendenstatus weiter ausgebaut. „Ich dachte, der Yann Sommer kommt raus und ich köpf’ ihn gerade rein“, beschrieb Müller die Szene nach dem Spiel bei DAZN. Doch der Torhüter blieb auf der Linie und hielt den Ball.
Kurz darauf war das Spiel vorbei, und der FC Bayern schied mit einem 2:2 im Viertelfinal-Rückspiel gegen Inter Mailand aus der Champions League aus. Der Traum vom „Titel dahoam“ war für die Münchner geplatzt.
„Emotionaler als für mich“: Müller-Familie bei CL-Aus mit in Mailand
Für Thomas Müller war es zugleich der letzte Auftritt in der Königsklasse im Bayern-Trikot. Wie es für den 35-Jährigen nach der Klub-WM im Sommer weitergeht, ist noch unklar. „Ein bisschen hatte ich schon das Gefühl, dass die Jungs nochmal zu mir kamen“, verriet Müller.
Während Fans bereits Abschiedsvideos auf Social Media teilten, blieb Müller gefasst. „Ich habe da keine großen sentimentalen Emotionen parat“, erklärte er in der Mixed Zone des San Siro und betonte, dass die Saison noch nicht vorbei sei, da am Samstag das Auswärtsspiel gegen den 1. FC Heidenheim ansteht.
Für das letzte Spiel in der Königsklasse war fast seine gesamte Familie nach Mailand gereist. Seine Eltern saßen im Flugzeug nach Mailand und waren am Abend im ausverkauften San Siro. „Für meine Familie ist es wahrscheinlich emotionaler als für mich“, sagte Müller, der das Bankett im Bayern-Hotel „Melia Milano“ nach dem Spiel frühzeitig verließ. Die Bayern-Stars hatten verständlicherweise keine große Lust, dort länger zu verweilen.
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Nach 163 Spielen und 57 Toren, darunter 28 in K.o.-Spielen, was in dieser Hinsicht zum erfolgreichsten deutsche Spieler in der Champions League macht. Diese besonderen Nächte gehören nun der Vergangenheit an.
„Ich habe ihm nach dem Spiel gratuliert zu einer Weltkarriere“, sagte Sportvorstand Max Eberl in der Mixed Zone. „Er hat gleichgezogen mit Lionel Messi, das sollte man auch in einem Atemzug nennen. Messi und Thomas Müller – mit unterschiedlichen Stärken. Aber von der Karriere genau das, was es beschreibt.“
Müller selbst wollte dem Ganzen keine große Bedeutung beimessen. „Zahlen an sich bedeuten mir nichts“, sagte er. „Es zeigt nur, dass ich mich intern immer wieder durchsetzen konnte und meinen Teil beitragen konnte.“
FC Bayern scheidet gegen Mailand aus: Wie geht‘s für Thomas Müller weiter?
Trotz seiner gefassten Haltung zeigte Müller doch Emotionen. „Nach dem On-Field-Interview haben die Ultras auf der Tribüne nochmal ein Liedchen angestimmt, da hat der Körper mal kurz reagiert, da hatte ich einen Anflug von Gänsehaut. Da konnte ich gar nicht groß drüber nachdenken, das kam einfach so.“
Zum Abschluss fasste Müller den Abend treffend zusammen: „Es war ganz schön, aber gleichzeitig sind wir ausgeschieden …“ und verschwand aus den Katakomben des Giuseppe-Meazza-Stadions.
Ein wenig mehr Kitsch hätte dem Abend vielleicht gutgetan. (smk)
Aus dem San Siro berichteten Florian Schimak und Hanna Raif.