Vom Zauber des Hackbretts

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„Einfach nur gute Freunde“, die gerne miteinander musizieren: Mathis Zolling (l.) und Luca Ponsa an ihren Instrumenten. © Dagmar Rutt

Beim Jahresempfang der Gemeinde Herrsching hatten Luca Ponsa und Mathis Zolling einen beeindruckenden Auftritt. Die beiden spielen Hackbrett, ein eher seltenes Instrument bei Konzerten. Als Duo schafften es die beiden jungen Herrschinger in den Landesentscheid von „Jugend musiziert“ und belegten dort einen ersten Platz.

Herrsching - „Die beiden sind extrem gut darin, sich wiederzufinden. Nur manchmal entfliehen sie, aber nur kurz “, sagt die Mutter von Luca Ponsa. Der geneigte Zuhörer nimmt dies kaum wahr. Der Satz beschreibt das Zusammenspiel des 15-jährigen Luca und Mathis Zolling als Hackbrett-Duo deshalb ziemlich genau – das gilt für sie als Freunde genauso wie als Musiker. Mathis ist 13, zwei Jahre jünger als Luca. Die beiden kennen sich, seit sie zusammen in den Hort und in dieselbe Grundschule in Herrsching gingen. Beim Jahresempfang der Gemeinde Herrsching standen die beiden Teenager gemeinsam auf der Bühne. Das erste Mal vor großem Publikum, vor mehr als 300 Menschen. Was sie dafür auszeichnete, war das Instrument, das die beiden sicher beherrschen: das Hackbrett. Als Duo schafften sie es damit bis in den Landeswettbewerb nach Augsburg. Sie belegten einen ersten Platz.

Qua Definition ist ein Hackbrett eine Art Kastenzither, deren Saiten mit Klöppeln angeschlagen werden. Die Klöppel oder Schlägel bestehen aus Holz und können mit Leder oder Filz überzogen sein. Hackbretter sind Saiteninstrumente, die nach der Art der Tonerzeugung auch zu den Schlaginstrumenten gezählt werden. Ein Konzert-Hackbrett hat 96 Saiten und 32 Töne. Unter der deutschen Bezeichnung „Hackbrett“ werden im engeren Sinn Formvarianten verstanden, die in der alpenländischen Volksmusik beheimatet sind. Lucas und Mathis‘ Heimat ist dies nicht: „Man kann auf dem Hackbrett alles spielen.“ Das stellten die beiden eindrucksvoll auf der Bühne unter Beweis.

Beide Jugendlichen haben schon früh mit Musik angefangen. Mathis, dessen Eltern beide Profi-Musiker sind, lernte zunächst Geige. Luca versuchte sich autodidaktisch am Klavier. In der Musikschule stieß Luca dann auf das Hackbrett. „Die manuelle Version eines Klaviers“, wie er sagt, „und das Schöne am Hackbrett ist, man kann gleich am Anfang schöne Klänge erzeugen.“ Auch Mathis hat bereits im Vorschulalter das „Instrumentenkarussell“ der Herrschinger Musiklehrervereinigung durchlaufen und erspähte Luca an diesem großen, trapezförmigen Instrument. „Das wollte ich auch.“ Seitdem werden beide von Martina Cabell unterrichtet und sind vom Zauber dieses Instruments gefangen.

Luca hatte von klein auf ziemlich klare Vorstellungen, was er will. „Ich wollte damals kein Blasinstrument spielen lernen, weil ich auch singen wollte“, sagt er. Daran hat sich für den 15-Jährigen nichts geändert. Es überrascht nicht, dass es Mathis ganz ähnlich ging. Beide spielen nämlich nicht nur Hackbrett, sondern singen auch gerne. Eine Zeitlang zusammen im Schulchor. Mathis allerdings wechselt in diesem Sommer in die neunte Jahrgangsstufe des neuen Gymnasiums in Herrsching, Luca ist mit 15 bereits zu alt und bleibt deshalb am Christoph-Probst-Gymnasium in Gilching, an dem auch Mathis bislang zur Schule ging.

Es ist schwierig, beim Spielen auf ein Notenblatt zu schauen. In richtiger Geschwindigkeit ist es unmöglich.

So ähnlich sich die beiden Jugendlichen sind, sind sie in einem Alter, in denen sie unterschiedliche Freundeskreise pflegen. Luca spielt auf dem Hackbrett seit einem Jahr auch in einer Band mit Klavier, Blockflöte und Schlagzeug. Mathis hat schon häufig zugehört, hat aber zeitgleich Klavierunterricht. „Zwei Hackbretter wären auch zu viel für eine Band“, sagt Mathis. „Denn man kann darauf schon richtig hacken“, sagt auch Luca. Trotzdem führt beide Singen und das Musizieren am Hackbrett zueinander, schweißt sie als Freunde zusammen. Gemeinsam durchlebten sie den Stimmbruch. „Ein hartes Erwachen“, sagt Lucas, als er sich daran zurückerinnert, wie sein älterer Bruder mit Schlappen nach ihm warf, damit er aufhört. Und das Hackbrett – das ist ein seltenes Instrument, dessen Zauber, es zu spielen, nicht jeder versteht. Selten ist es bei Konzerten zu hören.

Abgesehen vom regelmäßigen Musikunterricht treffen sich Luca und Mathis deshalb „einfach nur, um Musik zu machen“. Ohne Noten. „Es ist schwierig, beim Spielen auf ein Notenblatt zu schauen. In richtiger Geschwindigkeit ist es unmöglich“, erklärt Mathis. „Wir haben beide ein gutes Gehör.“ Denn das Schwierigste beim Hackbrettspielen ist, mit den vielen, eng beieinander liegenden Saiten zurechtzukommen. Um die richtige Saite zu treffen, gehören die Augen eigentlich auf das Instrument. Wer gleichzeitig auf die Noten schaut, kann schnell durcheinanderkommen. Deshalb spielen auch Luca und Mathis auswendig.

Die beiden Schüler verbindet ein intensives Einfühlungsvermögen, genaues Zuhören und der Respekt dem jeweils anderen gegenüber. Fast schon erwachsen. Manchmal ist es auch Bewunderung, wenn zum Beispiel Luca über Mathis sagt: „Er ist unfassbar musikalisch.“ Worauf Mathis entgegnet, dass Luca der Bessere sei, der aber sagt: „Ich bin nur der Ältere“. Auf der Bühne im Haus der bayerischen Landwirtschaft haben sie bewiesen, dass sie beide gut sind und nur manchmal dem anderen entfliehen. So wie es Lucas Mutter schon formulierte und wie es vermutlich auf das Leben genauso zutrifft wie auf die Musik: „Aber immer nur kurz.“ Man wird sehen, wo die Reise hingeht, und hoffentlich noch einiges von beiden hören.

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