Mit Gold und Porzellan beladenes Piratenschiff vor der Küste Madagaskars entdeckt

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Ein echter Piratenschatz ist schwer zu finden. (Symbolfoto) © Maksym Yemelyanov/IMAGO

Forscher haben bestätigt, dass das vor Madagaskar entdeckte Wrack ein portugiesisches Kolonialschiff ist. Dennoch werfen viele Details noch Fragen auf.

Brewster – Nach 20 Jahren Forschung haben Wissenschaftler des Center for the Preservation of Historical Shipwrecks in den USA bestätigt, dass ein Wrack vor der Küste Madagaskars die Nossa Senhora do Cabo ist. Es handelt sich um ein portugiesisches Schiff, das vor 300 Jahren nach einem Piratenüberfall sank. Der Fund gilt als eine der bedeutendsten maritimen Entdeckungen der jüngeren Vergangenheit.

Die Nossa Senhora do Cabo, damals unter portugiesischer Kolonialherrschaft, war aus Indien ausgelaufen. Im April 1721 griffen die berüchtigten Piraten Olivier Levasseur, genannt „La Buse“ oder „Der Falke“, und John Taylor das Schiff nahe der Insel Réunion an. Es transportierte eine immense Ladung an Gold, Textilien und religiösen Gegenständen. Darunter waren auch Objekte für hochrangige Geistliche wie den Erzbischof von Goa, der sich an Bord befand.

Historischer Überfall: Piraten kaperten portugiesisches Schiff, „ohne einen Schuss abzugeben“

Zeitgenössische Berichte beschreiben, dass nach einem schweren Sturm, der das 700 Tonnen schwere Schiff massiv beschädigte, Levasseur und Taylor mit der Plünderung begannen. Die Besatzung hatte zuvor 72 Kanonen über Bord werfen müssen, um ein Kentern zu verhindern, und war somit wehrlos. „Ohne einen Schuss abzugeben und mit minimalem Entern war es für die Piraten ein Leichtes, den enormen Schatz der Nossa Senhora do Cabo an sich zu reissen“, erklärten die Forscher.

Der Schatz wird heute auf über 138 Millionen Dollar geschätzt und umfasst Goldbarren, Perlen, Luxusstoffe und weitere Kostbarkeiten. Zu den Beutestücken gehörte das Goa Flamboyant Kreuz aus Gold, mit Einlagen aus Diamanten, Rubinen und Smaragden. Berichten zufolge war es so groß, dass drei Männer es heben mussten.

Piraten nutzten das Schiff anschließend selbst – Schicksal von hunderten Sklaven ungewiss

Es befanden sich auch etwa 200 versklavte Menschen an Bord. Ihr Schicksal nach dem Überfall ist bis heute unbekannt. Nach der Kaperung benannten Levasseur und Taylor das Schiff in Victorieux um und nutzten es als Flaggschiff. Sie legten in Madame Islet vor der Insel Sainte-Marie an, die als „Pirateninsel“ bekannt ist.

„Die materiellen Belege und die historischen Dokumente stützen die Hypothese der Entdeckung der Victorieux nachdrücklich“, sagte Professor Claudio Lorenzo, der 2015 die Forschungen bei Madame Islet leitete, laut GEO France. „Die Madame Islet erzählt eine Geschichte von Piraterie, kolonialer Macht und menschlichem Leiden, mitten im Indischen Ozean.“

„Schillernden Schatz“: Über 3.000 Artefakte wurden aus dem Wrack des Piratenschiffs geborgen

Forscher haben mehr als 3.300 Objekte aus dem Wrack geborgen, darunter Statuen und religiöse Gegenstände aus Holz und Elfenbein. Zu den Funden zählen eine Madonna-Statue, ein Elfenbein-Jesus und ein Kruzifixaufsatz mit der Inschrift „INRI“. Archäologen von der Brown University nannten den Fund laut El Universo einen „schillernden Schatz“.

Bestimmte Teile des Schiffsrumpfes zeigen indo-portugiesische Bautechniken jener Zeit. Die Größe des Wracks entspricht außerdem jener der Linienschiffe, die für Langstrecken zwischen Asien und Afrika genutzt wurden. Kupferreste an der Legierung deuten darauf hin, dass das Schiff nach seiner Fertigstellung umgebaut wurde. „Diese Änderungen könnten von Olivier Levasseur nach der Kaperung vorgenommen worden sein“, stellten die Forscher fest. GEO France berichtete, „die Geschichte der Victorieux sei eine seltene Schnittmenge aus Piraterie, Handel, Kolonialismus und kulturellem Austausch.“

Schicksal der Ladung bleibt ein Rätsel

Das Schicksal des Schatzes ist bis heute ungeklärt. Zahlreiche Forscher rätseln seit Jahren darüber, was mit Levasseurs Beute geschah. Unter anderem versuchen sie, ein Kryptogramm zu entschlüsseln, das der Pirat der Legende nach vor seinem Tod in eine Menschenmenge warf.

Meeresarchäologen untersuchen seit 1999 kontinuierlich die Tiefen vor der Insel Sainte-Marie an der Ostküste Madagaskars. Nach jeder Forschungsreise decken sie das gesamte Wrack mit schweren Steinen ab, um es vor Gezeiten und chemischer Erosion zu schützen. Andernorts fanden Taucher ein 175 Jahre altes Wrack mit Verbindungen nach Deutschland. (Redaktion)

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