Am Kochler Bahnhof gibt es eine neue Ausstellung über das Braunkehlchen. Sie soll über die Gefahren und konkrete Maßnahmen zum Artenschutz aufklären.
Kochel am See – Das Loisach-Kochelsee-Moor ist das wichtigste Brutgebiet des Braunkehlchens in Bayern. Doch seit Jahren geht die Population zurück. Zwischen 2008 und 2020 hat sich die Zahl der Brutpaare im Moos nahezu halbiert. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) will dem Vogel nun zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. In der Galerie am Kochler Bahnhof gibt es ab sofort eine Ausstellung zum Braunkelchen zu sehen. Sie informiert über die Herausforderungen und Möglichkeiten zum Schutz des heimischen Singvogels.
Zahl der Braunkehlchen nimmt stetig ab: „Kommen viele Sachen zusammen“
„Es kommen viele Sachen zusammen, weshalb die Population so einbricht“, erklärte Philipp Neumann, Gebietsbetreuer beim LBV. Der Klimawandel mit langen Trockenperioden und starken Regenfälle mache dem Braunkehlchen zu schaffen. Auch die Zahl der Insekten, die die Hauptnahrung des Singvogels sind, nahm ab. Der gewichtigste Grund sei allerdings, dass sich die Landschaft zunehmend verändere. Das Moos sei früher weitgehend baumfrei gewesen, und das Braunkehlchen meide Bäume. „All das wird für den kleinen Wiesenbrüter eine große Gefahr.“
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„Das Braunkehlchen steht auf der Roten Liste der bedrohten Vögel“, sagte Naturschutzwächterin Rosella Roth. Die Art sei durch die Entwicklung akut gefährdet. Eine Gefahr stellen laut Roth auch die Füchse dar. Auch die Mahd sei ein zunehmendes Problem. „Die Wiesen wurden früher nicht so intensiv bewirtschaftet“, sagte Roth. Hoffnung für den Erhalt der Art bestehe aber.
Ausstellung über Braunkehlchen am Bahnhof Kochel zeigt konkreten Maßnahmen zum Artenschutz
Die Ausstellung zeigt auch auf, welche konkreten Maßnahmen zum Schutz des Braunkehlchens beitragen. Dazu sei eine Zusammenarbeit mit den Landwirten wichtig, sagte Neumann. „Viele sind sehr offen für Schutzmaßnahmen.“ Insbesondere die Weidehaltung ziehe den Wiesenbrüter an. Das Braunkehlchen sei außerdem ein „Beweis für nachhaltiges Wirtschaften“. Mit manchen Betrieben gestalte sich die Zusammenarbeit jedoch schwieriger. Die Ausstellung soll auch dazu beitragen, Landwirte über den Nutzen der Maßnahmen aufzuklären. Über das Bayerische Vertragsnaturschutzprogramm gibt es dafür eine Entschädigung (wir berichteten). „Ich bin froh, dass es das Braunkehlchen hier noch gibt“, sagte Bürgermeister Jens Müller. „Es ist auch ein Indikator, ob es dem Moos gut geht.“ Umso wichtiger sei es, sich für den Erhalt der Wiesenbrüter einzusetzen. „Die Landwirte machen hier viel“, erklärte der studierte Forstwirt.
Öffnungszeiten
Die Ausstellung zum Braunkehlchen ist in der Galerie im Kochler Bahnhof zu sehen. Sie bleibt bis Freitag, 4. April, zu folgenden Zeiten geöffnet: montags bis donnerstags von 9 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr sowie freitags von 9 bis 12 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Von der Ausstellung erhofft man sich mehr Interesse und Verständnis dafür, wie wichtig der Erhalt des Braunkehlchens ist. Die Zusammenarbeit mit einer Schulklasse ist ebenfalls angedacht. „Wir wollen die jungen Leute frühzeitig sensibilisieren“, sagte Roth. „Man schützt nur das, was man schätzt.“ (vfi)