Vereiste Rekorde, arktische Luftströme und eine Wetterlage, die Europa unter Druck setzt. Der Winter ist noch lange nicht vorbei. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
München - Europa erlebt derzeit eine außergewöhnliche Kältephase, die gleich von zwei Seiten gespeist wird. Aus dem hohen Norden strömt arktische Luft nach Skandinavien, während gleichzeitig aus Nordosteuropa und Sibirien extrem kalte Kontinentalluft nach Westen drängt. Diese Zangenbewegung sorgt dafür, dass weite Teile Europas deutlich unter den klimatologischen Mittelwerten liegen.
Besonders betroffen ist Nordeuropa: In Lappland wurden Temperaturen nahe minus 40 Grad gemessen. Solche Werte sind selbst dort selten. Zwar sind strenge Winter in Finnland oder Nordschweden nichts Ungewöhnliches, doch diese Intensität tritt normalerweise nur in kurzen Episoden auf. Mehrtägige Phasen mit derart tiefen Temperaturen gelten auch dort als außergewöhnlich. Die aktuelle Lage erinnert Meteorologen an historische Kältewinter, die es so seit vielen Jahren nicht mehr gegeben hat.
Eisiges Winter-Wetter hält Europa und Deutschland in Atem: Ist das noch normal – oder schon extrem?
Minus 40 Grad in Nordeuropa liegen am unteren Rand dessen, was klimatologisch überhaupt möglich ist. Für die Region sind minus 25 bis minus 30 Grad im Hochwinter normal, alles darunter zählt bereits zu den Extremereignissen. Entscheidend ist, dass diese Kälte nicht isoliert bleibt. Die großräumige Zirkulation zeigt, dass der Polarwirbel geschwächt ist und Kaltluft leichter nach Süden ausbrechen kann.
Gleichzeitig fehlen milde atlantische Westwinde, die normalerweise für Ausgleich sorgen würden. Das Resultat ist eine ungewöhnlich stabile Kälteverteilung über weiten Teilen Europas. Genau diese Konstellation macht Wetter-Experten nervös, denn sie eröffnet Spielraum für weitere Kaltluftvorstöße im Verlauf des Januars.
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Wie kalt kann es in Deutschland wirklich werden?
Deutschland liegt klimatisch deutlich günstiger als Nordeuropa, doch auch hier sind extreme Temperaturen möglich. Unter optimalen Bedingungen – klare Nächte, geschlossene Schneedecke, ruhige Hochdrucklage und direkte Zufuhr kontinentaler Kaltluft – sind lokal minus 20 bis minus 25 Grad realistisch, in Mittelgebirgstälern sogar etwas darunter.
Werte wie in Lappland sind jedoch praktisch ausgeschlossen. Minus 40 Grad würden eine völlig andere geografische und klimatologische Ausgangslage erfordern. Dennoch könnte Deutschland zeitweise in eine echte Eiswelt verwandelt werden, mit Dauerfrost, gefrierendem Nebel und hoher Belastung für Infrastruktur und Energieversorgung. Der Januar ist noch nicht entschieden – und die Tür für einen markanten Kälteeinbruch steht weiterhin offen.