Nach dem überteuerten Ankauf eines Biotops muss die Stadt Regensburg umplanen. Im November soll der neue Plan stehen.
Regensburg - „Wohnraum schaffen jetzt! “ Unter diesem Motto fragten die Fraktionen von Brücke und CSU nach dem Stand des Bebauungsplans Hollerweg am Keilberg. Sie schlugen vor, das Vorhaben eines privaten Investors abzukoppeln, um die Wohnbebauung zu beschleunigen. So lautete ihr gemeinsamer Antrag im Planungsausschuss des Stadtrats von Regensburg.
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Biotop als Bauland gekauft: Keine Prüfung im Vorfeld
Doch der Bebauungsplan von 2023 steckt in Schwierigkeiten. Wie Recherchen von regensburg-digital im Juli enthüllten, sind etwa zwei Hektar des geplanten Baugebiets wertvolle Biotopflächen.
Die Stadt hatte diese Flächen erst 2022 als Bauerwartungsland gekauft – für angeblich rund sechs Millionen Euro. Später räumten die Verantwortlichen ein, dass sie die Grundstücke ohne gründliche Prüfung erworben hatten. Das Umweltamt blieb außen vor, obwohl die Stadt wusste, dass die zugrunde liegenden Biotopkartierungen veraltet waren.
Stadt Regensburg muss umplanen
Nun muss die Stadt umplanen – nicht zum ersten Mal. Schon 2021 scheiterte ein erster Bebauungsplan. Brücke und CSU fordern deshalb, die Flächen des privaten Investors (Ehrenreich Projektentwicklung), der dort seit 2021 bauen will, aus dem Plan herauszulösen. Sie hoffen, so das Verfahren zu beschleunigen.
Doch diese Hoffnung dürfte trügen, wie Planungsamtschefin Tanja Flemmig in der Sitzung erklärte. Sie sprach sich klar gegen eine Trennung aus. Für das Projekt der Ehrenreich Projektentwicklung – elf Reihenhäuser, zwei Einfamilienhäuser, zwölf Doppelhaushälften und rund 30 Wohnungen – hätte man allein keinen Bebauungsplan aufgestellt, so Flemmig. Eine solche Lösung würde eine Splittersiedlung zementieren und Probleme bei der Erschließung über den Hollerweg schaffen, da auch Flächen des Landkreises betroffen wären.
Genauer Plan für November versprochen
Ein einheitlicher Bebauungsplan sei effizienter, betonte Flemmig. So ließen sich die Privatflächen besser anbinden. Eine Trennung würde das Verfahren eher verzögern: separate Gutachten, separate Ausgleichsflächen, separate Erschließung – ein enormer Aufwand.
Flemmig kündigte an, im November einen neuen Bebauungsplan samt Zeitplan vorzulegen. Michael Lehner (CSU) und Thomas Thurow (Brücke) erklärten sich bereit, ihren Antrag bis dahin zurückzustellen.
Wie hoch der Schaden durch den überteuerten Kauf der Biotopflächen ist, hat die Stadt bisher nicht beziffert. Zuletzt hieß es, man werde dichter und höher bauen, wodurch „nur“ 40 bis 80 Bewohner weniger Platz finden könnten. Insgesamt sollen dort etwa 400 Menschen leben.