Ein mutmaßlicher Serienmörder wollte eine Frau mit allerlei Tricks in den Selbstmord treiben. Zur unglaublichen Masche des Science-Fiction-Betrügers gehörten verrückte Lügen und gefährliche Substanzen.
Stuttgart – Er soll 1996 in Baden-Württemberg gestorben und anonym beigesetzt worden sein. Ein stilles Ende für Fred Gaster, der als vermeintlicher Außerirdischer wahrscheinlich mehrere Verbrechen begangen hatte. Sein bekanntester Fall: 1980 brachte er die Sekretärin Heidrun T. dazu, sich das Leben nehmen zu wollen. Das gelang dem Betrüger, indem er seinem Opfer einredete, sie könne nach dem Tod ihres irdischen Körpers ein erfolgreicheres Leben auf Sirius weiterführen – Fred Gasters angeblichem Heimatplaneten. Er, das Alien, sei von dem 8,6 Lichtjahre entfernten Stern auf die Erde gesandt worden, um ausgewählte Menschen vor dem Weltuntergang zu retten.
Galaktische Lügen, gemeine Methoden
Fred Gaster hatte Heidrun T. 1973 in einer Disco bei Aalen in Baden-Württemberg kennengelernt. Der Hochstapler gab sich als Doktor der Psychologie aus – in Wahrheit war er Techniker mit Hauptschulabschluss – und fesselte Heidrun mit Erzählungen über die außerirdischen Sirianer. Die auf dem hellsten Stern am Nachthimmel lebenden Wesen stünden angeblich weit über den Menschen.
Das 28-jährige Opfer war vielleicht jung und unfassbar naiv, aber auch manipulativen Psychotricks aufgesessen. Zudem besaß Gaster Scopolamin. Der geschmacksneutrale Giftstoff kann verwirrt bis willenlos machen.
Ergebnis: Heidrun T. zahlte einem angeblichen Mönch namens Uliko 30.000 DM. Er sollte ihre Seele per Fernbehandlung auf deren Trip zu den Sternen vorbereiten. Doch der Mönch existierte natürlich nicht, das Geld wanderte direkt in Gasters Tasche.
Föhn-Plan scheitert glücklicherweise
Alsdann begann Gaster, zur notwendigen „Körpervernichtung“ zu drängen. Er gaukelte Heidrun vor, in einem roten Raum am Genfer See stehe für sie ein neuer Körper bereit. Darin würde sie nach ihrem Suizid wiedererwachen und gen Sirius reisen. Der Preis für die versprochene zweite, bessere Existenz: eine Lebensversicherung über eine halbe Million Mark, deren Begünstigter Fred Gaster sein sollte. Heidrun schloss sie im Dezember 1979 ab.
Am Neujahrstag 1980 schließlich sollte die „große Transformation“ beginnen: Abends ließ Heidrun in ihrer Wohnung in Wildbad im Schwarzwald heißes Wasser in die Badewanne und legte sich hinein. Gasters Anruf kam um 20 Uhr. Auf sein Geheiß schaltete sie ihren Föhn ein und ließ ihn ins Badewasser gleiten. Doch statt zu sterben, spürte Heidrun nur ein Kribbeln; ein Zufall hatte ihr das Leben gerettet: Die Badewanne war nicht geerdet, obwohl das Vorschrift war. Heidrun T. überlebte. Acht Monate später ging sie endlich zur Polizei.
Mysteriöse Todesfälle werfen Fragen auf
Der Angeklagte wurde wegen versuchten Mordes zu sieben Jahren Haft verurteilt. Der so abgeschlossene Fall Fred Gaster führte allerdings zu neuen Fragen: Vier Wochen vor dem Badewannen-Drama hatte sich seine wohlhabende Ehefrau in ihrer Baden-Badener Wohnung erschossen. Fred war anwesend – und auch schuldig? Wie SWR-Mitarbeiter in den Jahren 2022 bis 2023 herausfanden, ereigneten sich mindestens fünf weitere rätselhafte Todesfälle in Gasters Heidenheimer Bekanntenkreis. War er also ein regionaler Serienmörder? Das ließ sich nie beweisen.
So oder so, der bizarre Fall ging in die Rechtsgeschichte ein: Jeder Jura-Student lernt anhand von Gasters Methoden, wo die Grenzen zwischen Mord, straffreier Teilnahme am Suizid und Nötigung verlaufen. (Quellen: Rolf Schlenker – Historische Kriminalfälle im Schwarzwald, Sutton Verlag 2026; eigene Recherche.)
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