IOC-Präsidentin nach Helm-Skandal in Tränen aufgelöst

  1. Startseite
  2. Sport
  3. Wintersport

Kommentare

Die Präsidentin des IOC zeigte sich nach dem Ausschluss von Skeleton-Pilot Wladyslaw Heraskewytsch in Tränen aufgelöst. Der Helm-Skandal geht in die nächste Runde.

Cortina – Es sind unverständliche Bilder: Die Präsidentin des Internationalen Olympischen Komitees steht vor den Kameras, sichtlich bewegt, die Stimme brüchig. Kirsty Coventry ringt um Worte – und um Fassung. Der ukrainische Skeleton-Pilot Wladyslaw Heraskewytsch wurde bei den Olympischen Winterspielen in Cortina d‘Ampezzo zuvor von jener Präsidentin ausgeschlossen, weil er auf seinem Helm Bilder von über 20 im russischen Angriffskrieg getöteten ukrainischen Sportlern und Trainern trug.

Das IOC sorgte mit Führung von Kirsty Coventry für den ersten Skandal bei Olympia 2026.
Das IOC sorgte mit Führung von Kirsty Coventry für den ersten Skandal bei Olympia 2026. © IMAGO / ZUMA Press und IMAGO / Kyodo News

Das IOC berief sich auf Regel 50 der Olympischen Charta, die politische Demonstrationen an olympischen Stätten verbietet. Coventry machte keinen Hehl daraus, wie sehr sie die Situation persönlich trifft, die Entscheidungsgewalt aber wohl nicht bei ihr lag: „Ich wollte ihn heute unbedingt fahren sehen“, sagte sie. „Es war ein sehr emotionaler Morgen.“

IOC-Präsidentin Coventry bat um Kompromiss vor Auschluss von Skeleton-Pilot

Sie habe das Gespräch mit dem Athleten bewusst nicht als Funktionärin geführt: „Für mich war es wichtig, ihn nicht als Präsidentin zu sehen, sondern mit ihm und seinem Vater als Athletin zu sprechen.“ Die siebenmalige olympische Schwimm-Medaillengewinnerin aus Simbabwe schilderte detailliert, wie sie nach einem Kompromiss gesucht hatte: „Ich wollte unbedingt mit ihm und seinem Vater zusammen einen Weg finden, damit er an den Start gehen kann.“

Die Vorschläge lagen auf dem Tisch: „Sie haben beide die ganze Zeit gesagt, dass man die Bilder auf dem Helm sowieso nicht gut erkennen kann, wir hätten sie abkleben können. Oder er hätte den Helm im Ziel aufsetzen können, aber er wollte ihn auf der Strecke tragen.“ Dann der Satz, der die ganze Hilflosigkeit des IOC zusammenfasst: „Leider haben wir keine Lösung gefunden, dass er heute starten kann.“

Coventry verteidigte die Regeln, auch wenn ihr das sichtlich schwerfiel: „Wir haben diese Regeln, um fair zu sein. Und auch um den Athleten beides zu ermöglichen – ihre Meinung zu sagen und außerdem auch sicher zu sein.“ Heraskewytsch und sein Vater hätten die Position des IOC nachvollziehen können: „Das haben die beiden auch verstanden. Ich glaube, es ist eine sehr schwierige Situation für uns beide.“

ZDF-Sportpolitikexperte Markus Harm ordnete die Aussagen ein und verwies auf einen Widerspruch: Coventry selbst hatte als Mitglied der Athletenkommission an der Überarbeitung von Regel 50 mitgewirkt, die 2021 leicht aufgeweicht wurde. „Möglicherweise hadert sie mit dieser Regel“, so Harm. Er machte zudem auf die praktischen Konsequenzen der vorgeschlagenen Kompromisse aufmerksam.

„Im Skeleton geht es um Hundertstelsekunden. Der Athlet hatte nur diesen einen Helm.“ Ein fremder Helm oder abgeklebte Bilder hätten die Aerodynamik und damit die Leistung beeinflusst. Was bleibt, ist das Bild einer IOC-Präsidentin, die zwischen ihrer Rolle als oberste Regelwächterin des olympischen Sports und ihrem Empfinden als ehemalige Athletin zerrissen wirkt. (tb)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/sport/wintersport/ioc-praesidentin-nach-helm-skandal-in-traenen-aufgeloest-94166552.html