Podiumsdiskussion in Petersberg: Sechs Landratskandidaten liefern sich einen hitzigen Schlagabtausch

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Die sechs Kandidaten stellten sich den Fragen der Moderatoren und Zuhörer: Michail Alexiou, Alexander Heisler, Reinhard Schmutz, Hubert Böck, Moderatoren Nikola Obermeier und Sascha Rotschiller, Stefan Löwl und Sebastian Leiß (von links). © hab

Die Bewerber um das Amt des Landrats diskutierten am Mittwochabend bei der Podiumsdiskussion der Dachauer Nachrichten über Finanzen, Verkehr und das Krankenhaus. Besonders die 18-jährige Kandidatin bewies, dass sie vor ihren älteren Mitbewerbern keinerlei Angst hat.

Landkreis Dachau – Zweieinhalb Stunden lang hatte das Publikum Zeit, sich ein Urteil darüber zu bilden, wer der Richtige für den Job des obersten Kommunalbeamten im Landkreis Dachau ist. Für einige der rund 160 Besucher stand das wohl bereits vor dem großen Schlagabtausch fest, da sie Parteifreunde eines der Kandidaten waren. Andere wiederum wollten erfahren, wie eine Podiumsdiskussion der Dachauer Nachrichten abläuft; schließlich folgen in den kommenden Wochen weitere in verschiedenen Landkreisgemeinden. Daher hatte sich so mancher Kandidat für einen der insgesamt 17 Rathaussessel zumindest schon mal im Saal der KLVHS einen Stuhl gesichert.

Eingangs wollten die Moderatoren, DN-Redaktionsleiterin Nikola Obermeier und der politische Leiter der KLVHS Sascha Rotschiller, von den Bewerbern Stefan Löwl (CSU), Sebastian Leiß (FW Dachau), Alexander Heisler (Grüne), Hubert Böck (SPD), Reinhard Schmutz (FW Landkreis) und Michail Alexiou (Die Linke) wissen, was sie antreibt.

Daumen hoch oder runter? In einer schnellen Ja-Nein-Fragerunde mussten die Kandidaten Farbe bekennen.
Daumen hoch oder runter? In einer schnellen Ja-Nein-Fragerunde mussten die Kandidaten Farbe bekennen. © hab

Amtsinhaber Löwl (52) meinte, es gebe tolle Herausforderungen in einem dynamischen, nicht mehr ganz so starken, aber immer weiter wachsenden Landkreis. „Und gestalten macht mir Spaß – Leute zu motivieren und mitzunehmen.“ Die Leute stehen bei Alexiou ebenfalls im Fokus, in erster Linie die jungen. „Jugendpolitik ist Zukunftspolitik, unser Landkreis muss sich endlich für seine Zukunft engagieren und Jugendlichen richtig zuhören“, so die 18-Jährige, die das Gymnasium abgebrochen hat und sich in „Eignungsprüfungen für eine Kunstschule“ befindet.

Bei der anschließenden Fragerunde kamen verschiedene Themenblöcke auf den Tisch: Finanzen und Haushaltslage, Verkehr und Mobilität sowie Asyl. In Sachen Finanzen stand der geplante Neubau des Landratsamts im Fokus. Während bei Bussen oder Sozialem gespart werde, seien 6 Millionen Euro „in ein Amt geflossen, das wahrscheinlich nie gebaut wird“, meinte Leiß hierzu. Zur Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs etwa meinte Heisler, dass es in einem reichen Land wie Bayern doch möglich sein müsse, dass Ruftaxis verkehren. Zur Erinnerung: Der Kreistag hatte beschlossen, die Taxis aus Kostengründen einzustellen. Der Petershauser wies zudem auf das in seiner Gemeinde gut funktionierende Carsharing-Modell hin, das jedoch ebenso zu teuer gewesen war und deshalb auslief.

Einer darf nicht mitspielen

Dann hieß es für die Kandidaten, Farbe zu bekennen, im wahrsten Sinne des Wortes: Bei der schnellen Ja-Nein-Runde mit grünen Schildern für „ja“ und roten für „nein“. Gefragt wurde beispielsweise, ob Dachau familienfreundlich ist oder ein gutes Krankenhaus hat. Schmutz, Heisler und Alexiou hielten da das rote Schild in die Höhe. Böck, Leiß und Löwl waren da anderer Meinung. Schmutz begründete seine Ablehnung mit einer persönlichen Erfahrung: Er erzählte, dass er vor einiger Zeit in der Klinik behandelt worden sei. Als er große Schmerzen gehabt habe, sagte er, habe er mehrfach geklingelt, doch niemand sei gekommen. „Ich war schon versucht, die 112 anzurufen, damit mir einer hilft“, so der Freie Wähler.

1, 2 oder 3 war das Motto beim Fakten-Quiz. Auf knackige Fragen wie: Wie viel Geld gibt der Landkreis laut Haushaltsentwurf 2026 fürs Personal aus? Dazu hatten die Amtsanwärter drei Antwortmöglichkeiten. „Weil er täglich mit den ganzen Fakten konfrontiert ist, darf er erstmal nicht mitspielen“, sagten die Moderatoren und deuteten auf den Landrat. Das sorgte für Heiterkeit im Publikum und Gelassenheit bei Löwl. Immerhin: Hinterher durfte der Ausgeschlossene wenigstens die richtigen Antworten preisgeben; im Falle der Personalkosten etwa sind das 40,58 Millionen Euro.

Faktensicherheit ist das eine, Schlagfertigkeit ist etwas ganz anderes. Wie es diesbezüglich aussieht, wollten die Moderatoren ebenfalls wissen. Also stellten sie jedem eine Frage, die „Ihnen nicht gefallen wird“, so DN-Chefin Obermeier. Die Antworten waren durchaus bemerkenswert.

Unangenehme Fragen

Etwa die der Jüngsten in der Runde. Süße 18 Jahre und in der Findungsphase, wäre es da nicht besser, erst einmal ein Praktikum zu absolvieren, statt sofort Landrat zu werden? Die Antwort von Alexiou kam prompt: Die Arbeit, die sie beispielsweise als jugendpolitische Sprecherin im Landesvorstand der Linken gemacht habe, „übersteigt meistens die Arbeit, die viele Kreisräte im Kreistag machen“!

Zum Abschluss des Abends hatten die Bürger das Wort. Ministerpräsident Markus Söder möchte die Zahl derBundesländer reduzieren. Wäre so etwa auch auf gemeindlicher Ebene sinnvoll, schließlich erhalten von 17 Kommunen im Landkreis elf Schlüsselzuweisungen, wollte ein Zuhörer etwa wissen. „Man muss ganz klar sagen: Die Gemeindestruktur ist Teil unserer Identität“, erwiderte Schmutz. Seine Konkurrenten sahen das ähnlich.

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