Abschießen oder schützen? Erbitterte Debatte um Krähenplage in Unterhaching

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. München Landkreis
  4. Unterhaching

Kommentare

Auf dem Friedhof in Unterhaching müssen Gräber mittlerweile mit Plastikfolie vor dem Kot der Saatkrähen geschützt werden. © Martin Becker

Im Gemeinderat Unterhaching ist eine Debatte erbitterte Debatte über Vergrämung und Schutzstatus der Saatkrähe entbrannt. Schon länger gibt es in der Gemeinde eine Krähenplage.

Ob es ein Zufall ist? Im Zeitraum zwischen Ende Februar und Anfang März beginnt die Brutzeit der Krähen – just dann steht auch die Kommunalwahl an. Da gilt es, bewegende Themen zu positionieren. Eins, das in Unterhaching seit Jahren als Aufreger taugt: die Krähenproblematik. Auf diese wiesen jetzt im Gemeinderat, zufälligerweise parallel, der CSU-Bürgermeisterkandidat Korbinian Rausch und Peter Hupfauer (FDP) hin. Verbal scharfen Gegenwind bekamen die beiden von Claudia Köhler (Grüne), Landtagsabgeordnete und ebenfalls Gemeinderatsmitglied.

Krähennester auf den Friedshofsbäumen in Unterhaching.
Krähennester auf den Friedshofsbäumen in Unterhaching. © Martin Becker

Dass die Saatkrähen sich in hoher Anzahl auf dem Unterhachinger Friedhof eingenistet haben und dort nicht nur Gräber verschmutzen, sondern auch Besucher attackieren, ist seit vielen Jahren ein Dauerthema. Bei diesem „müssten wir endlich vorankommen“, forderte Rausch, und Hupfauer berichtete: „Uns haben sie schon die Semmeln von der Haustür weggeklaut.“

Ein vollgeschissener Friedhof ist mir lieber als ein vollgeschissener Schulhof.

Und nun? Spätestens in der heißen Kommunalwahlkampfphase laufen auch die Krähen zu Höchstform auf, indem sie sich munter vermehren, ihre Nester verteidigen und damit Friedhofsbesucher in einen Mix aus Furcht und Wut versetzen. „Es ist nicht so, dass ich nichts dagegen tun will“, sagte der scheidende Bürgermeister und Landratskandidat Wolfgang Panzer (SPD) mit entschuldigendem Schulterzucken. „Aber was nicht erlaubt ist, dürfen wir nicht machen.“

Eine Anspielung darauf, mit unterschiedlichsten Mitteln (Falkner, Beschallung, Abschuss) Vergrämungsmaßnahmen durchzuführen. „Vergrämung ist das Dümmste, was man tun kann“, stimmte Hupfauer dem Noch-Rathauschef zu – das führe dazu, Krähen vom Friedhof in Wohngebiete wie die Grünau zu vertreiben. Der FDP-Mann verwies auf den Landtag, „dort muss man das Thema platzieren und etwas tun“. Hupfauer betonte, dass schon im Oktober 2022 im Landtag Freie Wähler und CSU einen Antrag gestellt hatten unter dem Titel „Herabstufung des Schutzstatus der Saatkrähe“ mit dem Ziel der Bejagung.

Als Bürgermeister Panzer in Richtung der örtlichen Landtagsabgeordneten Claudia Köhler (Grüne) blickte, sagte diese nur lapidar: „Für die Jagd ist Herr Aiwanger (stellvertretender Ministerpräsident und Landwirtschaftsminister; d. Red.) zuständig.“ Nach einer kurzen Atempause allerdings brach aus Claudia Köhler die Empörung heraus: Es sei „populistisch und lächerlich, das Krähenproblem jetzt den Landtagsabgeordneten in die Schuhe zu schieben“. Ihre Meinung zur Situation in Unterhaching: „Ein vollgeschissener Friedhof ist mir lieber als ein vollgeschissener Schulhof.“ Nein also zu Vergrämung.

CSU-Gemeinderatskollege Korbinian Rausch versuchte, die Wogen ein bisschen zu glätten. Mittlerweile sei das Thema ja im Bundesrat angelangt, der Landtag somit gar nicht mehr zuständig. Wem auch immer, egal ob in Berlin oder München, Rausch skizzierte den Politik-Oberen seine Krähen-Meinung: „Die fressen anderen Vögeln die Eier weg, die machen Äcker kaputt. Da besteht ein Ungleichgewicht.“ Wer sich darum final kümmert? Noch offen.

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/muenchen-lk/unterhaching-ort29619/erbitterte-debatte-um-kraehenplage-in-unterhaching-94009901.html