Die Kulturszene in Dachau ist vielfältig. Doch die Zukunft vieler Vereine ist bedroht. Denn in der Stadt gibt es nicht genügend Räume für die Kultur. Die ehrenamtlichen Kulturschaffenden haben sich nun vernetzt, um gemeinsam Alarm zu schlagen.
Dachau – Die Kulturschaffenden, die am Dienstagabend im Alten Metzgerhof zusammengekommen sind, hätten unterschiedlicher nicht sein können. Die Vertreterinnen und Vertreter der insgesamt 17 anwesenden Vereine repräsentierten insgesamt mehrere hundert Mitglieder, die Dachaus Kulturlandschaft bunt und vielfältig machen. Mit großer Leidenschaft veranstalten die Ehrenamtlichen Kunstausstellungen, Konzerte oder Festivals. Nun trafen sie sich, um sich zu vernetzen. „Es sind alle hier, die von der kulturellen Misere in Dachau betroffen sind“, sagte Hugo Widmann vom Jazz e.V. Die Ehrenamtlichen eint der dringende Bedarf nach Veranstaltungsräumen und Lagerstätten. „Die Flächen fehlen, und die, die da sind, sind schwer nutzbar“, sagte Fabian Handfest, Vorsitzender des Freiraum Dachau.
Wie berichtet, musste das Café Gramsci, ein wichtiger Szene-Treff, 2023 schließen. Die kleine Altstadtgalerie kann zwar für die nächsten fünf bis zehn Jahre weiter geöffnet bleiben, allerdings nur unter bestimmten Auflagen. Dafür habe der Jetzt e.V. und der „Schere Stein Papier e.V.“ hart gekämpft, wie Vertreter der Vereine erzählten. Da sich im ersten Stock der kleinen Altstadtgalerie nur noch 25 Personen aufhalten dürfen, mussten sich die Veranstaltungen ändern. Durch die Einschränkungen brauche es mehr Ehrenamtliche, die helfen, neue Formate umzusetzen, sagte Michael Kottermeier. „Die Leichtigkeit geht verloren.“
Konkurrenz um Räume
Seit Kurzem ist auch die Kulturschranne, ein weiterer beliebter Veranstaltungsort vieler Vereine, wegen einer Brandschutzsanierung für die nächsten zwei Jahre geschlossen. Der Jazz e.V., der die Schranne bislang nutzte, veranstaltet seine Konzerte nun in einem Wohngebiet, in einem Atelier eines Künstlers. „Das Ambiente ist schön, aber das Niveau, das wir uns zum Ziel gesetzt haben, werden wir nur eingeschränkt dort halten können“, erklärt Hugo Widmann.
Auch die städtischen Veranstaltungsräume, wie das Adolf-Hölzl-Haus und das Thomahaus, seien oft keine Alternative. Wegen der Saal- beziehungsweise Bühnengröße seien diese Häuser zum Beispiel für die Organisatoren von „Plug & Play“-Konzerts oder den Sängern der „A Cappella Company“ nicht geeignet. Schwierig sei es auch, einen Termin dort zu buchen, da die verfügbaren Zeitfenster den Kulturschaffenden zufolge „sehr klein“ seien. „Das Problem ist, dass wir mit anderen Vereinen in eine Konkurrenz um Räume treten, die wir doch eigentlich alle miteinander teilen wollen“, stellte Theresa Wirthmüller von „Schere Stein Papier“ fest.
Stadtrat Kühnel rät zu Realismus
Ideen für Veranstaltungsmöglichkeiten gibt es bei den Kulturschaffenden viele. Der große Traum ist eine Art Kulturfabrik, in der die verschiedensten Vereine sich Räume teilen können, die vielfältig genutzt werden. Dass es sich dabei aber nur um ein Luftschloss handle, machte Bürgermeister und Stadtrat Kai Kühnel jedoch deutlich. „Ein großes Kulturzentrum wird nicht kommen“, sagte er resigniert. Denn solche Projekte bedeuten für Kommunen Defizitgeschäfte, wie er mit Blick auf das Bürgerhaus in Karlsfeld erklärte. Andere Kulturschaffende hielten dagegen, sprachen von Crowdfunding-Konzepten, und dass man sich nicht entmutigen lassen solle.
Alle waren sich jedoch einig, dass es nun auf die Politik ankomme. Konkret solle die Stadt die Möglichkeit einer vorübergehenden Nutzung des Nachbargebäudes in der Burgfriedenstraße 1 als trockene Lagerstätte für Kulturvereine prüfen. Weiter fordern sie die Stadt auf, leerstehende städtische Gebäude als Lagerstätten zur Verfügung zu stellen. Auch wünschen sich die Dachauer Kulturvereine, bei den Planungen für eine Umgestaltung der Kulturschranne miteinbezogen zu werden, denn dort bräuchte es ihnen zufolge dringend einen Backstage- und Lagerraum.
In der Zukunft sollen weitere Vernetzungstreffen zwischen den Vereinen stattfinden. Denn, wie Sabine Seeholzer vom Jetzt e.V. betonte: „Es gibt genügend Ehrenamtliche, die sich engagieren und Kultur für den kleinen Geldbeutel in Dachau anbieten wollen!“