Die Mitglieder des Weilheimer Bauausschusses sind verärgert: Ein Mehrfamilienhaus, das von der Stadt bereits abgelehnt wurde, soll laut Landratsamt Weilheim-Schongau nun trotzdem gebaut werden.
Weilheim - Die Behörde verweist dabei auf den neuen Paragrafen 246e BauGB, auch „Bauturbo“ genannt. Prompt landete das Bauvorhaben zusammen mit einer schriftlichen Begründung des Landratsamts wieder vor dem Bauausschuss.
Bei dem Grundstück handelt es sich um 984 Quadratmeter im Franziskusweg. Darauf dürfen bereits zwei Doppelhaushälften entstehen. Als der Bauträger erneut mit Plänen für ein Wohngebäude mit acht Wohneinheiten und einer Tiefgarage vorstellig wurde, lehnte der Bauausschuss dies bereits Ende September ab. Zu kleinteilig sei die Bebauung im restlichen Franziskusweg mit nur Ein-, Doppel- und Kleinhäusern.
Doch die Unterlagen gingen inzwischen auch an das Landratsamt, das völlig anderer Meinung ist. „Das Landratsamt hat uns die Unterlagen zurückgegeben mit dem Hinweis, dass sie sehr wohl eine Einfügung sehen“, so Sachbearbeiter Manfred Stork. „Sie würden unser Einvernehmen ersetzen, und wir sollten uns noch einmal dazu äußern.“
Die Meinungen ließen nicht lange auf sich warten. „Ich kann die Sicht der Bauverwaltung des Landratsamts überhaupt nicht nachvollziehen“, empörte sich Rupert Pentenrieder (BfW). „Wir müssen einmal Härte zeigen, dass das so nicht geht.“ Die Bauverwaltung schlug vor, einen Bebauungsplan für das Gebiet zu erstellen – was zwar viel Arbeit bereite, jedoch die einzige Möglichkeit einer Gegenposition sei. „Wir als Kommune wissen besser, was in dieser Gegend passt, und einen Bebauungsplan kann das Landratsamt nicht einfach sabotieren“, so Pentenrieder.
Denn wenn das so wäre, könne sich der Ausschuss ein Zusammenkommen sparen, was nicht im Sinne der Bürgerschaft sei. Mit seiner Meinung war Pentenrieder nicht alleine. Auch andere Mitglieder witterten eine Gefahr.
Grünfächen bewahren
„Wenn wir das baulich zulassen, wird es sozial das gesamte Gebiet verändern. Das wollen wir nicht“, sagte Bauausschussmitglied Marion Lunz-Schmieder (CSU). „Das ist so ein harmonisches und schönes Wohnviertel, dass wir dem Wunsch des Landratsamts nicht nachkommen sollten.“ Man sollte auch nicht jede einzelne Grünfläche zu betonieren. Einstimmig beschloss der Bauausschuss während der jüngsten Sitzung, den Plan für das Mehrfamilienhaus erneut abzulehnen und einen umfassenden Bebauungsplan zu erarbeiten.
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