Ein Buch des Feldafinger Hansanord-Verlags ist Grundlage für eine TV-Krimi-Serie geworden. Der Mehrteiler „Spuren“ basiert auf dem Sachbuch „Soko Erle“ von Walter Roth, einem „Spiegel“-Besteller. Die vier Folgen mit Nina Kunzendorf in der Hauptrolle sind am Samstag, 15. Februar, ab 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.
Feldafing - Sein Gefühl hat Thomas Stolze nicht getrogen. Die Schilderung der Ermittlungen im Mordfall Carolin G. aus Sicht des Polizeisprechers Walter Roth, die Darstellung der akribischen Untersuchungen, die das Team leistete, faszinierte ihn – und brachte seinem kleinen Feldafinger Verlag Hansanord erstmals das Siegel „,Spiegel‘-Bestseller“ ein. Nun ist das Sachbuch Grundlage für einen Krimi-Vierteiler geworden, bei dem weniger die Täter, sondern mehr die Schwierigkeit der Ermittlungen im Vordergrund steht. „Spuren“ mit Nina Kunzendorf und Tilman Strauß ist am Samstag, 15. Februar, ab 20.15 Uhr in Gänze im Ersten zu sehen. Bereits ab diesen Freitag, 7. Februar, sind die vier Folgen in der ARD-Mediathek verfügbar. Es ist so etwas wie ein Ritterschlag für den Verlag.
Verleger Thomas Stolze ist in erster Linie stolz und erfreut, dass ein Buch aus seinem Ein-Mann-Unternehmen verfilmt wurde. „Das ist alles viel größer geworden als gedacht – meine kühnsten Erwartungen wurden übertroffen“, sagt er im Merkur-Gespräch. Dass die wahre Geschichte der Ermittlungen im Mordfall Carolin G. ein spannender Stoff für ein Buch ist, war ihm klar. Der Erfolg des Sachbuchs – inzwischen sind 13 000 Exemplare verkauft – bestätigten seine Einschätzung. Eine junge Frau aus dem Dorf Kaiserstuhl, 30 Kilometer von Freiburg entfernt, war 2016 beim Joggen ermordet worden. Drei Wochen zuvor war eine junge Frau in Freiburg getötet worden. Die Frage, ob ein Serienmörder am Werk ist, beschäftigt auch die Ermittler in der TV-Serie.
Der Freiburger Fall war ein Verbrechen, das ganz Deutschland bewegte: Ein junger Geflüchteter hatte nachts eine Medizinstudentin umgebracht, die er vergewaltigen wollte. Auch dieser Fall ist als sachliche Schilderung beim Hansanord-Verlag zu finden: „Soko Dreisam“, benannt nach dem Fluss in Freiburg, ist von Anne Griesser, die den Prozess gegen den Mörder der Studentin verfolgte. Auch von diesem Bericht war Verleger Stolze überzeugt, obwohl er dafür auch Kritik erntete. Lob kam hingegen vom Autor Christoph Hein, der der Autorin in einem Brief explizit seine Anerkennung aussprach.
Nun sind beide Berichte in das Drehbuch von Autor Robert Hummel eingeflossen. „Natürlich ist die Geschichte frei interpretiert, aber angelehnt an mein Buch“, sagt Stolze. Federführend bei der Produktion war der Südwestrundfunk (SWR), dem es wichtig gewesen sei, die Opferfamilien durch ausreichend Abstand zu schützen. „Deshalb wurden die Fälle nicht 100-prozentig nachgespielt“, erklärt Stolze. Aber sie werden doch so realistisch geschildert, dass „Soko Erle“-Autor Walter Roth begeistert ist, wie der SWR schreibt.
„Was ich herausragend finde, ist die Intention, die Ermittlungsarbeit in den Vordergrund zu stellen“, wird der frühere Kriminalhauptkommissar und Pressesprecher des Polizeipräsidiums Freiburg zitiert –„weg von Schockbildern und irgendwelchen Tathandlungen“. Auch die Länge der Ermittlungsarbeiten und die Akribie werde dargestellt. Lobenswert sei, „dass da bei der Soko wirklich mal dreißig oder vierzig Leute dargestellt werden und eben nicht nur zwei oder drei Experten innerhalb von kürzester Zeit den Fall klären“.
Das Realistische und der Verzicht auf Effekthascherei gefällt auch Thomas Stolze. Er hat inzwischen das vierte „Soko“-Buch herausgebracht. Nach „Soko Erle“ und „Soko Dreisam“ erschien „Soko Soien“ über zwei Mordfälle in Saulgrub im Landkreis Garmisch-Partenkirchen und Bari und zuletzt „Soko Brücke“ über einen Frauenmörder in Leipzig. Hat er seine Nische für seinen Verlag gefunden? „Ja, irgendwie schon“, sagt er. Auch, weil er durch die dezente Gestaltung der Buch-Cover eine andere Aufmerksamkeit erzeuge.
Zusätzliche Einnahmen hat der Verlag durch die Verfilmung nicht, aber die Ehre, dass der Buchtitel vor jeder Folge genannt wird. Und natürlich erhofft sich Thomas Stolze auch weitere Verkäufe. In der nächsten Auflage wird „Soko Erle“ auf dem Titel nicht nur mit dem orangefarbenen Vermerk „Spiegel-Bestseller“ erscheinen, sondern auch mit einem schwarzen Kreis, auf dem in roter Schrift steht: „Der wahre Fall hinter dem ARD-Mehrteiler ,Spuren‘“.