Was hier produziert wurde, kennt jeder: Jetzt gehen bei Unternehmen nach über 160 Jahren die Lichter aus

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Eine deutsche Großdruckerei, in der sehr bekannte Produkte hergestellt wurden, muss aufgeben. © IMAGO/Eibner/teutopress

Früher wurden in einer Großdruckerei Produkte hergestellt, die wohl jeder Zuhause hat. Nun muss nach über 160 Jahren der Betrieb eingestellt werden.

Stuttgart – Das Jahr 2025 war wirtschaftlich von multiplen Krisen geprägt und erforderte kurz vor dem inzwischen hinter uns liegenden Jahreswechsel ein weiteres Opfer. Nachdem im Sommer bereits Buchdruckereien Insolvenz anmelden und anschließend den Betrieb einstellen mussten, in denen unter anderem die Harry Potter-Bücher gedruckt wurden, ereilt die Krise der Branche jetzt ein weiteres Traditionsunternehmen. Die Großdruckerei Wennberg mit Sitz in Vaihingen an der Enz (Kreis Ludwigsburg, Baden-Württemberg) hatte Ende Oktober am Amtsgericht Heilbronn Insolvenz angemeldet.

Aus einer Handelsregister-Bekanntmachung des Gerichtsbezirks Ludwigsburg vom 7. November 2025 geht hervor, dass das Amtsgericht dem Antrag auf ein vorläufiges Insolvenzverfahren stattgegeben hat. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter für die H. Wennberg Großbuchbinderei GmbH wurde Jochen Sedlitz von der bundesweit tätigen Anwaltskanzlei Grub Brugger berufen. Dieser hatte für die verbleibende Belegschaft Ende des Jahres schlechte Neuigkeiten. Anfang Dezember war auch bekannt geworden, dass ein insolventer Weltmarktführer den Betrieb einstellen muss.

Großdruckerei Wennberg: Wegbruch von Großauftrag allein wäre „nicht unternehmensgefährdend gewesen“

In der Großdruckerei Wennberg am nördlichen Ende der Stadt Vaihingen an der Enz wurde für lange Zeit ein Produkt hergestellt, das wohl die meisten Menschen zu Hause haben oder zumindest kennen: die Ikea-Kataloge. Der Möbelkonzern hatte allerdings im Jahr 2020 erklärt, nach 70 Jahren fortan keine neuen Kataloge mehr drucken zu wollen. Laut der Stuttgarter Zeitung war der Wegfall dieses Auftrags aber auch nicht ausschlaggebend für die Schieflage des Traditionsunternehmens. „Der Verlust von Ikea allein wäre jedoch nicht unternehmensgefährdend gewesen“, erklärte Gesellschafter Martin Wennberg.

Name H. Wennberg Großbuchbinderei GmbH
Gründung 1861 in Stuttgart, Baden-Württemberg
Sitz Vaihingen an der Enz, Baden-Württemberg
Branche Großdruckerei
Mitarbeiter rund 70 (Ende 2025)
Bekannte Produkte (ehemals) Ikea-Katalog, Shell-Atlas, Elle, Computer-Bild

Obwohl Ikea für Jahrzehnte der größte Einzelkunde von Wennberg war, führte offenbar eine Mischung aus Krisen in der Papierindustrie zur Insolvenz. Als klassische Druckerei werde man zunehmend von digitalen Angeboten ausgestochen, so der Firmenchef. „Wenn Druckerzeugnisse durch digitale Produkte ersetzt werden, geht das zwangsläufig auch zu Lasten der Druckverarbeiter.“ Zudem werde immer mehr Produktion aus Deutschland ins Ausland verlagert. „Länder wie Polen oder Tschechien erhalten immer noch Förderungen zum Aufbau ihrer Wirtschaft – können aber mit deutlich niedrigeren Kosten für Energie und Lohn produzieren.“

Wennberg: Eingeschränkter Betrieb noch bis Ende Februar, Kündigungen kommen wohl früher

Diese Probleme führten letztendlich offenbar zum Antrag eines vorläufigen Insolvenzverfahrens und nun sogar zur Stilllegung des Betriebs nach mehr als 160 Jahren. Mitte Dezember wurde bereits der vollumfängliche Geschäftsbetrieb auf einen eingeschränkten Umfang reduziert, der noch bis Ende Februar 2026 fortgeführt werden soll. Von dem Ende des Betriebs sind in Vaihingen an der Enz noch rund 70 Mitarbeiter betroffen. „Ich höre mich derzeit bei anderen Firmen für sie um – es sieht dort aber auch nicht gut aus“, verriet Wennberg.

Der Unternehmer, der seit 30 Jahren in dem Betrieb tätig ist, führt die Belegschaft als einen der Hauptgründe dafür an, dass die Großdruckerei in einer sich schnell digitalisierenden Welt überhaupt so lange durchhalten konnte. „Unsere Mitarbeiter standen größtenteils loyal und mit großem Einsatz zum Unternehmen“, machte er deutlich. In einer Mitarbeiterversammlung erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter aber, die Arbeitsverhältnisse voraussichtlich bereits Ende Januar beenden zu müssen. Ein Traditionsunternehmen, das seine Historie bis ins Jahr 1550 zurückführt, konnte kurz vor Jahresende gerettet werden. (Verwendete Quellen: stuttgarter-zeitung.de, wennberg.de, Handelsregister-Bekanntmachung des Gerichtsbezirks Ludwigsburg)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/wirtschaft/bei-traditionsunternehmen-gehen-die-lichter-aus-ein-produkt-kennt-jeder-94105780.html