Die russische Rüstungsindustrie muss sich im Ukraine-Krieg wohl auf einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften und High-Tech-Fertigungskomponenten einstellen.
Moskau - Das Verteidigungsbündnis Nato rüstet die Ukraine weiter auf, damit diese sich gegen den völkerrechtswidrigen Angriff durch Russland wehren kann.
Für Wladimir Putins Ukraine-Krieg: Russische Rüstungsindustrie sucht Facharbeiter
Großbritannien hat zum Beispiel den Streitkräften Kiews 200 weitere Panzerabwehrlenkwaffen „Brimstone“ geschickt, während Schweden die Lieferung von zehn Kampfbooten Combat Boat 90 für die Dnipro-Front im Süden des geschundenen Landes vorbereitet – unter anderem. Derweil hat Moskau seit seinem Überfall auf den westlichen Nachbarn die Rüstungsindustrie angekurbelt.
Wie das Online-Portal Defense News in einer Analyse vom 22. Februar schreibt, müssen sich die russischen Waffenbauer jedoch angeblich auf einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften und High-Tech-Fertigungskomponenten einstellen.
Rüstungsindustrie in Russland: Angeblich fehlen bis zu 400.000 Arbeitskräfte
Konkret werden laut des ehemaligen stellvertretenden Chefs des Rüstungskonzerns Roskosmos, Juri Borissow, der gesamten russischen Verteidigungsindustrie in naher Zukunft bis zu 400.000 Arbeitskräfte fehlen. Und das mitten im Ukraine-Krieg. Das Online-Portal zitiert ferner eine Irina Sokolova, die demnach eine Spezialistin bei einer Moskauer Personalvermittlungsagentur ist.
„Im Zeitraum zwischen 2022 und 2023 hat die russische Verteidigungsindustrie durch Gehaltserhöhungen fast die gesamte mögliche Personalreserve angezogen“, erklärte sie laut Defense News: „Es wird immer schwieriger, Fachkräfte zu rekrutieren, die Arbeitslosigkeit in Russland liegt bei nur etwa drei Prozent. Verteidigungsunternehmen werben bereits gegenseitig Personal ab.“ Das Portal verweist ferner auf die demografisch alternde Bevölkerung in der Russischen Föderation.
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Wladimir Putins Rüstungsindustrie: Sanktionen machen Russland Probleme
Hinzukommen die Sanktionen durch den Westen in Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, den Kreml-Autokrat Wladimir Putin losgetreten hatte. Laut Pavel Luzin von der Denkfabrik Center for European Policy Analysis (CEPA) hat der Sanktionsdruck besonders diejenigen Branchen getroffen, in denen Russland lange auf ukrainische Produkte sowie Komponenten oder etablierte Kanäle zur Beschaffung westlicher Bauteile angewiesen war.
Dabei gehe es zum Beispiel um die Branchen Luftfahrt, Raumfahrt, den Schiffsbau sowie den Werkzeugmaschinenbau, die allesamt wiederum Berührungspunkte mit der Rüstungsindustrie haben. Erst am Freitag (23. Februar) hatte der amerikanische Präsident Joe Biden als Reaktion auf den mysteriösen Tod des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny 500 weitere Sanktionen der USA verkündet – unter anderem gegen die russische Rüstungsindustrie. Biden erklärte: „Wir verhängen neue Ausfuhrbeschränkungen für fast 100 Unternehmen, die Russlands Kriegsmaschinerie durch die Hintertür unterstützen.“
Russische Verluste in der Ukraine: Rüstungsindustrie muss für Nachschub sorgen
Nach Angaben aus Moskau läuft die Rüstungsindustrie aktuell dennoch auf Hochtouren. Nur ein Beispiel: „Wir haben die Produktion von Munition für Handfeuerwaffen und Mehrfachraketenwerfer um das 50-fache erhöht“, erklärte jüngst Sergej Tschemessow, der Geschäftsführer der staatlichen Rüstungsgesellschaft Rostec. Die Produktion gepanzerter Fahrzeuge sei um das 5,5-fache und die von Panzern sogar um das Siebenfache erhöht worden, teilte Tschemessow bei einem Besuch im Kreml mit. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Der Bedarf an schwerem Kriegsgerät ist wegen der immensen Verluste in der Ukraine zumindest enorm. Laut ukrainischem Generalstab aus Kiew (siehe obigen Tweet) sollen die Russen seit Februar 2022 einzig mehr als 6500 Kampfpanzer verloren haben (Stand 23. Februar). Laut Spiegel plant der Kreml für 2024 mit dem größten Militärbudget seit dem Zerfall der Sowjetunion 1991. So würde das russische Finanzministerium dafür statt bislang 3,9 nun sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts einplanen, heißt es in dem Bericht, umgerechnet geschätzt 140 Milliarden US-Dollar. (pm)