Windrad am Blomberg? „Windkraft ,Ja‘, aber bloß nicht bei uns, ist nicht richtig“

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Ob der nördliche Teil des Blombergs ein geeignetes Vorranggebiet für Windkraft ist, darüber diskutierten die Wackersberger Gemeinderäte. © Arndt Pröhl

Soll das nördliche Areal am Blomberg als Vorranggebiet für Windräder ausgewiesen werden? Der Wackersberger Gemeinderat sieht das mehrheitlich – aber nicht einstimmig – kritisch.

Viele Gemeinderäte, auch in Wackersberg, befassen sich derzeit mit dem Thema Windenergie. Hintergrund ist, dass der Planungsverband Oberland, zu dem die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau zählen, aktuell dabei ist, Flächen für Windkraft auszuweisen. Auf Wackersberger Flur wurde hier ein Gebiet am nördlichen Blomberg ins Visier genommen. „Und wir müssen nun dazu als Gemeinde eine Stellungnahme abgeben“, erklärte Jan Göhzold in der jüngsten Wackersberger Gemeinderatssitzung. Grundsätzlich, so der Bürgermeister, könne er sich „bessere Plätze für ein Windkraftwerk“ vorstellen. „Immerhin muss ein Puffer mit einem Radius von 525 Metern zu touristisch genutzten Hütten eingehalten werden“, argumentierte er. „Das wird an dieser Stelle wahrscheinlich nicht möglich sein.“

Windkraft Thema in vielen Gemeinden

„Ich finde jetzt grundsätzlich einen großen Solarpark auch nicht unbedingt schöner als ein Windrad“, merkte Gemeinderätin Barbara Camelly an. Daher habe sie mit Blick auf die Optik an der Stelle weniger Probleme. Sie fragte aber: „Ich gehe davon aus, dass das hier aber sowieso nicht realisiert werden wird, also macht es Sinn, darüber groß zu diskutieren?“ Denn: Wenn eine Fläche als „Vorranggebiet Wind“ ausgewiesen wird, heißt das noch lange nicht, dass dort automatisch Windräder entstehen werden. Es geht in dem aktuellen Vorhaben des Regionalplans Oberland lediglich darum, mögliche Investoren planungsrechtlich auf bestimmte Areale in den jeweiligen Kommunen zu beschränken. Ob die Grundstücksbesitzer dann auch mitspielen oder ob es an diesem Ort überhaupt möglich ist, ein Windrad zu errichten und zu betreiben, müsse dann freilich noch weiter geklärt werden.

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„Ich glaube sowieso nicht, dass die Geologie des Hangs am Blomberg für ein Windrad geeignet ist“, sagte Göhzold. In diesem Punkt pflichtete ihm Josef Waldherr bei. „Dass die Voraussetzungen an der Stelle nicht passen, das – denke ich – wird im weiteren Verfahren sowieso festgestellt werden“, sagte Zweiter Bürgermeister Martin Fischer. „Trotzdem finde ich es nicht ganz verkehrt, die Flächen auszuweisen. Denn immer zu sagen: ,Windkraft Ja, aber bloß nicht bei uns‘, das finde ich auch nicht richtig.“

Wenn es möglich ist, dann aber nicht gebaut wird oder die Räder stillstehen, läuft auch was schief.

Johannes Heiß berichtete von seinem Besuch bei einem Vortrag zu dem Thema in der Gemeinde Wildpoldsried. „Die haben dort zehn Windräder stehen und bekommen das ja scheinbar auch irgendwie hin“, meint er. „Ich bin absolut pro regenerative Ideen, aber finde es bei so einer Ausweisung schon auch wichtig, dass es Sinn macht. Wenn es möglich ist, dann aber nicht gebaut wird oder die Räder stillstehen, läuft auch was schief.“

Probleme: Hütten, Gleitschirmflieger und Geologie

Nach kurzer Diskussion einigten sich die Räte auf den Beschluss, dass der Gemeinderat der Ausweisung des Windkraftvorranggebiets an dieser Stelle kritisch gegenübersteht. Gründe hierfür sind die Unterschreitung des Mindestabstands zu touristischen Hütten und die geologische Bodenbeschaffenheit. Überdies sei zu bedenken, dass am Blomberg das Gleitschirmfliegen eine lange Tradition hat und ein wichtiger touristischer Anziehungspunkt ist. Für diese kritische Stellungnahme stimmten 13 der Gemeinderäte. Vier Gegenstimmen – also in dem Fall pro Ausweisung des Areals als Windkraftvorranggebiet – gab es von Martin Fischer, Maria Wolf, Barbara Camelly und Barbara Bauer.

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