Erdings Kreishandwerksmeister über Nachwuchssorgen im Kfz-Handwerk

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Großes Interesse: Mehr als 10000 Besucher informierten sich auf der Autoschau über die neuesten Trends. © Paul Ampletzer

„16 Jahre falsche Bildungspolitik“ – Rudi Waxenberger kritisiert Schulsystem.

Erding - Zwei Tage gute Laune, am Sonntag kam auch noch die Sonne raus – die 52. Automobilausstellung Erding (AAE) war mit weit mehr als 10 000 Besuchern allein schon zahlenmäßig ein großer Erfolg. Wer den Weg auf den Volksfestplatz gefunden hatte, machte gern von der Einladung „Anfassen und einsteigen ausdrücklich erlaubt!“ Gebrauch. „Alle Aussteller waren zufrieden und freuten sich über das große Interesse“, berichtete Paul Ampletzer vom Messeleitungsteam des Erdinger/Dorfener Anzeiger, das die AAE einmal mehr organisiert hatte.

Es herrscht aber nicht nur eitel Sonnenschein in der Branche. Das wollten die Aussteller auch nicht verhehlen. Manche Ersatzteile seien weiter nicht lieferbar, Aussagen aus Berlin zum Elektrogeschäft hätten einen Aufschwung sofort wieder abebben lassen, und da wären noch die Probleme bei BMW oder Mercedes – das sei das eine. Manfred Gramsamer drückt aber ein anderer Schuh: „Der Nachwuchs fehlt.“ 42 Ausbildungsverträge seien heuer im Landkreis Erding von der Kfz-Innung gemeldet worden, sagte er bei der Eröffnung der AAE am Samstag. „Eine gute Zahl, aber immer noch zu wenig. Was ist denn eigentlich bei uns in der Branche los?“

Doch was das Vorstandsmitglied der Kfz-Innung für seine Branche anspricht, betrifft das komplette Handwerk. Rudi Waxenberger hatte die entsprechende Statistik dabei: „Es sind etwa fünfmal so viele Leute, die sich in schulischer Ausbildung befinden, in einem Alter, wo man in einem Beruf einsteigen kann, als solche, die tatsächlich ein Handwerk lernen.“ Und nur jeder Vierte strebe letztlich überhaupt eine duale Ausbildung an. „Da stellt sich die Frage, wo sollen die Fachkräfte dann herkommen? Mit Migration werden wir das nicht lösen können.“

Kritische Worte fand Kreishandwerksmeister Rudi Waxenberger.
Kritische Worte fand Kreishandwerksmeister Rudi Waxenberger. © Dieter Priglmeir

Ohne Ausbildung gehe im Handwerk nichts, meinte der Kreishandwerksmeister, schon gar nicht im Kfz-Handwerk, wo die Lehre besonders umfangreich sei und dreieinhalb Jahre dauere. Waxenberger spricht von einer sehr besorgniserregenden Entwicklung in Erding. „Wir haben rund 100 Lehrlinge weniger als im Jahr zuvor.“ Dies möge der demografischen Entwicklung geschuldet sein, aber seiner Meinung nach auch an der Vielzahl von Schulwegen. „Da gibt es sogar noch Einführungsklassen, dass man, wenn man den Schnitt nicht hat, noch ein Jahr eine Ehrenrunde drehen kann, um es in die entsprechende Schule zu schaffen. Das ist eine Fehlentwicklung. Seitdem ich Handwerksmeister bin, das sind immerhin 16 Jahre, beklage ich eine falsch geleitete Bildungspolitik“, schimpfte Waxenberger.

Auch Erdings OB Max Gotz betonte: „Unser Land meint ja, dass man ohne akademischen Abschluss nur ein halber Mensch ist. Ich bin ein einfacher Handwerksmeister und fühle mich wohl und bin auch stolz darauf. Und es liegt an uns, die Schalter umzulegen, auch das Schöne eines Handwerks wieder zu betonen.“ Man müsse auch den Mehrwert und die vielen Facetten des Handwerks immer wieder herauszuheben und unterstreichen.

Den demografischen Wandel, so fügte er aber auch hinzu, müsse man aber schon auch berücksichtigen. „Wir hatten 1964 noch 1,4 Millionen Lebendgeburten. Im vergangenen Jahr 670 000. Da braucht man nicht lange zu rechnen, warum der Nachwuchs in vielen Bereichen fehlt“, so Gotz weiter.

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