Die Stadt und eine knappe Mehrheit der Stadträte im Umwelt- und Verkehrsausschuss sind der Meinung, dass die Ostenstraße im Bereich der Bahnunterführung gefährlich ist. Aus diesem Grund sollen nun zwei „Beruhigungsinseln“ aufgestellt werden, die die Autofahrer bremsen.
Stadtrat Robert Gasteiger (Bürger für Dachau) muss es wissen: Seit 55 Jahren, so erklärte er zuletzt dem Umwelt- und Verkehrsausschuss, wohne er jetzt schon an der Ostenstraße. Und seit 55 Jahren seien dort keine Fußgänger oder Radfahrer, die entlang der Bahn unterwegs waren und die Ostenstraße queren wollten, von Autofahrern umgefahren worden. Die einzigen Zwischenfälle, die es regelmäßig gebe, so Gasteiger, seien Lastwagen-Fahrer, die mit ihrem Brummi in der Unterführung steckenbleiben.
Die Dachauer Polizei beurteilt die Stelle rund um die Unterführung ähnlich. Die erhobenen Verkehrs- und Querungszahlen würden „keine Tendenz für einen Zebrastreifen oder bevorrechtigten Fuß-/Radweg erkennen lassen“. Auch die Unfallzahlen seien „unauffällig“. Und die zuständige Straßenverkehrsbehörde hält fest: Die aus der Unterführung resultierenden Helligkeitsunterschiede würden es für Autofahrer schwer machen, einen Zebrastreifen zu erkennen.
Zebrastreifen ist keine Lösung
Der Wunsch der Stadtverwaltung und zuletzt auch der Stadtratsfraktion des Bündnis für Dachau, die zugegeben unübersichtliche Stelle mittels eines eben solchen Zebrastreifens oder sonstigen gekennzeichneten Überwegs für Fußgänger und Radler zu entschärfen, kann beziehungsweise darf daher bis auf Weiteres nicht umgesetzt werden.
Doch die Stadt, dies betonte Oberbürgermeister Florian Hartmann im Ausschuss, halte die Stelle weiterhin für gefährlich. Denn nicht nur sehen Autofahrer, die aus der Unterführung kommen, die Radlfahrer schlecht. Auch die Radler, die Richtung Bahnhof fahren, haben aufgrund der vielen parkenden Autos, Hecken und Zäune nur einen schlechten Blick nach links in die Ostenstraße. Vor allem Schulkinder, die dort unterwegs seien, seien gefährdet.
„Wir haben uns daher Gedanken gemacht“, so Hartmann. Und das Ergebnis dieser Gedankenspiele sei es nun, die Autofahrer mittels zweier Beruhigungsinseln auszubremsen. Diese beiden gegenüberliegenden Kunststoff-Bodenelemente würden den Verkehr wirksam entschleunigen und bedeuteten mit Kosten von 4000 Euro auch einen überschaubaren finanziellen Aufwand. Die Inseln könnten an der Südseite der Unterführung platziert werden, würden dafür aber „die Länge eines straßenbegleitenden Stellplatzes in Anspruch nehmen“. Mit anderen Worten: Ein Parkplatz muss weichen.
Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD) war begeistert. Die Beruhigungsinseln seien eine „gute Lösung“ und eine „kleine Maßnahme, die ein Stück Verkehrssicherheit bringt“. Koch gab aber auch zu: „Klar, schnell kann man an der Stelle eh nicht fahren“, außerdem sei die Stelle „zurzeit auch nicht mehr so befahren“ und überhaupt würde „der vernünftige Radfahrer schauen, bevor er quert“.
Auch Rainer Rösch (ÜB) und Christian Hartmann (CSU) erkannten nicht ganz die Notwendigkeit der Beruhigungsinseln. Rösch fand: „Wenn die Polizei sagt, dass die Unfallzahlen unauffällig sind, dann lassen wir es doch einfach. Weil es funktioniert ja.“ CSU-Sprecher Hartmann merkte an, dass die Inseln für Radler – nahe der Stelle, wo sie vom Bahnweg kommend die Ostenstraße queren – auch „nicht super“ seien.
Doch eine knappe Mehrheit aus SPD, Grünen und Bündnis für Dachau setzte sich durch: Die Inseln kommen. Und anders als bei der zunächst gewünschten Vorrangquerung für Radler und Fußgänger hat die Polizei hiergegen auch keine Einwände. Laut OB Hartmann würde die Inspektion „unsere Idee mittragen“. Schließlich würden die Inseln nur entschleunigen, aber nicht aufhalten.