Statische Mängel: Portiunkulakirche in Miesbach mit sofortiger Wirkung gesperrt

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Bis auf Weiteres gesperrt: die Portiunkulakirche neben dem ehemaligen Kloster in Miesbach. © Thomas Plettenberg

Hiobsbotschaft für die Portiunkulakirche in Miesbach: Weil die Statik nicht mehr sicher ist, wurde das 1659 zu Ehren des heiligen Franziskus erbaute Gotteshaus mit sofortiger Wirkung gesperrt.

Miesbach – Auch wenn in der Portiunkulakirche keine regelmäßigen Pfarrgottesdienste stattfinden: Für viele Miesbacher ist das früher als Assisi-Kirchlein bekannte Gotteshaus auf der Klosterwiese zu einer Art Pilgerstätte geworden. „Viele verbinden besondere Erinnerungen damit“, sagt Karin Glockner-Wolf, Verwaltungsleiterin der Katholischen Kirchenstiftung Mariä Himmelfahrt. Ob Andachten zum Schulanfang, Ehejubiläen, musikalische Darbietungen oder auch die sonntäglichen Nutzungen durch die rumänisch-orthodoxe Gemeinde: Das „Juwel“, als das die 1659 im altbayerischen Frühbarock erbaute Kirche nicht nur wegen ihrer achteckigen Kuppel gilt, wurde bis zuletzt noch rege genutzt. Doch genau jene Kuppel hat jetzt dafür gesorgt, dass das kirchliche und gesellschaftliche Leben unter ihrem Schutz von heute auf morgen verstummt ist: Die Portiunkulakirche wurde wegen laut Glockner-Wolf wegen „erkennbarer Schäden an statisch relevanten Bauteilen“ vorsorglich und bis auf Weiteres voll gesperrt.

Aufgefallen seien die Mängel bei der Ermittlung von Instandsetzungsmaßnahmen an Dachdeckung und Dachstuhl, berichtet die Verwaltungsleiterin. Bei einer sogenannten Schadenskartierung habe ein Zimmereibetrieb Teile des Kuppeldaches geöffnet und ihren Erhaltungszustand geprüft. Das Ergebnis hätten Kirchenverwaltung, Statiker, Architekt und die Bauberatung der Erzdiözese dann in einem gemeinsamen Termin besprochen – und hier auch die letztlich unausweichliche und sofortige Schließung der Portiunkulakirche beschlossen.

Denkmalschutz fordert umfassende Schadenskartierung

Dass das dem Heiligen Franz von Assisi geweihte Gotteshaus unter baulichen Mängeln leidet, ist schon länger bekannt. Wie berichtet, ließ die Kirchenstiftung bereits 2019 zwei der acht Dachfelder für Kosten von rund 24 000 Euro reparieren. 2022 startete dann die Planung für die noch ausstehenden sechs Teile. Wegen der stark gestiegenen Baukosten baten die Verantwortlichen die Miesbacher um Spenden. 7600 Euro sind bis heute laut Glockner-Wolf zusammengekommen. Vermutlich nur ein Bruchteil dessen, was für die Sanierung benötigt wird. Vermutlich deshalb, weil die Kirche wegen eines Vetos des Denkmalschutzes das Projekt zunächst in die Warteschleife setzen musste. „Unser Antrag auf denkmalschutzrechtliche Genehmigung wurde abgelehnt“, berichtet die Verwaltungsleiterin. Verbunden mit der Auflage, eine umfassendere Schadenskartierung vorzulegen. Diese ist nun angelaufen – und hatte besagte Kirchenschließung zur Folge.

So schwer es Glockner-Wolf auch fiel: „Ich habe alle Schlüssel eingesammelt.“ Wann sie sie wieder austeilen darf, steht derzeit in den Sternen. „Es hängt im Wesentlichen von den zu treffenden Maßnahmen ab“, erklärt die Verwaltungsleiterin. Also von Art und Umfang der nötigen Reparaturen, um die Statik der Dachkonstruktion langfristig zu sichern und damit auch zu erhalten. Alles natürlich in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz.

Ebenso offen ist, wie es mit den bis dato noch in der Portiunkulakirche geplanten Veranstaltungen weitergeht. Potenzielle Ausweichquartiere stünden mit dem neuen Pfarrheim und der zwar ebenfalls in Teilen reparaturbedürftigen, aber immerhin nicht gesperrten Stadtpfarrkirche zur Verfügung. Sollte letztere tatsächlich dafür infrage kommen, wäre dies eine Art historischer Ausgleich, denn: Als die Stadtpfarrkirche beim großen Stadtbrand 1783 zerstört wurde, diente die damals wegen ihrer abgeschirmten Lage verschonte Portiunkulakirche drei Jahre lang als Notkirche für die Miesbacher.

Spenden

können auf das Konto der Kirchenstiftung mit der IBAN DE08 7115 2570 0000 0212 79 eingezahlt werden.

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