Landsberger Facharztzentrum ohne Apotheke nicht finanzierbar?

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So soll das geplante Facharztzentrum am Klinikum aussehen. Klinikumschef Woedl rechnet mit rund 35 niedergelassenen Ärzten. © Animation: Architekturbüro Felix & Jonas Quelle

Der Gesundheitscampus Klinikum soll alles an einem Ort bieten. Ein Element scheint bedroht: Das Facharztzentrum sei ohne Apotheke und Sanitätshaus nicht möglich, mahnt Klinikumschef Marco Woedl in einem Offenen Brief an die Stadt und die Oberbürger­meisterin. Deshalb sei jetzt eine Entscheidung nötig.

Landsberg – „Die Integration einer Apotheke und eines Sani­tätshauses ist von zentraler Bedeutung und zwingende Voraussetzung für die Realisierung des Facharztzentrums am Klinikum.“ Das ist einer der ersten Sätze im Offenen Brief von Klinikumschef Marco Woedl, den er am Mittwoch vergangener Woche an OBin Doris Baumgartl, Stadtrat und Presse richtete. Woedl drängt darin auf eine Entscheidung, ob im Facharztzentrum eine Apotheke und ein Sanitätshaus untergebracht werden dürfen (der KREISBOTE berichtete).

Klinikumschef Woedl schreibt Offenen Brief an Stadt Landsberg: Gibt es ein Finanzierungsproblem?

Apotheke und Sanitätszentrum sollen zwar nur rund 240 Quadratmeter in dem gut 6.000 m2 großen Gebäude belegen. Ohne diese Einrichtungen würden einige der Ärzte, die Interesse gezeigt hätten (siehe Grafik unten), aber vielleicht abspringen, befürchtet der Klinikumschef. Dann sei das Projekt nicht finanzierbar. Woedl nennt Kosten in Höhe von 62 Millionen Euro, die rein über Darlehen finanziert würden. Um die zu bedienen, benötige man die Mieteinnahmen – weshalb die Planung bis zur Entscheidung der Stadt auf Eis gelegt werden müsse. Insgesamt sollen rund 35 Ärzte ins Facharztzentrum kommen, pro Jahr kalkuliert Woedl dort mit 14.000 stationären Klinikums- sowie 50.000 ambulanten Patienten.

Ärzte, die Interesse angemeldet haben, ihre Praxis ins neue Facharztzentrum am Klinikum Landsberg zu verlegen.
Ärzte, die Interesse angemeldet haben, ihre Praxis ins neue Facharztzentrum am Klinikum Landsberg zu verlegen. © Klinikum LL

In der Stadtverwaltung ist man von Woedls Kommunika­tionsform überrascht. „Wir haben bisher eine gute Kommunikation gehabt“, sagt Baumgartl. Sie wünsche sich, dass sich diese fortsetze. Eine Entscheidung über Apotheke und Sanitätszentrum sei aktuell noch nicht nötig. Nachdem der Stadtrat im November dem Vorentwurf zum Bebauungsplan zustimmte, soll demnächst die Beteiligung der Öffentlichkeit starten. „Für den B-Plan würde sogar nur der Umgriff genügen“, sagt Stadtbaumeisterin Annegret Michler. Eine Entscheidung über die beiden Einrichtungen sei erst in rund einem halben Jahr nötig.

Zu wenig für andere? Apotheke und Sanitätshaus beim Klinikum sorgen für „Umsatzverteilung“

Laut Einzelhandelentwicklungskonzept der Stadt sind Apotheke und Sanitätszentrum nur in der Innenstadt oder in sogenannten Nahversorgungsstandorten erlaubt – wozu das Klinikum nicht gehört. Eine Auswirkungsanalyse und Gespräche mit allen Beteiligten hätten gezeigt dass sich der Umsatz nicht erhöhe, sondern nur verteile, sollten am Klinikum die beiden Einrichtungen einziehen – eine Art ‚steter Abfluss‘. „Eine Apotheke in der Stadt wird das nicht gleich nach einem Jahr spüren, aber eben nach drei Jahren“, sagt Wirtschaftsförderer André Köhn. Und da der Gesundheitssektor der drittgrößte Faktor für die Passantenfrequenz in einer Stadt gilt, habe es spürbare Auswirkungen, wenn eine Apotheke in der Stadt verschwinde. Eine niedrigere Frequenz mache die Lage weniger attraktiv. Und Leerstand mache wiederum die flächendeckende Nahversorgung unmöglich, für die die Stadt verantwortlich ist.

Weshalb Baumgartl auch die mögliche Abwanderung von Arztpraxen aus dem Stadtbereich zum Klinikum nicht ganz unkritisch sieht. „Das tut uns weh, wenn wir diese Praxen nicht mehr vor Ort haben.“ Sie könne es durchaus verstehen, wenn Praxen sich vergrößern wollten. Aber es gebe in Landsberg noch viele leer stehende Gewerbeflächen – siehe Papierbach –, die sich dafür eigneten. Sie hätte sich mehr externe Angebote im Facharztzentrum gewünscht wie die Strahlentherapie aus Kaufbeuren oder die Rheumapraxis aus Kaufering, die dort einziehen wollen. Auch Woedls Argument, Arztpraxen würden ohne Apotheke nicht ins Facharztzentrum einziehen, widerspricht Baumgartl: „Apotheken folgen den Ärzten, nicht andersherum.“

Woedl argumentiert auch damit, dass die kurzen Wege den Individualverkehr innerhalb der Stadt und auch die Abwanderung zum Onlinehandel minderten. Nur ein Fünftel der Klinikums-Patienten komme aus der Stadt, das Durchschnittsalter der Patienten liege bei 77 Jahren. Dieses Klientel würde sowieso nicht in die Landsberger Innenstadt gehen. Man könne auch „bestehende Einrichtungen aus Stadtrandlagen ans Klinikum verlegen“. Das verhindere die von der Stadt befürchteten Umsatzeinbußen in der Innenstadt.

Aber diese Argumente sind für die Stadtverwaltung nicht ausschlaggebend. Man unterstütze die Erweiterung des Klinikums voll und ganz, insbesondere des Funktionsbaus, so Baumgartl. Auch eine Vernetzung von stationärer und ambulanter Versorgung – wobei das nicht unbedingt eine örtliche Nähe bedinge – sei der Weg der Zukunft. Letztendlich zähle aber, dass Apotheke und Sanitätszentrum im Facharztzentrum die Existenz der örtlichen Einrichtungen gefährdeten – und damit die flächendeckende Nahversorgung im Stadtgebiet, so Baumgartl: „Hier müssen wir einen Kompromiss finden.“

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