Das Franziskuswerk Schönbrunn hat an die grausamen Verbrechen des NS-Regimes erinnert, die im Januar 1940 hunderte Kinder, Frauen und Männer mit geistiger Behinderung deportierte.
Das Franziskuswerk Schönbrunn hat anlässlich des Jahrestags der nationalsozialistischen Krankenmordaktion T4 am 18. Januar 1940, bei der die erste Deportation von Menschen mit geistiger Behinderung begann, erneut den Opfern gedacht.
Jährlich im Januar wird an die 546 Kinder, Frauen und Männer aus Schönbrunn erinnert, die diesem grausamen Programm zum Opfer fielen. In diesem Jahr widmete sich die Gedenkveranstaltung, gestaltet von den Schülern der Akademie, dem Wandel der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Menschen mit Behinderungen, wie das Franziskuswerk in einer Pressemitteilung mitteilt. Begleitet wurde sie von einer eindrucksvollen Fotoausstellung im W5-Bürgerhaus.
Warnung vor dem Erstarken menschenverachtender Ideologien
In seiner Ansprache warnte Markus Holl, Geschäftsführer des Franziskuswerks, eindringlich vor der Gefahr, dass menschenverachtende Ideologien wieder an Boden gewinnen könnten: „Es steht immer die gleiche Haltung hinter dieser Politik: Der Wert des Menschen richtet sich nicht an der individuellen Menschenwürde aus, sondern an dessen Nützlichkeit. Da ist es nicht mehr weit zu einer Aufteilung in nützliches und unnützes Leben. Dieses unheilvolle, menschenverachtende Gedankengut kennen wir in seiner schlimmsten Ausprägung. Genau deswegen sind wir heute hier und trauern über die Deportation und Tötung von 546 Kinder, Frauen und Männer aus unserem Dorf Schönbrunn.“
Mit Nachdruck plädierte Holl dafür, der Erinnerung an die Opfer einen hoffnungsvollen Kontrapunkt entgegenzusetzen. Die begleitende Ausstellung zeigt, laut Holl, die Stärke und Lebensfreude heutiger Bewohner Schönbrunns und trägt den Titel „Trotzdem Ja zum Leben sagen“. Die Porträts, aufgenommen von Fotografin und Heilpädagogin Anja Kustermann, seien ein starkes Symbol für Zuversicht und den Wert jedes einzelnen Lebens.
Wir müssen aufstehen, wenn es darauf ankommt – für die Menschenwürde und die unverhandelbaren Menschenrechte.
Holl erinnerte auch daran, wie leicht sich eine Gesellschaft durch menschenverachtende Parolen manipulieren lasse und wie wichtig es sei, wachsam zu bleiben. Mit einem Zitat des österreichischen Psychotherapeuten Viktor Frankl unterstrich er seine Mahnung: „Alles kann einem Menschen genommen werden, bis auf eines: die letzte menschliche Freiheit – die Möglichkeit, in jeder gegebenen Situation seine Haltung zu wählen.“
Die Auszubildenden der Heil㈠erziehungspflege an der Franziskuswerk Akademie trugen ebenfalls zum Programm bei. Sie erinnerten an Einzelschicksale der Opfer und hoben die Bedeutung ihres Berufsfeldes hervor. „Alle Menschen haben das Recht, als gleichberechtigte Bürger wahrgenommen und akzeptiert zu werden“, erklärte eine Kursteilnehmerin.
Abschließend rief Holl dazu auf, wachsam gegenüber rechtsextremen, demokratiefeindlichen Tendenzen zu bleiben. „Wir müssen aufstehen, wenn es darauf ankommt – für die Menschenwürde und die unverhandelbaren Menschenrechte.“