Marktgemeinderatssitzung Garmisch-Partenkirchen: Das Klinikum stattet Bericht ab

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Garmisch-Partenkirchen
  4. Kreisbote

Kommentare

Frank Niederbühl berichtete bei der Sitzung von der finanziellen Lage des Klinikums Garmisch-Partenkirchen (Symbolbild). © Bernd Weißbrod/dpa

In der jüngsten Marktgemeinderatssitzung stellte das Klinikum Garmisch-Partenkirchen seine aktuelle finanzielle Lage dar. Dies traf auf viele Nachfragen von den Gemeinderäten und führte zu hitzigen Diskussionen im Saal. Alles in allem sei die Liquiditätslage des Klinikums angespannt, aber beherrschbar.

GAP - Frank Niederbühl, der Geschäftsführer des Klinikums Garmisch-Partenkirchen, wurde zur jüngsten Marktgemeinderatssitzung eingeladen, um über den aktuellen Sachstand des Klinikums zu berichten. Dies soll zur besseren Haushaltsplanung dienen, deren Vorbereitung im Herbst beginnt. Denn, so Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU), „wir müssen wissen, in welche Richtung der Hase läuft.“

„Angespannt, aber beherrschbar“

In seinem Bericht betonte Niederbühl, dass das Defizit des örtlichen Klinikums kein Einzelfall ist, denn knapp 70 Prozent der Krankenhäuser Deutschlands schreiben ähnliche Zahlen.

Im Jahr 2023 schrieb das Klinikum Garmisch-Partenkirchen ein Minus von 11,4 Millionen Euro. Diese Zahl ergibt sich aus mehreren Faktoren, die Niederbühl in der Sitzung erläuterte: Zum einen sind die Corona-Hilfen weggefallen, was ein Minus von 8,5 Millionen Euro bedeutete. Zum anderen stiegen die Personalkosten um rund 5,2 Millionen Euro und auch der Materialaufwand wurde größer. Knapp 3,35 Millionen Euro mussten hierfür berechnet werden und weitere 1,89 Millionen Euro mehr für die Energiebeschaffung. Doch dem Klinikum Garmisch-Partenkirchen gelang es gleichzeitig, die betrieblichen Erträge um knapp 3 Millionen Euro zu steigern. Dies basiert auf den steigenden ambulanten und stationären Patientenbehandlungen im Klinikum.

Der Vortrag von Frank Niederbühl zeigt deutlich, dass die negativen Zahlen nicht innerbetrieblich entstanden sind. Vielmehr steigen die Patientenzahlen. So wurden in den letzten beiden Jahren jeweils knapp 1.000 Patienten mehr auf den Stationen des Klinikums behandelt. Diese Fallsteigerung liegt über dem Bundesdurchschnitt. Die Pandemie, Tarif- und Energiekostensteigerung, sowie die Inflation kumulieren zu einem enormen Defizit.

Doch einen Lichtblick sieht Niederbühl: „Die größten Sprünge der Inflation scheinen überstanden.“ Die Ursachen für die Negativzahlen liegen im Gesundheitssystem und sind nicht organisatorisch bedingt. Das Klinikum versucht dennoch so gut wie möglich, gegen das Defizit vorzugehen. Innerhalb des Betriebes wurden Kosten bereits eingespart, doch die Patientenversorgung nicht zu gefährden bleibt für Frank Niederbühl oberste Priorität. Das Klinikum Garmisch-Partenkirchen ist ein Schwerpunktversorger, eine Schließung einzelner Fachbereiche wäre also undenkbar.

Keine Ausweichmöglichkeiten

Nach dem Vortrag von Frank Niederbühl gab Koch die Bühne frei für Fragen von Seiten des Gemeinderats. Viele Ratsmitglieder sicherten dem Klinikum ihre Unterstützung zu, so beispielsweise Hermann Guggemoos (CSU), der betonte: „Es kann nicht sein, dass unsere Gesundheit durch Einsparmaßnahmen leidet.“

Die Bürgermeisterin untermauerte, dass sie eine politische Auseinandersetzung mit diesem Thema auch im Kreis erwartet, denn „das Klinikum zu halten ist oberste Priorität.“

Gemeinderatsmitglied Anton Hofer (GaPa miteinander) warf in die Runde, dass Patienten im Falle einzelner Fachbereichsschließungen die Möglichkeit hätten, sich in Österreich behandeln zu lassen. Diese Aussage wies Frank Niederbühl entschieden zurück: „Diese Ausweichmöglichkeit ist weder formal noch praktisch gegeben.“

Auf die Rückfrage Hofers, ob Niederbühl den Tiroler Kollegen vorwerfen würde, gegen Europarechte zu verstoßen, wenn sie deutsche Patienten nicht behandeln, reagierte zunächst Sitzungsleitung Koch: „Es ist leider notwendig, sie daran zu erinnern, dass wir hier Gäste herzlich willkommen heißen und es besteht nicht der geringste Anlass, unseren Gästen irgendwie zu nahe zu treten.“ Daraufhin untermauerte Frank Niederbühl klar seinen Standpunkt zum Thema Schließung oder Zusammenlegung einzelner Stationen: „Wenn Sie denken, dass es nicht dramatisch wäre, wenn das Klinikum Garmisch-Partenkirchen die Versorgung einschränken würde - dieser Diskussion bin ich überhaupt nicht zugänglich.“

Mit dem Kreisbote-Newsletter täglich zum Feierabend oder mit der neuen „Kreisbote“-App immer aktuell über die wichtigsten Geschichten informiert.

Auch interessant

Kommentare