Ihr eigener Mann griff zum Messer, ihr blieb nur die Flucht in ein anderes Zimmer: Blanken Ehe-Horror hat eine 62-Jährige am späten Sonntagabend erlebt.
2860 Mal musste die Münchner Polizei im vergangenen Jahr wegen häuslicher Gewalt ausrücken. Allein schon diese Zahl ist traurig. Hinzu kommt: In mehr als 72 Prozent der Fälle hat es sich beim Täter um Männer gehandelt. Ein Fünftel der Angreifer stand bei den Attacken unter Alkohol-Einfluss. Wenn man so will, passt das, was sich ein Mann aus Bogenhausen jetzt geleistet hat, voll ins Schema. Der 65-Jährige ist gegen seine Ehefrau vorgegangen. Dabei hatte er ein Messer in der Hand und laut der Polizei 1,4 Promille Alkohol im Blut. Spezialkräfte des Unterstützungskommandos USK haben am späten Sonntagabend dafür gesorgt, dass er der 62-Jährigen nichts antun konnte. Der Senior wurde in seiner Wohnung überwältigt. Sein Verhalten hatte einen Großeinsatz des Präsidiums ausgelöst.
Ehefrau musste sich in ein Nebenzimmer retten, dann konnte sie den Notruf wählen
Besonders bitter: Als die Ehefrau um 23.20 Uhr zum Telefonhörer griff und den Notwurf wählte, hatte sie schlimme Momente hinter sich. Ihr Mann wurde in einem vorausgegangenen Streit so wütend, dass er zu einem Messer griff und seine Partnerin damit bedrohte. Die Frau floh in ein anderes Zimmer und versperrte die Tür. Bei all dem Horror, den sie erleben musste, blieb sie unverletzt. Gegen den aggressiven Ehemann läuft beim Kommissariat 22 (zuständig für häusliche Gewalt) nun ein Ermittlungsverfahren. Der Vorwurf lautet auf versuchte Körperverletzung und Bedrohung. Die Nacht auf Montag hat der Bogenhausener in Gewahrsam verbracht. Danach wurde er auf freien Fuß gesetzt.
Blickt man in Statistik des Polizei-Präsidiums, fällt auf: Die Fallzahlen bei häuslicher Gewalt sind in den vergangenen zehn Jahren annähernd gleich geblieben. Zum Vergleich: 2015 gab es in München 2735 Fälle, 2024 waren es, wie erwähnt, 2860 Fälle. Erschreckend ist hingegen der Anstieg der innerfamiliären Gewalt. Waren es vor zehn Jahren noch 875 gemeldete Fälle, stieg die Zahl im vergangenen Jahr auf 1206.