Streetworkerin verrät: So tickt die Jugend von heute

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Streetworkerin Elisa Finsterer an einem der Plätze in Weilheim, die beliebte Treffpunkte für Jugendliche sind. © ralf ruder

Was Jugendlichen in Weilheim zu schaffen macht und was sie brauchen, das bekommt Streetworkerin Elisa Finsterer hautnah mit. Von ihren Erfahrungen berichtete sie jetzt vor Stadtratsmitgliedern – und hatte an diese auch kleine Bitten, deren Erfüllung kaum Geld kostet.

Weilheim – Für junge Leute zwischen 12 und 24 Jahren, die kaum von Vereinen oder anderen Institutionen erreicht werden und sich an verschiedenen Plätzen Weilheims „auf der Straße“ treffen, ist Streetworkerin Elisa Finsterer da. Finanziert großteils von der Stadt, hat die beim Verein „Brücke Oberland“ angestellte Sozialpädagogin 26 Stunden pro Woche für diese Tätigkeit zur Verfügung. Zehn Stunden davon sind „Gemeinwesenarbeit“ in Projekten und Netzwerken, bei Großveranstaltungen oder Festivals. Die anderen 16 Stunden sind für „aufsuchende Arbeit“ an den Treffpunkten der Jugendlichen reserviert.

1100 Kontakte im Jahr 2024

Dabei geht die 31-Jährige „akzeptierend“ vor, wie sie betont, und oberstes Prinzip ist, dass die Jugendlichen selbst entscheiden, ob sie Kontakt wollen. Aber der Bedarf dafür ist offenbar groß. Rund 1100 solcher Kontakte habe sie im Jahr 2024 gehabt, berichtete Finsterer jetzt im Hauptausschuss des Weilheimer Stadtrates – wobei das Spektrum von einem kurzen Smalltalk bis zum anderthalbstündigen Beratungsgespräch reichte. Die häufigsten Themen dabei waren die Ausbildungs- und Arbeitssuche, Schulschwierigkeiten, psychische Probleme und Suchtverhalten. Aber auch der dramatische Todesfall eines Jugendlichen nach einem Volksfestbesuch in Weilheim habe viele bestürzt, und die Streetworkerin war als Helferin bei der Trauerbewältigung gefragt.

Im Elternhaus fehlten oftmals stabile Strukturen und die Zeit für Gespräche und Beziehung. Vielen Jugendlichen machten Druck und Überforderung zu schaffen, und auch existenzielle Belastungen nähmen zu, so Finsterer. Die Be- und auch Überlastung des Hilfesystems spüre man dabei allerorten: Es sei enorm schwierig, Plätze etwa für Entzug, Therapie oder psychiatrische Hilfe zu bekommen.

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Verunsicherung und Verdruss spürbar

Ob sie einen Trend in den Verhaltens- und Sichtweisen junger Leuten wahrnehme? Jugendliche machten sich heute „mehr Gedanken zu Politik und Zukunft“ als noch vor einigen Jahren, antwortete die Sozialpädagogin auf diese Frage aus der Ratsrunde. Dabei sehe sie viel Verunsicherung und Verdruss; viele wüssten auch nicht, wem oder was sie noch glauben könnten. Beziehungen unter Jugendlichen entwickelten sich „sehr dynamisch“, berichtete Finsterer weiter, „auch Freundeskreise verändern sich schnell und stark“. Die allgegenwärtigen sozialen Netzwerke spielten bei all dem eine große Rolle: „Jugendliche sind sehr vernetzt und kriegen viel mit – oft aber auch gefährliches Halbwissen.“

Und was kann der Stadtrat zur Unterstützung von Jugendlichen in Weilheim tun, was würde sich die Fachfrau diesbezüglich wünschen? Die Ratsmitglieder sollten „die jungen Leute mitdenken bei Entscheidungen“, bat die Streetworkerin auf diese Nachfrage von Klaus Gast (CSU), und „dafür sorgen, dass sie sich treffen können“. Dafür brauche es Plätze, wo Jugendliche sein dürfen, und hin und wieder auch Partys oder Konzerte. „Zum Beispiel mal eine Feier für Unter-18-Jährige, vielleicht in einer Turnhalle.“ Auch Schulsozialarbeit sei besonders wichtig.

Treffpunkte „in fürchterlichem Zustand“?

Es gebe „schöne Plätze in Weilheim, wo sich Jugendliche gerne treffen“, betonte Finsterer, und dafür sei sie dankbar. Grünen-Vertreter Karl-Heinz Grehl befand jedoch, dass einige beliebte Treffpunkte „in fürchterlichem Zustand“ seien, und fragte: „Was kann man da verbessern?“ Da hatte die Streetworkerin ganz pragmatische und nicht allzu teure Vorschläge: Abfalleimer sollten tunlichst Deckel haben, damit Krähen oder andere Tiere nicht den Müll verteilen („das sind nicht immer die Jugendlichen“). Und: „Gerne auch mehr Bänke aufstellen.“

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