Das Areal rund um die Karwendelbahn-Talstation mutiert langsam aber sicher zu einer Art Campingplatz. Nun hat der Bauausschuss des Mittenwalder Gemeinderats nachträglich drei weitere Mobilheime genehmigt.
Mittenwald – Die ersten Bauwerke dieser Art sind – ohne Rücksprache mit den Behörden – bereits 2020 entstanden. Nun sind zu den zwei bestehenden noch drei weitere aus dem Boden geschossen. Der Bauausschuss des Mittenwalder Gemeinderats stimmte nun im Nachhinein dem Antrag auf eine sogenannte Isolierte Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplans Nummer 47 zu. Dieser ist in der Zeit von Bürgermeister Adolf Hornsteiner (2008 bis 2020) aus den schlechten Erfahrungen mit den Heidenheimer Hauptaktionären der Karwendelbahn heraus eigentlich genau deshalb im „Sondergebiet Berg- und Wintersport“ entwickelt worden, um beispielsweise baulichen Wildwuchs zu verhindern.
Die Realität sieht freilich anders aus. Häppchenweise haben der umstrittene Karwendelbahn-Vorstand Wolfgang W. Reich und seine Partner in gewohnter Weise Tatsachen geschaffen. Wie viele dieser sogenannten Mobilheime noch auf Karwendelbahn-Gelände entstehen sollen und welchen Zweck diese erfüllen, dazu wollte sich Reich, der sich selbst als Bürgermeister-Kandidat ins Spiel gebracht hat, einmal mehr nicht gegenüber dem Tagblatt äußern.
Gegenüber Rathaus-Vertretern waren Reich und Co. offenbar gesprächiger. Mit zwei Schreiben im Februar wird laut Marktbaumeister Ralf Bues die Aufstellung der drei fahrenden Wohnungen – 2,5 Meter breit, 8,10 Meter lang – begründet. Angeblich sollen dort Saisonkräfte in den Sommermonaten untergebracht werden. „Sie sind nicht als dauerhafte Wohnungen gedacht und auch nicht zur Vermietung geeignet“, erläuterte Bues den Ausschussmitgliedern. Da es in diesen Mobilheimen an entsprechender Ausstattung wie etwa einer Isolierung, Heizung, Kochmöglichkeit und insbesondere einer ausreichenden Stromversorgung fehlt.
Florian Lipp (Freie Wähler) kann und will sich aufgrund der Vorgeschichte mit einem nachträglichen Placet nicht anfreunden. „Isolierte Befreiung – das kann ja jeder machen“, schimpfte Lipp. „Wo fangen wir an, wo hören wir auf.“ Nun weiche man „nach all den Streitereien“ von aus gutem Grund gemachten Regeln ab, wundert sich Lipp. „Erst bauen, dann genehmigen, das regt mich auch auf. Was ist das denn für eine Art und Weise.“
Ähnlich sieht es offenbar Ludwig Hornsteiner (CSU), ohne das allerdings öffentlich zu begründen. Er und Lipp sagten nein. Die sieben anderen Gremiumsmitglieder – inklusive Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD) – erteilten hingegen ihren Segen.