Granit Xhaka wechselt von Leverkusen zu Sunderland – für eine Summe, die auch der FC Bayern locker hätte stemmen können. Eine verpasste Chance?
München – Mit Granit Xhaka wechselt einer der besten Bundesliga-Spieler der letzten zwei Jahre zu einem Aufsteiger in die Premier League. Der AFC Sunderland überweist für die Dienste des 32-jährigen Mittelfeldspielers kolportierte 15 Millionen Euro an Bayer 04 Leverkusen, die Ablöse könnte dank Boni auf bis zu 20 Millionen Euro ansteigen.
Es ist eine Summe, die beim FC Bayern höchstens für Nachwuchstalente aufgerufen wird. Zur Einordnung: Die Münchner geben João Palhinha, der nur zwei Jahre jünger ist als Xhaka, leihweise an Tottenham Hotspur ab. Die Leihgebühr beträgt laut Sky zwischen fünf und sechs Millionen Euro inklusive Boni, die Kaufoption soll bei 25 Millionen Euro liegen. Die Frage, die sich aufdrängt: Hat der Rekordmeister im Fall von Xhaka eine günstige Verstärkung verpasst?
Die Antwort ist vielschichtig, aber durchaus berechtigt. Xhaka war in den vergangenen beiden Spielzeiten einer der absoluten Leistungsträger bei Bayerns direktem Konkurrenten Leverkusen. Seine Passquote von über 90 Prozent, seine Zweikampfstärke und vor allem seine Führungsqualitäten machten ihn zu einem unverzichtbaren Baustein in Xabi Alonsos Meistermannschaft. Für einen Verein wie Bayern, der international auf höchstem Niveau konkurrieren will, wären solche Qualitäten durchaus wertvoll gewesen.
Was hätte Granit Xhaka dem FC Bayern gebracht?
Besonders pikant: Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass sich die Wege von Xhaka und Bayern kreuzen hätten können. Max Eberl enthüllte einst eine interessante Anekdote aus seiner Zeit als Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach: „Granit Xhaka hat damals mit Bayern verhandelt, als wir mit ihm verhandelt haben.“ Eberl bezog sich dabei auf das Jahr 2012, als Xhaka für 8,5 Millionen Euro vom FC Basel nach Gladbach wechselte.
Auch Ex-Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld empfahl dem Rekordmeister noch Jahre später, Xhaka zu verpflichten – ausgerechnet als Nachfolger von Alonso im Jahr 2017. Selbst 2023 gab es lose Gerüchte über einen möglichen Wechsel von Xhaka zum FC Bayern und zu Borussia Dortmund, doch er entschied sich für Leverkusen. Nun ist er endgültig vom deutschen Markt verschwunden.
Aus rein sportlicher Sicht hätte eine Verpflichtung von Xhaka durchaus Sinn ergeben. Vincent Kompanys Spielsystem lebt von ballsicheren Mittelfeldspielern, die das Spiel strukturieren und gleichzeitig defensiv absichern können. Xhakas Erfahrung von über 100 Länderspielen für die Schweiz und seine Führungsqualitäten hätten dem teilweise noch jungen Bayern-Mittelfeld gutgetan.
Besonders interessant: Xhaka hätte als erfahrener Backup für Joshua Kimmich fungieren oder in wichtigen Spielen für mehr Stabilität im Zentrum sorgen können. Seine Robustheit und sein Kampfgeist – Eigenschaften, die Bayern in den vergangenen Jahren manchmal vermissen ließen – hätten dem Team eine zusätzliche Dimension verliehen.
Zwanzig Millionen Euro für einen 32-jährigen Spieler mögen auf den ersten Blick viel erscheinen. Im Kontext des modernen Fußballs ist diese Summe jedoch moderat. Xhakas nachgewiesene Leistungsfähigkeit in der Bundesliga hätte das Risiko zudem minimiert. Ein Spieler, der maßgeblich an Leverkusens Double-Sieg 2024 beteiligt war und auch international überzeugte, für diese Summe – das kommt einem Schnäppchen gleich.
FC Bayerns Mittelfeld-Philosophie unter Kompany
Der FC Bayern scheint jedoch mit der aktuellen Besetzung im zentralen Mittelfeld zufrieden zu sein. Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlović bleiben unter Trainer Kompany gesetzt, zudem kämpfte sich Leon Goretzka in der vergangenen Rückrunde erfolgreich zurück. Mit Tom Bischof hat der Verein außerdem ein 20-jähriges Mittelfeldtalent von der TSG Hoffenheim verpflichtet.
Diese Strategie ist durchaus nachvollziehbar. Kompany setzt auf eine Mischung aus etablierten Kräften und vielversprechenden Talenten. Pavlović entwickelt sich prächtig, Kimmich ist gesetzt, und Goretzka bleibt Bestandteil des Kaders. Ein weiterer erfahrener Spieler hätte möglicherweise die Entwicklung der jüngeren Akteure gebremst – Neuankömmling Bischof soll sich schließlich entfalten.
Letztendlich ist Bayerns Verzicht auf Xhaka nachvollziehbar, auch wenn die Transfersumme verlockend war. Der Verein vertraut auf die vorhandenen Qualitäten und die langfristige Entwicklung der eigenen Spieler. Xhakas Wechsel nach England zeigt jedoch auch, dass selbst etablierte Bundesliga-Stars für lukrative Summen zu haben sind – eine Erkenntnis, die Bayern für zukünftige Transferfenster im Hinterkopf behalten sollte.